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Schlesische Nachrichten 24/2001

Schlesische Notizen

Zehn Jahre Zusammenschluss der Deutschen Freundschaftskreise. In Oppeln feierte der „Verband der sozialkulturellen Gesellschaften der Deutschen in Polen", abgekürzt VdG, seinen 10. Geburtstag. Erster Vorsitzender, zur Zeit der Gründung noch unter dem Namen "Zentralrat der Deutschen in Polen", war der jetzt in Siegen lebende seinerzeitige Sejm-Abgeordnete Georg Brylka, dem dann für viele Jahre das Mitglied des Senats, Professor Gerhard Bartodziej, gefolgt ist. Von ihm übernahm (nach inneren Streitigkeiten) im Jahre 2000 Friedrich Petrach, Vorsitzender des Deutschen Freundschaftskreises in Schlesiens Hauptstadt Breslau, das Amt des Präsidenten. In einem Interview mit dem "Schlesischen Wochenblatt" nannte Petrach einige Minus-Punkte im Rückblick auf die Erfüllung gestellter Forderungen: "Es war geplant, ein vollständiges deutsches Schulnetz vom Kindergarten bis zur Oberschule in jenen Ortschaften zu schaffen, in denen Deutsche leben. Man ging davon aus, dass es Schulbücher für Landeskunde geben würde, und diese würden auf die deutsche Vergangenheit eingehen. Diese Schulbücher gibt es bis heute nicht. Man ging davon aus, wir würden ein eigenes Fernsehen und eigene Rundfunksendungen bekommen und man würde uns täglich Zugang zum öffentlichen Fernsehen gewähren. Ferner das Problem der Wiedergutmachung für Soldaten, die jahrelang ohne eigenes Verschulden in Gefangenschaft waren, ist bis heute nicht geregelt. Wenig oder nichts hat man getan, das deutsche Kulturerbe zu schützen." Während der Festveranstaltung konnten 141 Auszeichnungen für besondere Verdienste vergeben werden. Die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland und das Generalkonsulat waren nur durch den Kulturattache aus Warschau und den Vizekonsul in Oppeln vertreten!

Die nächsten Wahlen für die kommunalen Institutionen im Visier. In der in der Woiwodschaft Schlesien (Bezirk Kattowitz) gelegenen Gemeinde Ratibor, Stadt und Land, wurde kritische Rückschau angesichts der verlorenen Wahl zum Sejm gehalten und zugleich wurden Vorbereitungen für die nächste Wahl im Frühjahr 2002 für die kommunalen Einrichtungen getroffen. Lidia Burdzik, Vorsitzende im Bezirk Kattowitz und am 23. September 2001 Spitzenkandidatin, erklärte: "Wir hatten das Recht, auf die Treue, Disziplin und vor allem das Vertrauen unserer Wähler zu zählen. Aber an all dem hat es gefehlt." Norbert Hanslik, Vorsitzender des DFK in Herrenkirch im Kreise Ratibor, sagte, nachdem er auf ein hervorragendes Wahlergebnis von 41 Prozent in seiner Gemeinde hatte verweisen können: "Beim letzten Wahlkampf haben wir viel agiert, und vor der Kommunalwahl muss man eine solche Kampagne wiederholen und jedes Dorf besuchen. Leider haben wir keinen Einfluss darauf, dass viele unserer Wähler, darunter viele junge Menschen, im Westen arbeiten und nicht zur Wahl gehen."

Kardinal Joachim Meisner wurde Ehrenbürger in Trebnitz. In seiner Kindheit hat Joachim Meisner, am 25. Dezember 1933 in Deutsch Lissa, damals bereits ein Stadtteil von Breslau, geboren mit Eltern und Geschwistern wiederholt Trebnitz, die Klostergründung der Herzogin Hedwig, als Heilige die Schutzpatronin Schlesiens, besucht. Nachdem dem Kölner Erzbischof im Jahre 2000 die Ehrenbürgerschaft durch Ratsbeschluss verliehen worden war, konnte er sie jetzt entgegennehmen. Seine enge Verbindung zu Trebnitz, wo in der Basilika die Heilige ihre letzte Ruhestätte gefunden hat, bekundete Kardinal Meisner auch dadurch, dass ihm die Restitution die Einsiedelei im Trebnitz nahen Buchwald zu danken ist. In der Trebnitzer Basilika hatte Kardinal Meisner bereits im Jahre 2000 sein 25-jähriges Bischofsjubiläum feierlich begangen.

Fortsetzung des Prozesses gegen Czeslaw Gemborski. Vor dem Oppelner Bezirksgericht konnte erstmalig eine Zeugin vernommen werden, die aus eigenem Augenschein, 1945 16 Jahre alt, vom Brand der Baracke in Lamsdorf, der Erschießungen und Verbrennungen der Häftlinge zu berichten wusste. Sie wiederholte damit Aussagen aus dem Prozess gegen Gemborski aus dem Jahre 1957, als unter kommunistischem Diktat der Angeklagte freigesprochen worden war. Die Zeugin Malgorzata Klejman hatte sich als Insassin im KZ-Lager Lamsdorf an den Löscharbeiten beteiligen müssen und konnte als Augenzeugin beweiskräftige Aussagen gegen Gern borski angesichts der Anklage, 48 Häftlinge ermordet zu haben, vortragen.

Sigmar Polke als "bedeutendsten Künstler der Gegenwart" vorgestellt. In der Zeitung "Welt am Sonntag" war zu lesen: "Der Kunstkompass von,Capital', die wichtigste Orientierungshilfe für Sammler, kürte ihn jetzt zum bedeutensten Künstler der Gegenwart, zum dritten Mal mit weitem Abstand." Sigmar Polke, 1941 in Oels geboren, im Jahre 2001 mit dem Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen ausgezeichnet, erhielt soeben den mit 100 000 Mark dotierten Rhenus Kunstpreis. Der Maler lebt jetzt in Köln.

Vergesst Gerhart Hauptmann nicht! Marcel Reich-Ranicki, als "Literaturpapst" gerühmt, schrieb in der "Frankfurter Sonntagszeitung": "Gerhart Hauptmann war ein großer Dramatiker. Wir sollten uns hüten, ihn ins Museale zu entlassen. Er darf nicht vergessen werden. Dies unseren Theaterleuten und Regisseuren ins Stammbuch und natürlich auch unseren Deutschlehrern."
SN


Polnisches

Staatspräsident setzte sich gegen Premierminister durch. Es hatte zu den ersten Amtshandlungen von Premierminister Leszek Miller gehört, seinen ehemaligen Kommunisten aus der Ära der früheren "Rechtssprechung" zum stellvertretenden Generalstaatsanwalt zu berufen. Gegen diese Berufung hatte „Gazeta Wyborcza" protestiert, vor allem aber die Staatsministerin im Amt des Staatspräsidenten Aleksander Kwasniewski, Barbara Labuda. Sie verwies auf die Methoden des einstigen Staatsanwalts Jacek Kaucz, der durch üble Methoden des Verhörs seinerzeit gegen Barbara Labuda, Repräsientantin der Gewerkschaft "Solidarität", vorgegangen war. Auch der jetzige Vorsitzende der Freiheitsunion, Josef Pinior, gleichfalls Wohnsitz Breslau, war ein Opfer dieses Staatsanwaltes. Nach Bekannt werden belastender Dokumente, als Kaucz darauf angesetzt war, die Gewerkschaft "Solidarität" und deren führende Köpfe zu verurteilen, sah sich der gerade ernannte stellvertretende Generalstaatsanwalt zum Rücktritt veranlasst. In Kommentaren hieß es: "Der neue Ministerpräsident Miller bekam eine Schramme ab", "Der Rücktritt des stellvertretenden Generalstaatsanwalts ist die erste große Schlappe für Premierminister Miller. Auf Barbara Labudas Seite stand dem Konflikt Staatspräsident Kwasniewski, der nicht unbedingt als Freund Millers gilt."

Die neue polnische Regierung ernennt 16 neue Woiwoden, unter ihnen elf ehemalige Angehörige der Polnischen Arbeiterpartei, d.h. Mitglieder der seiner Zeit diktatorisch herrschenden Kommunisten. In Oppeln löst der langjährige Präsident der Stadt, Lezek Pogan, den bisherigen Woiwoden Adam Peziol, ab, den der jetzt abgewählte Ministerpräsident Jerzy Buzek ernannt hatte. Die Warschauer Entscheidung hat den Unwillen der Oppelner SLD, der postkommunistischen Partei ausgelöst, weil andere Vorschläge gemacht worden waren. Als Oberbürgermeister der Stadt und als Mitglied des Stadtrates ist der neue Woiwode ausgeschieden. Es ist offizielle Übung in Warschau, dass die 16 Woiwoden von der Zentrale ernannt werden und dies nach den Spielregeln der gerade abwaltenden Mehrheitsverhältnisse. Der neue Woiwode für Schlesien (Bezirk Kattowitz) heißt Lechoslaw Jarzebski, für Niederschlesien ist es Ryszard Nawrat.

An zehnter Stelle unter den in Brüssel registrierten Bewerbern für einen Beitritt zur Europäischen Union. Im jüngsten Fortschrittsbericht der Europäischen Kommission zum Stand der Beitrittsverhandlungen nimmt Polen unter den zwölf Kandidatenländern vor Rumänien und Bulgarien den zehnten Platz ein. Die Spitzenposition bezüglich der bereits abgeschlossenen Kapitel der vor Vertragsabschluss notwendigen Reformen nehmen Zypern, Ungarn und Tschechien ein; es folgen Slowenien, die Slowakei und die drei baltischen Staaten. Polen gilt aber weiterhin als Kandidat für die erste Erweiterungsrunde. Die "Neue Zürcher Zeitung" schrieb: "Polen ist sich seiner Restrukturierungsprobleme namentlich in den Bereichen Landwirtschaft und Schwerindustrie bewusst."

Der Vorbehalt von 18 Jahren für den Erwerb von Grundstückseigentum jetzt auf 12 Jahre zurückgefahren, wie Polens neuer Premierminister Leszek Miller verlauten lässt. Allerdings spreche Brüssel, wie die Warschauer Tageszeitung "Rzeczpospolita" meldet, von Übergangsfristen von sieben Jahren für den Erwerb von Agrarland, von fünf Jahren bei Land für Erholungszwecke, "inoffiziell könne allerdings damit gerechnet werden, dass Fristen von zehn, sieben und drei Jahren ausgehandelt werden könnten." Auch die Vorbehalte, die zum Problem der freien Verfügung über einen Arbeitsplatz für Polen in Umlauf sind, vor allem von Deutschland und Österreich erhoben, könnten variiert werden, meint man in Brüssel. Man wird offiziell eine Frist von zwei Jahren akzeptieren, dann aber den
alten Mitgliedern der Europäischen Union eine Variationsbreite von bis zu fünf Jahren für die Verschließung des eigenen Arbeitsmarktes einräumen. Wie verlautet, will Polen jedoch daran festhalten, dass die Arbeitsmärkte nach bereits zwei Jahren voll geöffnet werden.

Die Tötung von 13 Bergleuten aus dem Jahre 1981 in Kattowitz wird nicht gesühnt. Das Verfahren gegen die beiden Angeklagten der ZomoEinheit wurde eingestellt. Der Justizminister des Kabinetts Buzek erklärte,"die Entscheidung des Gerichts", so die "Süddeutsche Zeitung", "belege nur, dass der Justizapparat nicht in der Lage und nicht willens ist, Verbrechen aus der Zeit des kommunistischen Regimes aufzuarbeiten."

"News Polska" des Axel Springer Verlages überrundet bereits im ersten Anlauf die anderen Wochenschriften wie "Wprost" und"Polityka". In Zusammenarbeit mit den USA, der Heimat von "News Week" erreichte das neue Wochenblatt bereits eine Auflage von 344 000, obwohl in den Vorausberechnungen nur mit einer Auflage von 120 000 gerechnet worden war. Der schnelle Aufstieg und Erfolg, so wird gesagt, erinnert an den unerwarteten Aufstieg und Erfolg der Zeitschrift "Focus"in Deutschland.
SN


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