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Schlesische Nachrichten 24/2001

Wer ist's?
Auflösung des Rätsels aus Nr. 20/2001 der "Schlesischen Nachrichten" vom 15. Okt. 2001

Vier Einsender haben richtig geraten, obwohl das Rätsel diesmal ein wenig schwerer war als sonst.

Die Mutter des gesuchten Genies hieß Elisabeth Katharina Schubert, geborene Vietz (Varianten: Vitz, Fitz), sie wurde 1756 geboren und starb im Mai 1812. Der gesuchte Sohn ist Franz Peter Schubert (so sein voller Name). Der am 31. Januar 1797 geboren wurde im Wiener Vorort Lichtental (früher auch Liechtental; Mährisch Schönberg) . Die Lehrer der damaligen Zeit hatten auch in Musik zu unterrichten, so ist es selbstverständlich, dass der kleine Schubert zunächst von seinem Vater Unterricht erhielt, der darüber schreibt: "In seinem fünften Jahre bereitete ich ihn zum Elementarunterricht vor, und in seinem sechsten ließ ich ihn die Schule besuchen, wo er sich immer als der erste seiner Mitschüler auszeichnete. In seinem achten Jahre brachte ich ihm die nötigen Vorkenntnisse im Violinspiel bei und übte ihn so weit, bis er imstande war, leichte Duette ziemlich gut zu spielen, nun schickte ich ihn zur Singstunde des Herrn Michael Holzer, Chorregenten in Lichtental. Dieser versicherte mir mehrmals mit Tränen in den Augen, einen solchen Schüler nie gehabt zu haben. "Wenn ich ihm was Neues beibringen wollte°, sagte er, "hat er es stets schon gewusst. Folglich habe ich ihm eigentlich keinen Unterricht gegeben, sondern mich mit ihm bloß unterhalten und ihn stillschweigend angestaunt". Sein älterer Bruder Ignaz, der ihn im Klavierspiel unterwies, berichtet: "Ich war erstaunt, als er kam, nach einigen Monaten mir ankündigte, dass er nun meines ferneren Unterrichts nicht mehr bedürfte und sich schon selbst forthelfen wolle. Und in der Tat brachte er es in kurzer Zeit so weit, dass ich ihn selbst als einen mich weit übertreffenden und nicht mehr einzuholenden Meister anerkennen musste." 1808 war in der "Wiener Zeitung" eine Notiz zu finden, wonach "in dem k.k. Konvikte eine Stelle für einen Sopranisten erlediget" würde und wer für seinen Sohn "diesen Platz zu erhalten wünscht, hat bei der Direktion des genannten Konviktes ... zu erweisen, dass der Kandidat in die erste lateinische Klasse eintreten könne, eine gute Singstimme besitze und im Singen gut unterrichtet sei ...". Schubert wird nach bestandener Aufnahmeprüfung angenommen. Das Leben im Konvikt, in dem er bis zu seinem 17. Lebensjahr blieb, war hart, aber es gab ein Schulorchester, das das klassische Repertoire pflegte und das er hin und wieder sogar leiten durfte und für das er seine ersten Stücke komponierte. Auch in dieser Zeit komponierte Schubert in einer Gattung, in der er als erster wirklich Großes hervorbrachte: das Lied. Bis zum Ende des Jahres 1815, bemerkt ein Biograph, "schrieb der junge Komponist an die 150 Stücke dieser Gattung. Am Anfang steht das Lied ,Gretchen am Spinnrade', das am 19. Oktober 1814 niedergeschrieben wurde. Das Stück ist so bedeutend, dass Musikwissenschaftler diesen Tag als Geburtstag des deutschen Liedes bezeichnet haben." Im Jahre 1813 verlässt Schubert das Konvikt und nimmt 1814 eine Hilfslehrerstelle bei seinem Vater an, die er 1816 aufgibt, um sich ganz der Musik zu widmen, als freier Künstler zu leben, ein folgenschwerer Schritt, da die Armut ihn nunmehr Zeit seines Lebens begleiten wird. Im Herbst 1816 zieht Schubert zu einem Freund. Es ist überhaupt ein Genie der Freundschaft.

Ein anderer Biograph berichtet: "Doch hatte er auchdas Glück, treue Freunde zu finden ... Bildende Kunst, Dichtung und Musik waren die drei Leitsterne. Am hellsten strahlte der der Musik. Wenn die Freunde auch viel zusammen lasen aus den großen Dichtungen der Weltliteratur und ihren eigenen, die Lieder Franz Schuberts waren doch der geistige Mittelpunkt, und die abendlichen Zusammenkünfte der engsten Freunde waren dazu da, dass sie zum ersten Mal erklangen. Danach ging man ins Gasthaus und disputierte und philosophierte. Und nun erst wurden die Lieder im größeren Kreise der Schubert Freunde geboten. Dies meint der Namen Schubertiaden." Am Ende seines Lebens, er stirbt am 19. November 1828in der Wohnung seines Bruders Ferdinand, wird er über 600 Lieder vertont haben. Sein Werk umfasst des weiteren Messen, Orchesterstücke, Kammermusik, Sonaten, Fantasien, Klavierstücke und Tänze.

Schuberts Musik, so ein weiterer Bio graph, ist von "rätselhafter Hintergründigkeit", eine "beunruhigende, eine erhabene Schöpfung, die in uns ein unbestimmbares Heimweh, Schmerz über das verlorene Paradies, Sehnsucht nach einer anderen Welt wachruft". Bemhild Staffen (SN)

Die Gewinner: Ursula Bader/Heppenheim, Käthe Fiedel/Koblenz, Martin Kölb/Karlsruhe,
Werner Stryi/Pinneberg.


Das Weihnachtsgeschenk für alle Schlesier!

Rotraud Schöne, in Schlesien geborene Berliner Schriftstellerin, schildert in diesem bewegenden Roman das Leben einer Familie in der schlesischen Stadt Görlitz von 1920 bis kurz nach 1945. Die Autorin erzählt von einer unbekümmerten Kindheit, von dem sorglosen Leben im Hause Brandt. Nichts scheint den friedlichen Himmel in diesem Land und dieser Familie zu trüben. Aber der Krieg zerreißt wie überall auch diese Idylle...


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