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Schlesische Nachrichten 24/2001

Die Sonne war Weihnachten

Gerhart Hauptmann

Waren die Lichter meines Geburtstages erloschen, so tauchte gleich eine andere Ballung von Licht, eine zunächst nur innerliche Sonne, auf. Die Sonne war Weihnachten. Unter der Lichtflut dieses Festes hat sich wohl der Familienkreis mir am frühesten und deutlichsten eingeprägt: mein Vater, der einen martialischen Schnurrbart und Brillen trug, meine Mutter mit ihrem Wellenscheitel, mein Bruder Carl, Johanna, die Schwester. An meinen ältesten Bruder Georg habe ich aus dieser Frühzeit keine Erinnerung.

Uns Deutschen kann der volle Begriff eines Festes nur noch an diesem Feste klarwerden. Es erhebt sich aus unabsehbaren Tiefen der Vergangenheit, und seine lebendige, oberirdische Tradition wird von Generation zu Generation in der gleichen Empfängnis entgegengenommen.

Die Freude dieses Festes war nicht die unmittelbare gesunde, irdische, sondern sie war eine mystische. Sie erhob sich in überirdischer Steigerung. Über ihr stand eine immergrüne Tanne, ein Nadelbaum, aus dessen Zweigen Kerzen emporwuchsen und ihn zu einer Pyramide von Flämmchen machten. Der Baum war gesunde Waldnatur, die Kerzen auf ihm und er als ihr Träger Mysterium.

0 Tannenbaum, o Tannenbaum,
wie grün sind deine Blätter.
Du blühst nicht nur zur Sommerszeit,
nein, auch im Winter, wenn es schneit.
0 Tannenbaum, o Tannenbaum,
wie grün sind deine Blätter.

Welche widersinnige Einfalt beseelt dieses kleine Lied, und welche Tiefen des Entzückens werden durch es im Gemüt des Kindes ausgelöst.

Geschenke, Gaben brachte wohl das ganze Jahr hie und da, aber sie waren nicht von dem Zauber berührt und erfüllt wie die Bescherung unterm Weihnachtsbaum. "Vom Himmel hoch da komm ich her". Nicht die Eltern hatten uns mit Geschenken beglückt, sondern sie waren diesmal wirklich vom Himmel gekommen. Der Vater, die Mutter waren Treuhänder, die sie uns übermittelt hatten.

Darum war die Freude, die Spannung zu Weihnachten übergroß, mitunter so groß, daß mein Organismus sich in der Folge durch eine kurze Krankheit wiederherstellen mußte.

Trotzdem stellte man sogleich Berechnungen über das kommende Weihnachten an, über die Monate, Wochen, Tage, die man bis dahin noch zu bestehen hatte.

 

A Kindla kleen eim Stolle loag

A Kindla kleen eim Stolle loag,
Gbebett't uff Hei un Struh;
Doo iech doas Kinbla liega soahg,
Woar iech voo Herza fruh.

Is loag ei femm Genistla doo,
Sei Leidla doas woar rund,
Die Wängla rut, die EegIa bIoo,
Ma soa's, is woar gesund.

Die Schäfla goar hoan sich gefräht,
Die Kalbla machta muh,
Und olle hoan sich rimgedräht
Durt uff doas Kindla zu.

Goar eega hoa iech merrsch besahn
Und drüber noochgeducht,
Woas iech dam Kindla kännde gan;
A Nüßla hoot's gemucht.

Js hoot miech freindlich oangelacht,
Doo troat iech sachte naus,
Doo ging merr ei dar stilla Nacht
Die Freede nich meh aus.

Ernst Schenke

WEIHNACHT

Woran auch der Mensch auf Erden zerbricht,
von Ängsten gepeinigt in dunklen Tagen.
Hoffnung keimt tröstlich im steigenden Licht.
Etwas will uns durch die Fährnisse tragen.
Was auch den Ärmsten zum Könige macht,
kündet der Sterne gelassenes Schweigen;
Begreift das Wunder dieser einen Nacht.
Im Kind will sich der Weisheit Ursprung zeigen.

Konrad Werner


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