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POLITIK |
Schlesische
Nachrichten 24/2001
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"Enteignung steht im Widerspruch
zum Völkerrecht"
Der vertriebenenpolitische Sprecher der CDU/ CSU-Bundestagsfraktion, Hartmut
Koschyk, richtete im September folgende Frage an die Bundesregierung: Wie
beurteilt die Bundesregierung vor dem Hintergrund der Tatsache, dass sie
die Vertreibung der Deutschen am Ende des Zweiten Weltkrieges und danach
stets als völkerrechtswidrig bewertet hat, die Aussage des polnischen Außenministers
Prof. Wladysiaw Bartoszewski (vgl. "Die Welt am Sonntag" vom 26.
August 2001), dass etwaige Ansprüche deutscher Heimatvertriebener auf Restitution
bzw. Entschädigung ihres konfiszierten Eigentums "nicht berechtigt"
seien, und was unternimmt die Bundesregierung, um die polnische Seite von
ihrem Rechtsstandpunkt in dieser Frage zu überzeugen? Darauf antwortete
Dr. Ludger Volmer, Staatsminister im Auswärtigen Amt: Die Bundesregierung
ist unverändert der Auffassung, dass die entschädigungslose Enteignung von
Grundbesitz deutscher Staatsangehöriger im Zuge der Vertreibung im Widerspruch
zu geltenden völkerrechtlichen Bestimmungen steht. Zugleich ist sie sich
aber auch der Tatsache bewusst, dass die Republik Polen, wie aus dem Interview
von AM Bartoszewski mit der Zeitung "Welt am Sonntag" nochmals
hervorgeht, in dieser Frage eine andere Rechtsauffassung vertritt. Die Bundesregierung
wird, wie in der Vergangenheit, ihren Rechtsstandpunkt gegenüber der polnischen
Regierung vertreten.
SAV (SN)
Bund der Vertriebenen
zog Bilanz
Gleiche Rechte für deutsche Flüchtlinge
In landsmannschaftliche Verbundenheit trafen sich die Delegierten und
Freunde der Sudetendeutschen Landsmannschaften, der Landsmannschaft Ostpreußen
und Nordostdeutsche Gebiete und der Deutschen aus Russland zur BdVDelegiertenversammlung
im Hotel "Weißes Ross". Auf der Tagesordnung standen auch Nachwahlen
zur Kreisvorstandschaft.
Die Jahreshauptversammlung des Bundes der Vertriebenen (BdV) bot dem Kreisvorsitzenden
Armin M. Brandt (Landsmannschaft Schlesien) einen würdigen Rahmen, den
Mitgliedern der Kreisvorstandschaft für die geleistete Arbeit herzlich
zu danken. Das abgelaufene Geschäftsjahr war geprägt von einer Fülle äußerst
wichtiger Veranstaltungen und weitreichender Entscheidungen. Neben der
Tätigkeit im BdV gibt es erst recht viele Aufgaben in den Landsmannschaften
zu bewältigen.
Kreisvorsitzender Brandt nahm Stellung zu aktuellen Äußerungen des polnischen
Außenministers Bartoszewski, der die Ansprüche der Heimatvertriebenen
auf Rückerstattung als nicht berechtigt zurückgewiesen hatte. Dagegen
hält kein Deutscher, geschweige denn Deutschland, einen Polen von seinem
Besitz fern oder lässt ihn nicht in seine Heimat zurückkehren. Die polnische
Regierung sollte endlich einen Schritt auf die Vertriebenen zugehen und
ein Zeichen geben, dass Polen sich seiner Vergangenheit stellt. Hoffnungsvolle
Ansätze polnischer Intellektueller zur Aufarbeitung der Vertreibung der
Deutschen sollten verstärkt fortgesetzt werden.
Schatzmeisterin Uschi Ewert (Landsmannschaft Ostpreußen) legte einen beeindruckenden
Kassenbericht vor. Rechnungsprüfer Heinz Kohlar (LS) bat um Entlastung
der gesamten Kreisvorstandschaft, die durch die Anwesenden einstimmig
erfolgte.
Die Nachwahl zur BdV-Kreisvorstandschaft Memmingen brachte folgendes Ergebnis:
Stellvertreter des Vorsitzenden: Robert Schams (Sudetendeutsche Landsmannschaft)
und Johanna Mory (LS); stellvertretender Schriftführer: Erich Frank (SL);
Kulturreferentinnen: Johanna Mory (LS) und Gisela E. Brandt (LS); Beisitzerin:
Edeltraud Bethke (SL); Kassenprüfer: Heinz Kohlar (LS) und Hannah Schwerdtfeger
(LO). A. M. Brandt (SN)
CDU-Landtagfraktion hört
Vertriebene
Für eine Anhörung über die Probleme bei der kulturellen Förderung der
Vertriebenen im Land NRW hatte die CDU Fraktion den Bund der Vertriebenen
und die Landsmannschaften im Herbst 2001 in den Landtag eingeladen. Die
Veranstaltung diente der Information der Fraktion über die Anliegen der
Verbände in NRW.
Der Beauftragte der Fraktion, Hagen Jobi MdL, konnte eine große Anzahl
von Funktionsträgern der Landsmannschaften und des BdV begrüßen. Für die
Fraktionsspitze war der Fraktionsvorsitzende, Dr. Jürgen Rüttgers, die
Vorsitzende des Kulturausschusses sowie eine Reihe anderer Landtagsabgeordneter,
so auch zwei Haushaltsexperten, erschienen.
Der Beauftragte für Vertriebene und Aussiedler des Landes Hessen, Rudolph
Friedrich MdL und der Ministerialdirektor vom Land Baden-Württemberg,
zuständig für Vertriebenenfragen, zeigten in Eingangsreferaten die beispielhafte
Förderung in Vielem in diesen Bundesländern auf.
Der BdV Vorsitzende, Hans-Günther Parplies, gab einen Überblick über die
gegenwärtige Situation bei der Vertriebenenförderung in NRW und formulierte
die Forderung der Verbände an das Land NRW: In einer sehr fundiert geführten
Diskussion, an der sich die Vertreter aller landsmannschaftlichen Gruppierungen
und Institutionen beteiligten, wurden wertvolle Hinweise bei einer sinnvollen
Förderpraxis vorgetragen, wobei vor allem auch auf die Bedeutung für die
gesamtdeutsche und europäische Kultur hingewiesen wurde.
Die CDU Fraktion sagte zu, sich für die Anliegen der Vertriebenen einzusetzen
und deshalb auch konkrete Anträge im Landtag einzubringen.
Julia Kornylo (SN)
Koschyk: Bundesregierung
missachtet gesetzliche Verpflichtung zur Erhaltung des Kulturerbes der
Vertriebenen
Nach
einem Gespräch der Arbeitsgruppe "Vertriebene und Flüchtlinge"
der CDU/CSU-Bundestagsfraktion mit dem für Kulturfragen zuständigen Vizepräsidenten
des Bundes der Vertriebenen, Herrn Hans Günther Parplies, erklärt der
vertriebenenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hartmut
Koschyk, MdB:
Die von der rot-grünen Bundesregierung in Angriff genommenen drastischen
Kürzungen für die Pflege des Kultur- und Geschichtserbes der deutschen
Heimatvertriebenen von 46 Millionen DMI im Jahre 1998 auf 33 Millionen
DM im nächsten Jahr haben zu einem erheblichen Flurschaden bei den Kultureinrichtungen
der deutschen Heimatvertriebenen geführt. Hinzu kommt, dass die Bundesregierung
die deutschen Heimatvertriebenen und deren Kultureinrichtungen zunehmend
selbst aus der Kulturförderung herausdrängt. Angesichts des gesetzlichen
Auftrages aus § 96 des Bundesvertriebenengesetzes, wonach Bund und Länder
"das Kulturgut der Vertreibungsgebiete in dem Bewusstsein der Vertriebenen
und Flüchtlinge, des gesamten deutschen Volkes und des Auslandes"
zu erhalten haben, handelt die Bundesregierung gegen den Gesetzeswortlaut.
Was die Beendigung der institutionellen Förderung für die überregionalen
Kultureinrichtungen der deutschen Vertriebenen hierbei im Großen ist,
ist im Kleinen die massive Absenkung von Projektmitteln.
Die Förderung der Kulturarbeit der deutschen Heimatvertriebenen
ist jedoch keine verstaubte Aufgabe, sondern in Anbetracht des schwindenden
öffentlichen Bewusstseins über die kulturellen Leistungen der Deutschen
in Ostmittel-, Südost- und Osteuropa ein drängendes Erfordernis. Nicht
zuletzt der deutschdeutsche Einigungsvertrag von 1990 hat dies unterstrichen,
indem er den "Kulturparagraphen" des Bundesvertriebenengesetzes
ausdrücklich auf die neuen Länder übertragen hat. Auch sind zahlreiche
Staatsrechtler der Auffassung, dass die Änderung dieser Bestimmung dem
einfachen Bundesgesetzgeber entzogen ist, weil sie durch den Einigungsvertrag
und dessen hohe Hürden gleichsam geschützt sei. Die Bundesregierung hingegen
höhlt die Bestimmung dieses "Kulturparagraphen" aus, indem sie
die Förderung des Kultur- und Geschichtserbes der deutschen Heimatvertriebenen
ohne die Betroffenen anstrebt. Dies kommt einer "geistig-kulturellen
Vertreibung" der deutschen Vertriebenen gleich.
Im Rahmen des Gesprächs wurde BdV-Vizepräsident Parplies ferner darüber
informiert, dass sowohl die Arbeitsgruppe Kultur und Medien der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
unter ihrem Vorsitzenden, Dr. Norbert Lammert, als auch der zuständige
Berichterstatter der Unionsfraktion im Haushaltsausschuss, Steffen Kampeter,
in die jeweiligen Bundestagsausschüsse Anträge einbringen werden, die
eine deutliche Anhebung der Fördermittel für die Pflege des Kultur- und
Geschichtserbes der deutschen Heimatvertriebenen fordern.
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