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Schlesische Nachrichten 24/2001

Kontakte von Mensch zu Mensch sind die Grundlage der Verständigung
50 Jahre Schlesischer Kreis-, Städte- und Gemeindetag

In einer Festlichen Stunde im Leineschloss in Hannover hielt der Schlesische Kreis-, Städte- und Gemeindetag (SKSG); Rückblick auf 50 Jahre Arbeit für die schlesischen Menschen und für Schlesien. Der Vizepräsident des Niedersächsischen Landtages ErnstHenning Jahn begrüßte im Namen des Landtages die Delegierten der Schlesischen Heimatgruppen und Heimatkreisvereinigungen. Grußworte sprachen auch der 1. Bürgermeister der Stadt Hannover Dr. Wolfgang Scheel und die Präsidentin des Pommerschen Städtetages Margrit Schlegel, die Grüße der Landsmannschaft Schlesien überbrachte Bundesvorstandsmitglied Heinz G. Meinhardt. Der Schlesierchor Hamburg und die HamburgerTrachtengruppe Rübezahl gestalteten mit schlesischen Liedern die Feierstunde, die bunten schlesischen Trachten boten ein farbenfrohes Bild.

Ernst-Hennig Jahn würdigte das Wirken des SKSG, indem er auf die vielseitige Arbeit bei der Vermittlung von Patenschaften und Partnerschaften hinwies und auf die kulturelle Arbeit bei der Schaffung von Heimatstuben und Heimatkarteien. Auf diese Weise trage der SKSG maßgeblich dazu bei, dass schlesisches Kulturgut lebendig erhalten bleibt. Seit dem Fall der Mauer habe der SKSG viele Schulpartnerschaften begleitet und die einzelnen Heimatgruppen haben mit zahlreichen Kontakten zu ihren alten Heimatgemeinden zur Völkerverständigung beigetragen.

Das Land Niedersachsen, in dem nach Flucht und Vertreibung über 800 000 Schlesier Aufnahme fanden, würdige die Arbeit der schlesischen Menschen beim Aufbau des Landes nach dem verlorenen Krieg. Ein immer enger werdendes Band ökonomischer, politischer und vor allen menschlicher Beziehungen sei heute zu einer stabilen Größe im deutsch-polnischen Verhältnis geworden und die aus Schlesien

Vertriebenen tragen maßgeblich zu dieser Völkerverständigung bei, die zur Aufnahme Polens in die EU führen werden. Niedersachsen fühle sich dabei als Brückenbauer zu Polen und dafür werden besonders die zupackenden Hände der Schlesier gebraucht, so Ernst Henning Jahn.

SKSG-Präsident Detlev Maschler dankte dem Vizepräsidenten des Niedersächsischen Landtages für seine Worte und überreichte ihm als Gruß der Schlesischen Heimatgruppen für ihr Patenland Niedersachsen den Kupferstich einer Riesengebirgslandschaft von dem schlesischen Kupferstecher Rudolf Hacke.

Der Ehrenpräsident des SKSG Günter Kelbel ging in seiner Festrede auf die 600 Jahre alte Tradition in der Selbstverwaltung der Schlesischen Städte und Gemeinden ein. die vor 600 Jahren durch die Städte
Breslau, Namslau und Neumarkt im schlesischen Fürstenbund im Jahr 1401 dokumentiert wird. Die schlesischen Städte wurden in den folgenden Jahrhunderten immer selbstständiger durch ihre bürgerliche Selbstverwaltung. So entstand nach der Preußischen Städteordnung für die östlichen Provinzen 1861 der erste „Schlesische Städtetag", dem ausnahmslos alle schlesischen Städte angehörten. Im Jahr 1875 wurde in Gleiwitz der „Oberschlesische Städtetag" gegründet, 1905 entstand der erste „Deutsche Städtetag" in der schlesischen Stadt Pless. 1917 der „Reichsverband der Deutschen Landkreisgemeinden" und 1922/23 der „Deutsche Landkreistag". Schlesien kann als Geburtsland der kommunalen Selbstverwaltung angesehen werden.
Dieser Wille der kommunalen Gemeinwesen zur Selbstständigkeit wehrte sich auch erfolgreich gegen das „Führerprinzip" des Nationalsozialismus. Die große Bewährungsprobe dieser kommunalen Selbstverwaltung kam 1944/45 bei der Flucht vor den Truppen der Roten Armee. Den schlesischen Kommunalverwaltungen, so Günter Kelbel, ist es zu verdanken, dass die Flucht in einigermaßen geordneten Verbänden organisiert wurde. Was die Bediensteten der Kommunen in diesen kalten Wintertagen an organisatorischen Leistungen vollbracht haben, hat vielen Schlesiern das Leben gerettet. Kelbel kritisierte, dass dieser Teil der ostdeutschen Geschichte an unseren Schulen nicht gelehrt wird.
Viele Bediensteten der kommunalen Verwaltungen stellten sich auch nach 1945 freiwillig in den Dienst der Flüchtlingsbetreuung und vermittelten bei der wirtschaftlichen und sozialen Eingliederung ihrer Landsleute in den Aufnahmegebieten. Der Aufbau der Bundesrepublik von unten her, so Kelbel, durch die intaktgebliebenen kommunalen Verwaltungen, wird oft als der Beginn des deutschen Wirtschaftswunder gepriesen. Zu diesen Neuanfang zählt auch die Mitwirkung schlesischer Fachleute. So konnten auch die Gesetze zum Ausgleich von Kriegsschäden der Vertriebenen 1951 vomBundestag verabschiedet werden. Im Rahmen dieser Gesetze sammelten sich die Vertriebenen um die Heimatkreisund Ortsvertrauensleute, die als „Nachfolger" der kommunalen Verwaltungen anzusehen sind.


Als Gruß der Schlesischen Heimatgruppen, die im Schlesischen Kreis-, Städte- und Gemeindetag
seit 50 Jahren zusammenarbeiten, überreichte
Präsident Detlev A. W. Maschler (rechts) an den Vizepräsidenten des Niedersächsischen Landtages
Ernst-Henning Jahn einen Kupferstich des Riesengebirges. Foto: Jutta Graeve

Bis zum Jubiläumsjahr 1951 hatten sich insgesamt acht schlesische Kreise und Städte zusammengefunden und waren Patenschaftsverhältnisse zu Städten in der Bundesrepublik eingegangen. Es waren die Städte Breslau, Brieg, Jauer, Kattowitz, Ratibor, Reichenbach, Schreiberhau und Strehlen, die die Basis für den Zusammenschluss der Bundesheimatgruppen und Heimatkreisvereinigungen zum „Schlesischen Kreis-, Städte- und Gemeindetag" bildeten.
Die Delegierten der schlesischen Heimatkreise akzeptierten dann auch die am 5. August 1950 feierlich verkündete Charta der Heimatvertriebenen und verzichteten damit auf jede Gewalt bei der Durchsetzung ihrer Forderungen. Sie verzichteten allerdings nicht auf das Recht zur Rückkehr in ihre Heimat. Sie mussten jedoch 1991 in tiefer Enttäuschung erfahren, dass dieser Verzicht auf Gewalt dadurch entgolten wurde, dass ihnen ihre Heimat und ihr Eigentum endgültig genommen wurde, Trotzdem wird der Schlesische Kreis-, Städte- und Gemeindetag weiterarbeiten und seine Kräfte gemäß Charta der Heimatvertriebenen zum Aufbau eines gemeinsamen Europas einsetzen, schloss Ehrenpräsident Kelbel seine Festansprache.
Jutta Graeve (SN)


Weihnachtstörn der Schlesischen Jugend

Die Schlesische Jugend - Bundesgruppe - wünscht Ihnen frohe und gesegnete Weihnachtstage
und Alles Gute für das Jahr 2002, vor allem Gesundheit !
Stellv. Bundesvorsitzender der Schlesicshen Jugend, Christoph Johann Wylezol


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