OBERSCHLESIEN
 

das ist der südliche Teil Schlesiens, eine deutsche Kulturland-
schaft am Oberlauf der Oder.
Von den Silingen, einem Teilstamm der germanischen Wanda-
len, die sich in diesem Gebiet von 100 v. Chr. bis 500 n. Chr.
angesiedelt hatten, hat das Land seinen Namen Schlesien er-
halten. Der Name Oberschlesien ist zur Unterscheidung von
Niederschlesien im 15. Jh. üblich und amtlich geworden. Er
kennzeichrnet trotz allem naturräumlichen und stammesmäßigen
Zusamenhang sowie der weitgehend gemeinsamen Geschichte
ganz Schlesiens die eigenständige Ausprägung Oberschlesiens
In seiner exponierten Nachbarschaft zu Polen und Böhmen mit
seinen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Gegebenhei-
ten.
 

Die gebietliche Ausdehnung

Oberschlesiens war im Mittelalter mit einer Fläche von rd. 18.000
qkm größer als die des heutigen Bundeslandes Schleswig-Hol-
stein. Als Friedrich der Große Schlesien Maria Theresia abnahm,
verblieben Teile des Neisser Bistumslandes und der HerzogtÜ-
mer Jägerndorf und Troppau sowie das Herzogtum Teschen bei
Österreich. Der größere TeilOberschlesiens wurde preußisch
und umfaßte das frühere Herzogtum Ratibor, das nördliche Op-
paland, das bischöfliche Fürstentum Neisse und ab 1820 den
Kreis Kreuzburg. Im Jahre 1816 wurde Oberschlesien ein preu-
ßischer Regierungsbezirk.
 

Die Oder gliedert das Land,

ihre Niederung bildet den Kernraum, dem sich die unterschiedli-
chen Teillandschaften zuwenden. Im Süden und Südwesten wird
Oberschlesien von den Beskiden und den östlichen Ausläufern
der Sudeten, im Osten vom polnischen Jura und den Kreuzbur-
ger Höhen begrenzt. Nach Norden geht es ohne natürliche Be-
grenzung in die niederschlesische Tiefebene über. Mit ihren
Nebenflüssen faßt die Oder das Land auch zusammen. Sie
verbindet die fruchtbare, bäuerlich bestimmte Ackerebene west-
lich ihres Laufes mit dem östlich dünner besiedelten, sandigen,
waldreichen Gebiet, in dem wie eine große Insel das volkreiche
Industriegebiet eingelagert ist.
 


Pieczęć miasta Bytomia z XII wieku.
Siegel der Stadt Beuthen aus dem XII Jahrhundert.


Historische Konturen und eigene Identität

bekam Oberschlesien durch die deutsche Ostsiedlung. Schle-
sische Piasten, ein ursprünglich slawischer und allmählich
deutsch gewordener Herrscherstamm, holten in das schwach
besiedelte und unterentwickelte Gebiet schon im 12. Jahrhun-
dert Siedler aus Mittel- und Westdeutschland sowie aus flä-
misch-niederländischen Regionen. Siedler und sie begleitende
Mönche fügten in Eintracht mit den eingesessenen Einwohnern
allmählich das Land in den deutschen Kulturraum ein. Der bis
dahin regellose Landbau und die Feldgraswirtschaft wurden von
der Dreifelderwirtschaft abgelöst. Planvoll angelegte Straßen-
oder Waldhufendörfer machten erst ein erfolgreiches Wirtschaf-
ten möglich.

Mit der landwirtschaftlichen Erschließung ging die Gründung
von Städten nach deutschern Recht einher. So wurden allein im
13. Jahrhundert 26 Städte gegründet, unter ihnen Oberglogau
(1212), Neisse (1215), Oppeln, Ratibor und Bergstadt (1227),
Rosenberg (1226), Kreuzburg (1252), Beuthen (1253), Gleiwitz
(1276). Das stärkte das Land. Oberschlesien gewann an Bedeu-
tung.

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