Schlesische Nachrichten
Zeitung für Schlesien

Herausgeber: Landsmannschaft Schlesien ‑ Nieder‑ und Oberschlesien

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Nummer 01/2002                                               Einzelpreis 2,00 € (Euro)                                                 01. Januarr 2002

Grußwort zum Neuen Jahr
Anliegen der Vertriebenen achten
- Erfolge in der Wahrnehmung der Vertreibung -

Das Deutschlandtreffen der Schlesier in Nürnberg hat trotz aller Kritik an den Medien in jedem Fall eines bewirkt: Die Öffentlichkeit hat zur Kenntnis nehmen müssen, dass es die Schlesier gibt und dass sie sich auch so viele Jahre nach clerVertreibung in einer so kraftvollen Demonstration zu Wort melden. Dabei ging es umThemen, die zukunftsgerichtet sind und clie die Menschen heute bewegen. Die Aufhebung der die Deutschen noch immer diskriminierenden Vertreibungsdekrete, die Gleichstellung deutscher Zwangsarbeiter, die Rechte der deutschen Volksgruppe in Schlesien, die Sorge urn die kulturelle Identität der Schlesier und dieVerständigUngSarheit gegenüber Polen, sind Anliegen, die neu in das Bewusstsein vieler Mitbürger gehraChtwurden. Über Jahrzehnte waren (lies größtenteils Tabus, weil sie in das vorgegebene, weithin links geprägte Bild, (las den Deutschen vermittelt wurde, nicht passten. Vertriebene werden deshalb rigoros diffamiert. Bereits Bundesinnenminister Otto Schily hatte diese Talsache in seiner bekannten Rede im Berliner Dom 1999 beklagt. Wir nehmen inzwischen zur Kenntnis, dass die Atmosphäre sich insgesamt verändert hat. Zwar gibt es immer noch Ausfälle durch in ihrer Zeit stehengebliebener Linker, so in der Süddeutschen Zeitung, dies sind aber mehr oder weniger NachhUtgefechte aus der Betonfraktion kalter Krieger, über die jedoch die Zeit zunehmend hinweggeht. Besonders beeindruckend war für mich, wie die größte regionale Tageszeitung in Deutschland, die Westfälische Allgemeine Zeitung aus Essen, ihre Berichterstattung willig umgestellt hat.

Fernsehsendungen über die Vertreibungen bringen Millionen heute ein Geschehen nahe, das ihnen bisher noch verborgen war. Zu beklagen sind jedoch Nebentöne, die das Unterfangen in die Kritik bringen müssen. Da wird von den Vertriebenen als Hitlers letzte Opfer geredet, die eigentlichen Täter damit ins zweite Glied gerückt. Da wird der politische Kontext ausgeblendet, wie die FAZ jetzt anmerkte. Weder die Hetzschriften eines Ilya FhrenbUrg, der die Sowjets zu Mord und Vergewaltigung aufstachelte, noch die alliierten Planungen kommen in den Filmen zur Sprache.Vor allem aber nicht die Politik Stalins, die Vertreibung und Annexion auch über viele andere Völker brachte. Da es nicht gewollt ist, Deutsche nur als Opfer darzustellen, wo sie nur Opfer waren, wird versucht, das Opferbild durch Hinweise auf die Rolle der Deutschen als Täter abzuschwächen. Die UnhiStorische Aussage des Regierungssprechers Uwe-Karsten Heye, dieVertreibungsei ein „Ergebnis des HitlerKrieges", war Beispiel einer Aufrechnung und einer Relativierung eines großen Völkerrechtsverbrechens. Eine Methode, die sich in den Sendungen beider Programme auch an anderen Stellen wiederfand, besonders (las Herunterspielen der Verbrechen von Nemmersclorf oder der Torpedierung der Wilhelm GuStloff waren schon in besonderer Weise unanständig und disqualifizieren den Historiker des für die Sendung im ZDF Verantwortlichen Guido Knopp. Man stelle sich (lies bei NS-Opfern vor.

Es wechseln also immer noch Licht und Schatten, wobei das Licht zunimmt. Nutzen wir die für uns günstigere Situation, um unsere Ziele offensiv zu vertreten. Wir wollen uns weiter für Schlesien und seine Menschen einsetzen, weil wir für sie Verantwortung tragen. Verantwortung aus Heimatliebe, aber auch aus der Verpflichtung zu unseren Vorfahren, die das Land aufgebaut haben. Wir warnen allerdings davor, unsere Liebe zur Heimat zu missbrauchen, uns allein die Rolle des Helfers und desjenigen zuzuweisen, der alle seine Rechte aufgibt, um allein derVerständigung zu dienen. Es ist für die Betroffenen unzumutbar, sie weiterhin als Opfer zweiter Klasse zu behandeln und ihnen die durch das Völkerrecht verbrieften Rechte vorzuenthalten. Nicht durch die Verdrängung ungelöster Fragen wird eine friedliche Zukunft aufgebaut, sondern durch eine gerechte und für beide Seiten zumutbare Lösung der drängenden Probleme.

Ich danke allen Mitgliedern für ihre Arbeit für Schlesien, ihre Treue und ihre Unterstützung. Wir können darauf stolz sein, so viele engagierte Landsleute in den Reihen der Landsmannschaft Schlesien zu wissen, die, nur an der Sache orientiert, so wertvol le Arbeit für Schlesien leisten. Bitte unterstützen Sie den Bundesvorstand auch im neuen Jahr mit dem gleichen Engagement.

Rudi Pawelka, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien

Das Haus zum Goldenen Baum am Görlitzer Untermarkt, gesehen vom Neptun-Brunnen
Den dazugehörigen Artikel „Landesmuseum in Görlitz eröffnet" finden Sie auf Seite 5.


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