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Seite 10 LANDSLEUTE HEIMAT SCHLESIEN
Schlesische Nachrichten 01/2002

Raczek Jubiläum im Haus Schlesien

Zum 15. Mal veranstaltete der Bund Alter Breslauer Burschenschafter sein traditionelles Schlesien-Seminar. Die Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks, heute in Bonn ansässig, ist der Zusammenschluss der Breslauer Studentenverbindungen der Raczeks, mit der Germania, Arminia und Cheruscia. Im kommenden Jahr feiert sie ihr 185. Stiftungsfest. Von den Breslauer Korporationen gibt es heute noch über 30. Eine Liste kann beim Haus Schlesien, 53639 Königswinter, angefordert werden. Der Vorsitzende des Beirats vom Haus Schlesien Volker Knoerich begrüßte die Teilnehmer. Und Heinrich Bünger konnte mit Freude seine Referenten vorstellen: Prof. Dr. E. G. Schulz, Präsident des ostdeutschen Kulturrats und langjähriger Vorsitzender des Vorstandes bei der Stiftung Kulturwerk Schlesien in Würzburg. Er fesselte die Teilnehmer mit dem „Beitrag der Schlesier zur deutschen Kultur". Dr. Joachim Sobotta, Vorstandsmitglied im Haus Schlesien und Chefredakteur i. R. der Rheinischen Post, Düsseldorf, sprach über „Schlesische IdentitätÜberlegungen zum Verhältnis zwischen Deutschen und Polen im vereinten Europa". Die Seminarreihe hatte stets hochkarätige Referenten. Im vergangenen Jahr konnte Dr. Bünger den Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft Schlesien begrüssen. Sein Thema: „Die Wirkung der Vertreibungsdekrete im Polen von heute". Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Landsmannschaft Peter Großpietsch scheute ein heikles Tabu nicht: „Eigentum eine offene Frage?" Zudem galt es, zwei Jubiläen zu feiern: 2001 bestand die Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks in Bonn 50 Jahre. Und 2001 ist das 190. Jahr seit der Gründung der Schlesischen Friedrich-Wilhelms Universität zu Breslau. Neben Bonn und Berlin war sie die dritte Universität, die den Namen des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. trug. Im kommenden Jahr wird man der Breslauer „Leopoldina" gedenken, der Vorgängerin der Universität, als einer von Kaiser Leopold I. gestifteten Jesuitenhochschule. Sie wurde 1811 mit der ehemals brandenburgischen Landesuniversität „Viadrina", die der Kurfürst Joachim I. ins Leben gerufen hatte und die seit 1506 in Frankfurt/Oder bestand, vereinigt. So verwundert es nicht, dass der Vizepräsident vom Haus Schlesien DiplomSozialwirt Hans-Joachim Kempe das Thema „Lebensbilder Breslauer Burschenschafter" gewählt hatte. Leider kann man das alles nicht mehr im „Schweidnitzer Keller im Rathaus zu Breslau" feiern. Dort stand in den Gewölben: „Hier tranken und sangen die Raczeks froh über hundert Jahr. Hoch Freiheit, Ehre. Vaterland, jetzt und immerdar!"
SN


Heym, Georg
Schriftsteller
30.10.1887, Hirschberg (Schlesien)
16.01.1912, Berlin

Anlässlich des baldigen 90. Todestages von Georg Heym veröffentlichen wir folgendes Gedicht:

Der Krieg

Aufgestanden ist er, welcher lange schlief,
Aufgestanden unten aus Gewölben tief.
In der Dämmrung steht er, groß und unbekannt,
Und den Mond zerdrückt er in der schwarzen Hand.

In den Abendlärm der Städte fällt er weit,
Frost und Schatten einer fremden Dunkelheit.
Und der Märkte runder Wirbel stockt zu Eis.
Es wird still. Sie sehn sich um. Und keiner weiß.

In den Gassen fasst er ihre Schulter leicht.
Eine Frage. Keine Antwort. Ein Gesicht erbleicht.
In der Ferne zittert ein Geläute dünn,
Und die Bärte zittern um ihr spitzes Kinn.

Auf den Bergen hebt er schon zu tanzen an,
Und er schreit: Ihr Krieger alle, auf und an!
Und es schallet, wenn das schwarze Haupt er schwenkt,
Drum von tausend Schädeln laute Kette hängt.

Einem Turm gleich tritt er aus die letzte Glut,
Wo der Tag flieht, sind die Ströme schon voll Blut.
Zahllos sind die Leichen schon im Schilf gestreckt,
Von des Todes starken Vögeln weiß bedeckt.

In der Nacht erjagt das Feuer querfeldein,
Einen roten Hund mit wilder Mäuler Schrein.
Aus dem Dunkel springt der Nächte schwarze Welt,
Von Vulkanen furchtbar ist ihr Rand erhellt.

Und mit tausend hohen Zipfelmützen weit
Sind die finstren Ebnen flackend überstreut,
Und was unter auf den Straßen wimmelnd flieht,
Stößt er in die Feuerwälder, wo die Flamme brausend zieht.

Und die Flammen fressen brennend Wald um Wald,
Gelbe Fledermäuse, zackig in das Laub gekrallt,
Seine Stange haut er wie ein Köhlerknecht
In die Bäume, dass das Feuer brause recht.

Eine große Stadt versank in gelbem Rauch,
Warf sich lautlos in des Abgrunds Bauch.
Aber riesig über glühnden Trümmern steht,
Der in wilde Himmel dreimal seine Fackel dreht.

Über sturmzerfetzter Wolken Widerschein,
In des toten Dunkels kalten Wüstenein,
Dass er mit dem Brande weit die Nacht verdorr,
Pech und Feuer träufet unten auf Gomorrh.

Georg Heym


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