I was born in Upper Silesia 1932 and had to leave 1945. I still
love my homeland.Von Eichendorf wrote; oberschlesien mein geliebtes heimatland
-wo vom annaberg man schaut ins weite land....... greetings to all my countrymen..glueck
auf. Werner I Juretzko - Chicago - USA
Moskau - Sankt Petersburg -
Oktoberwinde
Eine politische Betrachtung von Werner I. Juretzko
Man muss die Augen schliessen, um den Oktoberwind, der die Blaetter
ueber den Roten Platz hier in Moskau oder um den Winterpalast in St. Petersburg
in alle Himmelsrichtungen herumwirbelt, zuzuhoeren, was dieser zu berichten
hat. Acht Jahrzehnte zurueck wurde dieser Wind mit dem Ballern der abgefeuerten
Kanonenschuesse des Kreuzers "Aurora" (Morgenroete) auf den Winterpalast,
Sitz der Kerenski-Regierung, zum Sturm erhoben. Jetzt, Jahrzehnte spaeter,
schaukeln die Wellen der Neva den zum Museum der Oktoberrevolution bestimmten
Kreuzer. Nur wenige Meter ist dieser verankert, von der Stelle, wo die
Schuesse abgefeuert wurden, die den Sturm auf den Winterpalast einleiteten.
Ein Sturm, welcher millonenfaches Leid der Menschheit brachte.
Der Winterpalast ist heute das Hermitage Museum. Es bietet dem Besucher
einen Blick auf eine Sammlung von ueber 65,000 Stuecken der bebeutensten,
weltgeschichtlichen Kulturgueter an. Ausser einer atemberaubenden Modelnachbildung
der historischen Erstuermung des Winterpalastes von den Bolschewisten,
erinnert nur ein Saal an diese turbulenten Tage. Hier deutet eine kleine
Tafel an der Wand, welche kaum dem Beucher auffaellt, folgendes:
" Hier in diesem Stuhl wurde am 7. Oktober, 1917, um 2:00 Uhr Morgens
Kerenski mit seiner Regierung verhaftet."
Was nicht auf dieser Tafel geschrieben steht, ist, dass mit Kerenski
ueber 5000 Anhaenger, Menschewikis, Intellektuelle, Zaristen und andere
der Revolution nicht positiv Gesinnte in die danebenliegende Peter und
Paul Festung getrieben wurden. In der gleichen Woche noch wurden auf Beschluss
des Obersten Sowjets, "um die Petrograder Bevoelkerung nicht durch das
laute Schiessen zu beunruhigen", alle Schutzhaeftlinge mit Bajonnetten
umgebracht. Die Revolution begann ihre ersten Kinder zu fressen !
( Mit dem Eintritt Russlands in den ersten Weltkrieg ist das deutschklingende
Sankt Petersburg in Petrograd umbenannt worden und verblieb so bis 1924,
dann wurde es auf Anweisung Stalins, Leningrad. 1987 entschied die Bevoelkerung
von Leningrad in einer demokratischen Wahlabstimmung der Stadt ihren originalen
Namen zurueckzugeben.)
Es ist wie eine Ironie des Schicksals, das hier vor einem Monat erst,
die Gebeine des ermordeten Zaren Nickolas II und seiner Familie zur letzten
Ruhe gebettet wurden. Im sibirischen Jekataerinenburg in den Kellern eines
Jagdschlosses 1917 von den Kommunisten abgeschlachtet, waren die Leichen
in einem nahen Wald verscharrt. 1997 wurden sie exhumiert und mittels DNA-Tests
sind diese Knochen als die der Zarenfamilie identifiziert worden.
Keine andere Stelle auf dieser Welt wiederspiegelt den Keim, der die
wirkliche Tiefe, die gesammte Weite oder das Ganze, was einst der Praesident
der Vereinigten Staaten von Amerika, Ronald Reagan, als das "Evil Empire"
(das teufliche Reich) bezeichnete, mehr, als der Platz, hier vor dem Bolschoi
Theater in Moskau, im Schatten des Kreml. Gegenueber steht die ueberdimensionale
Bueste mit der haesslichen Fratze des Karl Marx! Die aus dem steinernen
Sockel herausstehenden kyrillischen Buchstaben schreien dem vorbeigehenden
ins Anlitz: "Proletarier aller Laender vereinigt Euch". Vor einigen Tagen
erst wurden die letzten zwei Worte dieses marxistischen Aufrufes ueberklebt.
Ein Stueck Wellpappe ergaenzte einige englische Worte und die marxistische
Inschrift lautete fuer eine kurze Zeit: "Proletarier aller Laender, I am
Sorry". Ein ewig, linientreuer Genosse riss es zu Boden und stellte das
in seinen Augen geschaendete Denkmal wieder in seiner Originalitaet her.
Doch die Hochburg der Tyrannei, welche bis vor kurzen noch die Menschheit,
in einem Drittel der Erdoberflaeche umspannenden teuflischen Riesenreich
in Blut und Traenen ersoff, jegliches Aufbegehren mit dem Genickschuss
erstickte, mit Gulags und Arbeitsvernichtungslagern von Archangelsk bis
Wladiwoststok bestueckte, ist das gelbe Gebaeude dort, - die Lubjanka!
Hauptsitz des KGB - Ihr zentrales Gefaengnis. In seinem Kellern liegen
noch immer in versiegelten Tresoren die Karteikarten mit den Namen der
50-55 Mill. geschaetzten Opfern der kommunistischen Einlusssphaere und
darueber hinaus in strenger Geheimhaltung.
Grosse, ovale Blumenbeete mit herrlichen gelb und braunen Herbstblumen
schmuecken den Platz vor der "Lubjanka". Vor kurzem erst wurde die wiederum
so typisch ins ueberdimmensionale neigende kommunistisch-architektonische
Tendenz des Bauens ,das riesige Monument des Schoepfers des KGB Felix Dzerzhinsky
abgebaut und in die historische Mottenkiste gelegt. Es ist diese teuflische
Troika Dzerzhinsky, der erste Tschekist, Yezhov, Stalins Bluthund und Beria,
Stalins getreuer Henker, welche einst von den Raeumen ueber diesen Blumenbeeten
die Regie der Vernichtungsmaschine des Roten Hoellenreiches fuehrten. Es
ist fast unfassbar und furchtsam hier zu stehen. Es ist so ruhig hier!
Nur der Wind erzeugt ein Geraeusch in den Blaettern der Buesche, welcher
eiskalt mir mit einem Gefuehl des Grauens ueber den Ruecken laeuft - Es
ist Oktober!!!
Beim Blick auf dieses grauenhafte Gebaeude, "Die Lubjanka", kommt der
Gedanke auf - ist all das satanisch-teuflische, was hinter dieser Fasade
ausgebruetet wurde, tatsaechlich vom Winde verweht ?
Die Antwort erfolgt ohne Zoegern ! Nein, nicht vollkommen sind die "Roten
Winde", die von hieraus ueber Voelker und Staaten wehten, verweht. Da und
dort beruehren diese noch Teile unserer Welt. Diesen Monat erst wehte ein
"Roter Hauch" 36 PDS -Abgeordnete in den neuen deutschen Bundestag. Direkte
Nachkommen aus dem Gefolge des Erich Mielke, Armeegeneral und Minister
des Staatssicherheitsdienstes (Stasi) der DDR. Derselbe Mielke, der getreu
seines Meisters Felix Dzerzhinsky, eine Kopie der Lubjanka in Berlin-Lichtenberg
errichtete. Seine Mitstreiter nannte er stolz seine "Rostocker Tschekisten",
welche bis zum Mauerfall 17 Millionen Deutsche in politischer Knechtschaft
hielten. Auch das Ehrenbattalion der Deutschen Volksarmee trug das Aermelband
"Felix Dzerzhinsky" an deren Uniform - den Namen des millionenfachen Moerders,
vor dessen Gebaeude ich jetzt stehe.
Mit einem Blick auf die Wolken ueber mir und meinen Gedanken ins Unendliche
gerichtet, klage ich: "Herr im Himmel, wo warst Du als angefangen mit dem
ersten Opfer hier die 55 Millionste Karteikarte im Keller angelegt wurde"
Doch die Antwort-die Antwort bleibt aus! Aber der Wind weht! Der Oktoberwind.
Er scheint in alle Richtungen von hier zu wehen. Und ich bete, er wird
sie alle finden, die zum Tode gefolterten. Und wenn er weht, und sie findet,
dann, Herr, erbarme dich ihrer armen Seelen! ...Oktoberwind, Oktorberwind...
Werner Juretzko war politischer Haeftling in der sowjetschen Besatzungszone.
1955 wurde Er wegen sogenannten Verbrechen nach Artikel 6 der Verfassung
der Deutschen Demokratischen Republik wegen Widerstandsaktivitaeten zu
13 Jahren Zuchthaus verurteilt. Er lebt heute in dem Mittelwesten der USA.