|
| Seite
2
|
POLITIK |
Schlesische
Nachrichten 01/2002
|
Schlesische Notizen
Schlesische Notizen Zur Übergabe von über 3361 katholischen
Kirchenbüchern an Polen teilte jetzt das Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz
mit: „Nur ein kleiner Teil der Bücher stammt aus Diözesen, die vor dem
Zweiten Weltkrieg in den Gebieten des Deutschen Reiches gelegen haben
oder aus der Diözese Danzig. Aus Schlesien kommt nicht ein einziges.
Weit überwiegend stammen sie aus damals zu Polen gehörenden Bistümern
wie Gnesen, Kulm, Plock oder Woclawek. Deren ethnisch gemischter bzw.
polnischer Charakter war infolge der nationalsozialistischen Volkstums-
und Rassenpolitik, die in den vom Deutschen Reich annektierten Gebieten
u.a. zur Ermordung fast des gesamten polnischen Klerus geführt hat, übrigens
weitgehend im Sinne einer ,Germanisierung' verändert worden. Tatsächlich
stammen alle Bücher, die nunmehr in ihre Herkunftsgebiete zurückkehren
werden, aus einer Beschlagnahmeaktion der Kreisverwaltungen des Deutschen
Reiches, die diese während des Zweiten Weltkrieges im Interesse des Reichssippenhauptamtes
durchgeführt haben. Im Mai 1945 wurden die Bücherteilweise in erheblich
beschädigtem Zustandvonalliierten Kulturoffizieren in einem Salzbergwerk
gefunden und beschlagnahmt und insoweit vor der weiterten Zerstörung bewahrt."
Schließlich wird in dem offiziellen Schreiben des Sekretariats der Deutschen
Bischofskonferenz darauf verwiesen, dass die „im Kirchenbuch-Archiv noch
eingehenden Anfragen dank der dort vorliegenden Kopien auch weiterhin
von dort aus beantwortet werden können." Warum so spät dieser kirchliche
Kommentar mit Erläuterungen, nachdem aus gutem Grund gegen die Übergabe
der katholischen Kirchenbücher nachdrücklich und vielerorts protestiert
worden war? Aus der vorliegenden Erklärung ist zumindest zu schließen,
dass aus der Erzdiözese Breslau kein Kirchenbuch an die neu entstandenen
schlesischen Diözesen jenseits von Oder und Neiße ausgeliefert wird.
Das Düsseldorfer Eichendorff-Institut in MaxHerrmann-Neiße-Institut
umbenannt. Bis zu Beschlüssen des Staatsministeriums für die Angelegenheiten
der Kultur und der Medien (zuerst unter Michael Naumann, jetzt unter Julian
NidaRümelin) wurde das Eichendorff-Institut von der Bundesregierung über
die Stiftung Haus Oberschlesien finanziell gefördert. Jetzt geht eine
finanzielle Förderung direkt von der Bundesregierung an die Heinrich-Heine-Universität
in Düsseldorf, und für einen neuen Namen wurde auch gesorgt, denn in der
Unterzeile heißt es jetzt „Europäisches Zentrum zur Erforschung der deutschsprachigen
Kulturen und Literaturen im östlichen Europa". Die Stiftung Haus
Oberschlesien entzog darauf dem neuen Institut die Berufung auf den Namen
Joseph von Eichendorff. Der neue Name des Instituts, Max-HerrmannNeiße,
spricht auch für einen Dichter aus oberschlesischer Wurzel, 1886 in Neiße
geboren, 1941 in London gestorben. Das Auswärtige Amt weigert sich allerdings,
das Grab des Dichters weiterhin zu pflegen!
In der heutigen Republik Polen liegen 468 000 deutsche Soldaten in
weit über 19 000 Grablagerorten. Inzwischen sind nach Auskunft vom
Volksbund Deutsche
Kriegsgräberfürsorge von den geplanten Sammelfriedhöfen zwölf errichtet
und eingeweiht worden. Einer der größten Friedhöfe liegt 25 km von Breslau
entfernt, in Groß Nädlitz (Nadolice Wielke), ein weiterer im oberschlesischen
Laurahütte (Siemanowice). In die Besuchsreisen in die Heimat Schlesien
sollten Besuche auf den Soldatenfriedhöfen miteingeplant werden. Ein Kriegsgräberabkommen
zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen gibt es
allerdings bis heute noch nicht!
Im Rückblick auf 2001: Ein Höhepunkt deutscher Erntedankgottesdienst
in der Liebfrauenkirche in Liegnitz. Pastor Wolfgang M. Meißler, der für
deutsche Gemeinden in Niederschlesien wochenlange Ferienvertretungen regelmäßig
übernimmt, berichtet, dass der Gottesdienst von 350 Teilnehmern besucht
war, verbunden mit der Feier der Konfirmation vor 50 oder noch mehr Jahren.
In der Taufkapelle wurde eine Tafel enthüllt, das Duplikat aus der Patenstadt
Wuppertal: „1945 Liegnitz 1995-Dem Gedenken der Opfer des Krieges und
der Vertreibung aus Stadt und Kreis Liegnitz". Der Text liegt in
deutscher und polnischer Sprache vor. Auch das steht in dem Bericht: „Am
3. August 2001 wurde in Bad Reinerz der erste deutsche evangelische Gottesdienst
seit 1946 gefeiert"!
„Schlesien - Kunst Wissenschaft Volkskunst Eine Vierteljahresschrift",
begründet von Karl Schodrok, fortgeführt von Eberhard G. Schulz, ist mit
fünf Jahrgängen im Rückstand. Im Jahre 2000 war angekündigt worden,
dass im letzten Quartal des Jahres 2000 die fehlenden Hefte 3 und 4 des
Jahrganges 1996 erscheinen werden, aber außer Heft 3 ist nichts mehr erschienen.
In einer Ankündigung hieß es: „Der Rückstand soll durch zwei Doppelbände
(1997/98 und 1999/2000) von je vier Heften möglichst bald aufgeholt werden."
Jetzt ist auch noch der Jahrgang 2001 ausgefallen. Das heißt, dass die
einzige kulturelle Zeitschrift unseres kulturell so reichen Schlesiens
nicht nur den Lesern fehlt, sondern auch und vor allem den Autoren, die
über Schlesien Wissenswertes berichten und über neue Forschungen informieren
wollen. Die drängende und sorgenvolle Frage: Wann erscheint endlich wieder
die Vierteljahresschrift „Schlesien"?
SN
| Seite
2
|
POLITIK |
Schlesische
Nachrichten 01/2002
|
|