Schlesische Nachrichten
Zeitung für Schlesien

Herausgeber: Landsmannschaft Schlesien ‑ Nieder‑ und Oberschlesien

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Nummer 24/2001                                               Einzelpreis 3,50 DM                                                  15. Dezember 2001

Heute ohne ideologische Scheuklappen ...
Herbert Hupka - Ehrenvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien e. V.

Ein die Medien mit beherrschender Mann, Professor Guido Knopp, verantwortlich für die zeitgeschichtlichen Programme des Zweiten Deutschen Fernsehens, lieferte in einem Interview der Zeitung „Welt am Sonntag" einen Kommentar zu der Sendefolge über die Vertreibung der Deutschen aus der Heimat, Titel „Die große Flucht', einen Kommentar, der gleichzeitig mit der Ausstrahlung der Filme unsere öffentlichen Meinungsmacher geradezu bloßstellt. Guido Knopp verkündet: „Man kann heute ohne ideologische Scheuklappen an das Thema (der Vertreibung) heran gehen. "Später folgt der Satz „Unterschwellig gab es ja ein Grundgefühl, dort, wo der Krieg entfesselt wurde, zieme es sich nicht, an eigene Opfer zu erinnern."

Beide Sätze sind lediglich Umschreibungen, um vom eigenen sicheren Standpunkt aus, das über Jahrzehnte währende Totschweigen des Verbrechens der Vertreibung zu erklären, sich gleichsam dafür zu entschuldigen. Wir kennen die immer vorgetragene Kausalität: die Verbrechen unter dem Nationalsozialismus lasten in logischer Konsequenz das Verbrechen der Vertreibung aus. Die gängige Folge heilt demnach: Rache steht für Recht. Dass sich die kommunistischen Machthaber dieser Formel bedienten, war offenkundig und bekannt, aber zu fragen bleibt, warum man sich bei unseren Nachharn noch immer vielfach, wenn auch Gott sei dank nicht mehr so intensiv Und ausschließlich, dieser Formel bedient. Und so sah es auch vielerorts bis in die politischen Kreise der Bundesrepublik Deutschland hinein hierzulande aus. Die Medien hielten da tüchtig mit. Darum sind die angeblichen Scheuklappen, die jetzt endlich gefallen sind, selbstaufgelegte Scheuklappen gewesen. Man wollte die Wahrheit nicht sehen.

Man kann sogar von Ehrlichkeit sprechen, wenn diese Scheuklappen mit dem Adjektiv des Ideologischen ausgestattet werden. Bekanntlich hatten die Kommunisten die Sprachregelung erfunden, wie das jetzt sogar bei einem übriggebliebenen Mitläufer des Kommunismus nachzulesen war (Samuel Salzborn: Grenzenlose Heimat), jeden, der das Wort als Vertriebener und für die Vertriebenen genommen hat, als einen „Revanchisten" anzuklagen und zu beschimpfen. Das war die Ideologie, die auch in der Bundesrepublik ihre Nachbeter hatte.

Uns soll jetzt als glaubwürdig eingeredet werden, dass „man heute ohne Scheuklappen an das Thema (der Vertreibung) herangehen kann". Wer bestimmt eigentlich über das Heute und begründet überzeugend, dass diese Möglichkeit, schon gestern und vorgestern über die Vertreibung der Deutschen zu berichten, wirklich nicht bestanden habe! Ein hartes Wort ist hier geboten, es ist das vom eigenwilligen und eigenmächtigen Diktat des Journalismus. Dieser bestimmt also, nicht nur das Wie einer Berichterstattung, sondern mit absoluter Herrschaftsgeste das Ob. Es hängt von uns, den Berichterstattern ab, wann wir der Wahrheit eine Gasse freigeben.

Fernseh-Professor Guido Knopp wartet noch mit einer zweiten Erklärung für (las erst Heute auf: „Als wir die Serie („Die große Flucht") vor zwei Jahren planten, hatten wir die Szenen in Kosovo vor Augen." Diese angebliche Parallelität klingt nicht gerade glaubwürdig, denn es war wohl so, erst durch die Ereignisse im Kosovo 1999 und die Bilder einer grausamen Vertreibung wurde man dessen gewahr, daß es vor Jahrzehnten schon einmal eine Vertreibung gegeben hat, die der Deutschen. Mit Recht erinnerten der Bund der Vertriebenen und die Landsmannschaften das, was uns Deutschen 1945 und danach an Unmenschlichem widerfahren ist.

Es geschah auch in der Politik (die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Antje Vollmer, und Bundesinnenminister Otto Schily können mit ihren korrigierenden Aussagen zitiert werden), dass jetzt entdeckt wurde, was, gleichfalls aufgrund sogenannter ethnischen Begradigungen 44 Jahre zuvor den Deutschen, nur weil sie Deutsche waren, geschehen war. Es war die Vertreibung!

Es war geglaubt worden, dass eine Vertreibung gar nicht so etwas unbarmherzig Grausames und Unmenschliches gewesen sein kann, und überdies mussten wir Deutsche ja büßen für das, was im deutschen Namen geschehen war. Die Fernsehbilder vom Kosovo schreckten auf, offensichtlich auch die Medien. Das Erste Fernsehen, die ARD, begann mit einer Serie von Berichten über die Vertreibung, allerdings unter dem tendenziösen Titel „Die letzten Opfer Hitlers". jetzt ist das Zweite Deutsche Fernsehen gefolgt.

Das ist Chronistenpflicht, aber es muss auch deutlich dazu gesagt werden, dass diese Chronistenpflicht sehr spät wahrgenommen und erfüllt wird. Zudem werden selbstgefällige Entschuldigungen zur Erklärung nachgeliefert, als habe sich erst jetzt die Chance zur objektiven Berichterstattung ergeben. Das zu behaupten, ist nicht wahr und unredlich.
Herbert Hupka (SN)

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