Heute ohne ideologische Scheuklappen
...
Herbert Hupka - Ehrenvorsitzender der Landsmannschaft
Schlesien e. V.
Ein die Medien mit beherrschender
Mann, Professor Guido Knopp, verantwortlich für die zeitgeschichtlichen
Programme des Zweiten Deutschen Fernsehens, lieferte in einem
Interview der Zeitung Welt am Sonntag" einen Kommentar
zu der Sendefolge über die Vertreibung der Deutschen aus
der Heimat, Titel Die große Flucht', einen Kommentar,
der gleichzeitig mit der Ausstrahlung der Filme unsere öffentlichen
Meinungsmacher geradezu bloßstellt. Guido Knopp verkündet:
Man kann heute ohne ideologische Scheuklappen an das Thema
(der Vertreibung) heran gehen. "Später folgt der Satz
Unterschwellig gab es ja ein Grundgefühl, dort, wo
der Krieg entfesselt wurde, zieme es sich nicht, an eigene Opfer
zu erinnern."
Beide Sätze sind lediglich Umschreibungen,
um vom eigenen sicheren Standpunkt aus, das über Jahrzehnte
währende Totschweigen des Verbrechens der Vertreibung zu
erklären, sich gleichsam dafür zu entschuldigen. Wir
kennen die immer vorgetragene Kausalität: die Verbrechen
unter dem Nationalsozialismus lasten in logischer Konsequenz das
Verbrechen der Vertreibung aus. Die gängige Folge heilt demnach:
Rache steht für Recht. Dass sich die kommunistischen Machthaber
dieser Formel bedienten, war offenkundig und bekannt, aber zu
fragen bleibt, warum man sich bei unseren Nachharn noch immer
vielfach, wenn auch Gott sei dank nicht mehr so intensiv Und ausschließlich,
dieser Formel bedient. Und so sah es auch vielerorts bis in die
politischen Kreise der Bundesrepublik Deutschland hinein hierzulande
aus. Die Medien hielten da tüchtig mit. Darum sind die angeblichen
Scheuklappen, die jetzt endlich gefallen sind, selbstaufgelegte
Scheuklappen gewesen. Man wollte die Wahrheit nicht sehen.
Man kann sogar von Ehrlichkeit sprechen,
wenn diese Scheuklappen mit dem Adjektiv des Ideologischen ausgestattet
werden. Bekanntlich hatten die Kommunisten die Sprachregelung
erfunden, wie das jetzt sogar bei einem übriggebliebenen
Mitläufer des Kommunismus nachzulesen war (Samuel Salzborn:
Grenzenlose Heimat), jeden, der das Wort als Vertriebener und
für die Vertriebenen genommen hat, als einen Revanchisten"
anzuklagen und zu beschimpfen. Das war die Ideologie, die auch
in der Bundesrepublik ihre Nachbeter hatte.
Uns soll jetzt als glaubwürdig eingeredet
werden, dass man heute ohne Scheuklappen an das Thema (der
Vertreibung) herangehen kann". Wer bestimmt eigentlich über
das Heute und begründet überzeugend, dass diese Möglichkeit,
schon gestern und vorgestern über die Vertreibung der Deutschen
zu berichten, wirklich nicht bestanden habe! Ein hartes Wort ist
hier geboten, es ist das vom eigenwilligen und eigenmächtigen
Diktat des Journalismus. Dieser bestimmt also, nicht nur das Wie
einer Berichterstattung, sondern mit absoluter Herrschaftsgeste
das Ob. Es hängt von uns, den Berichterstattern ab, wann
wir der Wahrheit eine Gasse freigeben.
Fernseh-Professor Guido Knopp wartet noch
mit einer zweiten Erklärung für (las erst Heute auf:
Als wir die Serie (Die große Flucht") vor
zwei Jahren planten, hatten wir die Szenen in Kosovo vor Augen."
Diese angebliche Parallelität klingt nicht gerade glaubwürdig,
denn es war wohl so, erst durch die Ereignisse im Kosovo 1999
und die Bilder einer grausamen Vertreibung wurde man dessen gewahr,
daß es vor Jahrzehnten schon einmal eine Vertreibung gegeben
hat, die der Deutschen. Mit Recht erinnerten der Bund der Vertriebenen
und die Landsmannschaften das, was uns Deutschen 1945 und danach
an Unmenschlichem widerfahren ist.
Es geschah auch in der Politik (die Vizepräsidentin
des Deutschen Bundestages, Antje Vollmer, und Bundesinnenminister
Otto Schily können mit ihren korrigierenden Aussagen zitiert
werden), dass jetzt entdeckt wurde, was, gleichfalls aufgrund
sogenannter ethnischen Begradigungen 44 Jahre zuvor den Deutschen,
nur weil sie Deutsche waren, geschehen war. Es war die Vertreibung!
Es war geglaubt worden, dass eine Vertreibung
gar nicht so etwas unbarmherzig Grausames und Unmenschliches gewesen
sein kann, und überdies mussten wir Deutsche ja büßen
für das, was im deutschen Namen geschehen war. Die Fernsehbilder
vom Kosovo schreckten auf, offensichtlich auch die Medien. Das
Erste Fernsehen, die ARD, begann mit einer Serie von Berichten
über die Vertreibung, allerdings unter dem tendenziösen
Titel Die letzten Opfer Hitlers". jetzt ist das Zweite
Deutsche Fernsehen gefolgt.
Das ist Chronistenpflicht, aber es muss
auch deutlich dazu gesagt werden, dass diese Chronistenpflicht
sehr spät wahrgenommen und erfüllt wird. Zudem werden
selbstgefällige Entschuldigungen zur Erklärung nachgeliefert,
als habe sich erst jetzt die Chance zur objektiven Berichterstattung
ergeben. Das zu behaupten, ist nicht wahr und unredlich.
Herbert Hupka (SN)

Grunwald in Schlesien im Winter |
Die
"Schlesischen Nachrichten"
wünschen allen Leserinen und Lesern
ein besinnliches
Weihnachtsfest
und ein glückliches
Jahr 2002
|