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POLITIK |
Schlesische
Nachrichten 01/2002
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Polnisches
Opel-Werk in Gleiwitz entlässt weit über 300 Arbeiter. Auf die
Zahl der Beschäftigten von 2500 Arbeitern berechnet sind das jetzt 17
Prozent. Für die südkoreanische Firma Daewoo, von der seit langem bekannt
ist, dass sie nicht mehr liquide ist, werden von der polnischen Regierung
Investoren gesucht. In einem kurz bemessenen Stillhalteabkommen der polnischen
Banken wurden bereits 600 000 Zloty (300 000 DM) der Firma Daewoo Kredite
für Sanierungspläne eingeräumt. Die Firma ließ wissen, dass es mindestens
ein halbes Jahr dauern würde, bis ein neuer Anlieger gefunden werden kann.
„Wir sind in Afghanistan dabei", wie Staatspräsident Aleksander
Kwasniewski verkündete. Er sprach vom Einsatz der polnischen Spezialtruppe
„Grom" (Donner) und 300 Fallschirmsoldaten. Die Zusammensetzung des
polnischen Truppenkontingents sei zuvor mit den USA und der NATO, deren
Mitglied Polen seit 1999 ist, abgesprochen. Die Kosten, die für Polen
entstehen, werden auf 30 Millionen Zloty (ungefähr 15 Millionen DM) beziffert.
Kwasniewski erklärte: „Polen muss stark und fähig sein, das Leben und
die Gesundheit seiner Bürgerin jeder Ecke der Welt zu schützen. Daher
ist es nur rechtens, wenn sich unsere Soldaten am Kampf gegen die schlimmste
Seuche dieses Jahrhunderts, das heißt gegen den internationalen Terrorismus
beteiligen."
Radikaler Bauernführer Andrzej Lepper im Sejm abgewählt. Nachdem
die Bauernpartei „Selbstverteidigung" als drittstärkste Partei mit
über 10 Prozent Stimmenanteil am 23. September 2001 in den polnischen
Sejm entsandt worden war, wurde ihr Vorsitzender Andrzej Lepper in die
Position eines Vizemarschalls (Vizepräsidenten) des Parlaments gewählt.
Jetzt wurde er auch gleich wieder abgewählt, denn sein Auftreten in der
Öffentlichkeit konnte nur als skandalös bezeichnet werden. Den von Premierminister
Leszek Miller in die Regierung berufenen Außenminister Wlodzimierz hatte
Lepper aufgrund der in Brüssel geführten Gespräche zum Beitritt Polens
in die Europäische Union laut und vernehmlich eine „Kanaille" genannt.
Während der Prozedur der Abwahl warf Lepper Regierungsmitgliedern und
auch Vertretern der zweit stärksten Partei im Parlament, des Bürgerforums,
schlimmste Korruption vor. Gegen Lepper und einige Fraktionskollegen von
„Selbstverteidigung" hängen noch gerichtliche Verfahren aus der Zeit
vor dem Einzug ins Parlament an. Die Rechnung, dass diese dank der Wahl
in den Sejm gegenstandslos geworden seien, ging nicht auf, denn die parlamentarische
Immunität beginnt erst mit der Übernahme eines parlamentarischen Mandats.
Es muss davon ausgegangen werden, dass Andrzej Lepper der demokratischen
inneren Ordnung Polens noch schwer zu schaffen machen wird.
Prozess gegen den Lamsdorfer Lagerleiter Czeslaw Gemborski tritt auf
der Stelle. Auf mehreren Wochen bemessene Interwalle und die gerichtlich
beschlossene Rücksichtnahme auf den Gesundheitszustand des Angeklagten,
weshalb er nur für drei Stunden dem Prozess beiwohnen kann, sind mit schuld
daran, dass das Verfahren nicht vorankommt. Außerdem taktiert die Verteidigung
dahingehend, dass die vernommenen Zeugen den Brand der Lagerbaracke im
Oktober 1945 nicht selbst gesehen und die Erschießung der deutschen Lagerinsassen
wohl eher aus der Veröffentlichung des deutschen Lagerarztes Heinz Esser
als durch eigenes Wissen beweiskräftig belegen können. Auch die prozessualen
Begleitumstände sind höchst verwunderlich: das eine Mal erschien der offizielle
Anklagevertreter nicht zur angesetzten Verhandlung, das andere Mal war
der Vorsitz in der Führung des Prozesses ausgewechselt worden. Es war
überdies auch schon vorgekommen, dass Zeugen gela
den worden sind, die längst gestorben waren, was aber dem Oppelner Bezirksgericht
nicht bekannt gewesen sein soll.
Papst empfängt den polnischen Ex-Diktator Wojciech Jaruzelski.
Das Ende November im Vatikan geführte Gespräch dauerte zweieinhalb Stunden
und wurde von Jaruzelski, der sich im Anklagezustand der polnischen Justiz
befindet, so kommentiert: „Allein die Tatsache, dass Papst Johannes Paul
II. mich empfangen hat, ist ein Beweis dafür, dass er das, was ich an
Gutem getan habe, zu schätzen weiß." Sich gleichzeitig von der katholischen
Kirche als ehemaliger Kommunist distanzierend meinte Jaruzelski: „Die
oberste Autorität für mich ist die Gesellschaft und ihre Meinung. Dabei
ist für mich natürlich auch die Meinung des Papstes außerordentlich wertvoll."
Vom Papst, dem katholischen Landsmann, empfangen worden zu sein, ist dem
Angeklagten Jaruzelski bestimmt höchst willkommen!
In Brüssel neue Fristen zum EU-Beitritt Polens ins Gespräch gebracht.
Als Außenminister Wlodzimierz Cimoszewicz bei seinem Antrittsbesuch in
Brüssel für den möglichst baldigen Beitritt seines Landes zur Europäischen
Union plädierte, brachte er neue Obergangsfristen ins Gespräch. Anstatt
18 Jahre als Frist für den Erwerb von Immobilien anzusetzen, sollten es
jetzt „nur" 12 Jahre sein. Gleichzeitig erwartet Polen ein Abrücken
der Brüsseler Gegenseite von der Frist von 7 Jahren für den freien Zugang
zum Arbeitsmarkt. Entschieden ist allerdings noch nichts.
SN
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