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Seite 6 ZEITGESCHEHEN
Schlesische Nachrichten 01/2002

1945, als Breslau fiel

Die dritte der vier Sendungen im Zweiten Deutschen Fernsehen über „Die große Flucht. Das Schicksal der Vertriebenen" war Breslau gewidmet. Mit einem für die Geschichte ganz Schlesiens bedeutenden und bedrückendem Datum begann der 45Minuten-Film, mit der Eroberung des ersten schlesischen Dorfes Klein Zöllnig im Kreise Oels am 19. Januar 1945. Ursula Brauburger, damals ihren 6. Geburtstag feiernd, Mutter des Co-Autors der Produktion, Stefan Brauburger, konnte als Zeitzeugin berichten. Hauptthema des Films war der Kampf um Breslau und die Eroberung der Hauptstadt Schlesiens durch die Rote Armee.

Im letzten Januardrittel hatte die vom Gauleiter Karl Hanke befohlene Evakuierung begonnen. Der stellvertretende Oberbürgermeister der Stadt wurde standrechtlich erschossen, weil er angeblich seine eigene Flucht vorbereitet hatte. Tausende von Flüchtlingen aus Oberschlesien strömten, zum Teil mit mitziehenden Rinderherden durch die Stadt (im Film nicht eingefangen). In Jalta tagte die Konferenz der drei großen Sieger Sowjetunion, Großbritannien und USA. In Dresden gingen die Fliegerbomben auf die Stadt, ihre Einwohner und die Menschen in den Flüchtlingstransporten nieder. Breslau, das bereits im Herbst 1944 von Hitler zur Festung erklärt worden war, war seit dem 15. Februar 1945 eingeschlossen. In der Stadt lebten noch über 200 000 Einwohner, 45 000 Soldaten sollten die Stadt verteidigen. Ostern, 1. und z. April 1945, als die Stadt von Brandbomben in einem Feuermeer unterzugehen drohte, waren am grausamsten.

Unter den Zeitzeugen ragte Horst Gleiss, damals gerade 14 Jahre alt, besonders heraus, und er wurde auch im Abspann neben dem polnischen Professor Karol Jonca (in Gleiwitz geboren) als Berater ausdrücklich erwähnt. Ihm verdanken wir ein zehnbändiges Werk „Breslauer Apokalypse", in dem Tag für Tag dokumentarisch belegt ist, was in diesen bitteren Tagen, Wochen und Monaten in Breslau geschehen ist. Dank auch der gleichfalls zu Wort kommenden Zeitzeugen, die heute meist im achten Lebensjahrzehnt stehen, wurde dem Zuschauer ein um Objektivität bemühtes Bild vom Fall Breslaus und von den grausamen Begleitumständen vermittelt. Eine nicht unwichtige und unrühmliche Rolle spielte in dieser Zeit der nationalsozialistische Gauleiter Karl Hanke, der schließlich am Tag der Kapitulation, am 6. Mai ausgeflogen wurde. (Sein physisches Ende ist bis heute nur in Gerüchten festgehalten.)

Da das historische Ereignis vom Untergang Breslaus im Mittelpunkt stand, wurde das Verbrechen der Beitreibung mehr am Rande notiert. Man unterschied, wie es heute üblich geworden ist, zwischen den ersten wilden und den aufgrund der Potsdamer Beschlüsse legalen Vertreibungen. Hilfreich war dann allerdings das schon aus anderen Filmen bekannte Wort des Oppelner Oberhirten Alfons Nossol über das Verbrechen der Vertreibung. Gar zu oberflächlich wurde auf das Schicksal der aus Ostpolen jenseits von Bug und San ausgesiedelten Polen verwiesen. Auch sie Vertriebene, aber unter ganz anderen Begleitumständen als die Deutschen, zumal es sogar ein Abkommen zwischen den Regierungen von Polen und der Sowjetunion gegeben hat. Außerdem, was im Film auch gedanklich nicht angesprochen worden ist, hätte es der Vertreibung der Deutschen nicht bedurft, um in Schlesien für etwa anderthalb Millionen Polen eine neue Bleibe zu schaffen. Die Gleichung vom Bevölkerungsaustausch, Deutsche raus! Und Polen rein! Geht nicht nur nicht auf, sondern ist auch unmenschlich.

Dem Film, an dem auch der Schlesier Ekkehard Kuhn als Co-Autor mitgearbeitet hat, wird gern bestätigt, dass er die Fakten deutlich herausgestellt hat und auf diese Weise zutreffende Informationen vermittelt und bestimmt aufklärend gewirkt hat. Aber der Film war von Guido Knopp, dem Hauptverantwortlichen für die vier Sendungen (in dem Begleitbuch zeichnet er als Verfasser) so angelegt, dass schriftlich niedergelegte Aussagen von Zeitzeugen, die inzwischen verstorben sind, nicht eingeblendet werden durften, und das war nicht gut so. Außerdem sei heftig Kritik geübt an der unterlegten Musik. Diese sollte das dramatische Geschehen wohl noch dramatischer machen. Aber es hätte das gesprochene (und leider vermisste schriftliche) mit einem fortlaufenden Begleittext genügt. Die lautstark eingeblendete Musik hat abgelenkt und die Wirkung des Geschehens auf den Zuschauer arg gemindert.

Ein Zeugnis aus dem eingeschlossenen Breslau sei nachgeliefert, ein grimmiger Vers auf den Befehlshaber der Wehrmacht, General Hermann Niehoff, und den NSGauleiter: „Hoffe nicht auf Niehoff/ ehe nicht der Hanke hängt".
Herbert Hupka (SN)


Die deutsch-polnische Verständigung fördern
Gespräch des Gleiwitzer Kreises (GK) in der Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen

„Brücken bauen für die deutsch-polnische Verständigung" - unter dieser Überschrift fand am Montag, 22. Oktober, ein informelles Gespräch des Gleiwitzer Kreises (GK) in der Staatskanzlei statt. In diesem Treffen erörterten die Vorstandsmitglieder des GK Rudolf Kalka und Karl Mosler mit einem Vertreter der Staatskanzlei den aktuellen Stand der Kooperationsprojekte zwischen dem Land NordrheinWestfalen und der Woiwodschaft Schlesien, deren wichtigste Stadt nach Kattowitz, Gleiwitz ist. Darüber hinaus ging es um konkrete Möglichkeiten, den Gleiwitzer Kreis bei Projekten der Landesregierung, die auf Gleiwitz Bezug nehmen, einzubeziehen.

Hintergrund des Treffens ist der Besuch von Ministerpräsident Wolfgang Clement im Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit in Gleiwitz im September 2000. Zwischen dem Land NordrheinWestfalen und der Woiwodschaft Schlesien bestehen seit vielen Jahren freundschaftliche Verbindungen in Formen von Städtepartnerschaften und Bürgerinitiativen. Am 1. September 2000 unterzeichnete Ministerpräsident Clement und der Marschall Olbrycht in Kattowitz eine Gemeinsame Erklärung über die Zusammenarbeit und den Ausbau freundschaftlicher Beziehungen zwischen dem Land Nordrhein-Westfalen und der Woiwodschaft Schlesien.

Der Gleiwitzer Kreis verfolgt seit seiner Gründung 1997 das Ziel, Brücken zu bauen zwischen in Deutschland lebenden Gleiwitzern und heute in Gleiwitz lebenden polnischen und deutschen Einwohnern und Behörden der Stadt. Dazu dienen Ehemaligentreffen an Gleiwitzer Schulen, Kunstausstellungen, Gespräche mit politischen Vertretern der Stadt und des Sejm sowie regelmäßige Studienreisen von gebürtigen Gleiwitzern in ihre Heimatstadt. Seitens der öffentlichen Stellen der Stadt Gleiwitz wird der Gleiwitzer Kreis regelmäßig über entsprechende Vorhaben vor Ort unterrichtet. Für Projekte der Landesregierung in Schlesien stellen Initiativen von in NRW und Deutschland lebenden Schlesiern, wie dem GK, mit ihrer Sachkompetenz eine wertvolle Unterstützung dar.
R. Kalka (SN)


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