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Seite 15 VERMISCHTES
Schlesische Nachrichten 23/2001

"Quickborn" gegründet in Neiße
Das Wort vom Ereignis aus dem Titel der Dissertation sei angesichts dieser Dissertation an der noch nicht ein Jahrzehnt bestehenden Universität in Oppeln wiederholt. Es ist ein gern begrüßtes Ereignis, dass die Arbeit in deutscher Sprache über "ein wichtiges Stück der oberschlesischen Kultur und Geistesgeschichte" dieser drei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts unterrichtet. Das Zitat von der "oberschlesischen Kultur und Kirchengeschichte" ist dem Vorwort des Oppelner Erzbischofs und Gründers der Universität Alfons Nossol entnommen. Leider fehlt es an der notwendigen Kommunikation, denn die Kenntnis über diese Dissertation rührt daher, dass der Oppelner Oberhirte seinem Besuch die Arbeit als Gastgeschenk überreichte.
Eine Notiz der Brockhaus Enzyklopädie spricht von einem katholischen Jugendbund der Jugendbewegung des 20. Jahrhunderts und nennt unter den geistigen Wortführern, über die auch Marcin Worbs berichtet, den bis heute bekannt gebliebenen und nach wie vor viel gerühmten Namen Romano Guardini als Bundesleiter des Quickborn von 1927 bis 1939. Zwar hatte der Nationalsozialismus bereits zu Beginn seiner Herrschaft seine Hand auf die Heimvolkshochschule "Heimgarten" in Neiße gelegt, aber der Quickborn konnte noch bis einen Monat vor Kriegsbeginn überleben.
Die Gründungsstätte des Quickborn war Neiße in Oberschlesien, die Gründer zwei katholische Theologen, die an den Schulen in Neiße unterrichteten, Bernhard Strehler und Klemens Neumann, wozu dann noch in Breslau Hermann Hoffmann, gleichfalls katholischer Religionslehrer, gekommen ist. Hier hatte er bereits den "Kreuzbund" gegen den Alkoholismus gegründet. Auch der Quickborn, seit 1913 unter diesem Namen, hatte sich den Kampf gegen den Alkoholismus zum Ziel gesetzt. Beginnen sollte es in der Schule, indem man sich auf ein Leben ohne jeden Alkohol einschwor. Dies sollte sich nicht als Gebot von außen vollziehen, sondern als eine freiwillig selbst auferlegte Lebensregel. Indem man sich durch das eigene Verhalten moralisch auszeichnete, wollte man vorbildlich handeln. Um einen Vergleich zur Hand zu haben, der Alkoholismus jener Zeit lässt sich mit der heutigen Drogenfrage und sucht vergleichen.
Es war die Jugend, die angesprochen wurde und die sich zum Mittun bereit fand. Das geschah nicht schulmeisterlich streng, sondern mit Musik und Spiel. Dafür sorgte Klemens Neumann, der übrigens aus Westpreußen genau so wie Bernhard Strehler über das Breslauer Theologiestudium nach Schlesien gekommen war. Das von ihm zusammengestellte und edierte Liederbuch "Der Spielmann" erreichte eine Auflage von 230 000 Exemplaren!
Der katholische Glaube war das unerschütterlich Verbindende und Verpflichtende. Und nicht minder bedeutsam war die Pädagogik, denn man wollte aus jeglichen primitiven Alkoholismus herausführen und hin zu Bildung und geistiger Urteilsfähigkeit. So entstand die Idee der Heimvolkshochschule und die ihrer Gründung bereits 1913 durch den "Heimgarten" in Neiße Neuland. In diesem Zusammenhang werden Ernst Leslowski und dessen Verdienste für den Volkshochschulcharakter des "Heimgartens" gewürdigt. Das war für Oberschlesien eine Uraufführung, weshalb auch der Autor der Dissertation zurecht den Akzent auf dieses Element der Volksbildung setzt. Hinzu kam dann noch die Errichtung der "Ostdeutschen Kunstwerkstätten" unter dem Schweizer R. A. Zutt.
Selbstverständlich blieben all diese Aktivitäten, durch die volksnahes, jugendbewegtes, sich musisch offenbarendes Christentum geradezu ansteckend vorgelebt worden ist, nicht auf den "Heimgarten" in Neiße und auf Oberschlesien beschränkt. In der Burg Rothenfels bei Lohr am Main schuf man ein weit über Schlesien hinaus ausstrahlendes Bildungszentrum.
Was sich im Quickborn kund tat, war keine "Kirche von unten", um ein zeitgemäßes Wort zu verwenden, sondern eine jugendbewegte, ebenso fromme wie heitere Strömung, man wollte abstinent leben, wollte wandern und spielen und musizieren, eine ewig junge Kirche repräsentieren und sich darin heimisch fühlen. Auch wenn sich die Quickborner nicht gleich als einen elitären Orden empfunden haben, die anderen, und das war die Mehrheit, die nicht dem Quickborn angehörte, sprachen voller Hochachtung und fast bewundernd von ihnen.
Eine Fülle von schriftlichen Zeugnissen hat Marcin Worbst (inzwischen katholischer Theologe in der Diözese Oppeln) für seine Arbeit herangezogen. Es fehlen Aussagen lebender Quickborner von damals. Auch das Mittun von Romano Guardini, der die Liturgiebewegung, übrigens auch erwähnt, eingebracht hat, hätte, das Schlesisch vielleicht ein wenig sprengend, miteingebracht werden können.
Wer diese drei Jahrzehnte nicht nur als Kulturund Kirchengeschichte zur Kenntnis nehmen sondern auch als Zeitgeschichte nach dem Ersten Weltkrieg, erfahren und hier mit dem besonderen Ausschnitt Oberschlesien, erfahren will, kann nur dankbar sein, dankbar für das gestellte Thema und dessen leicht lesbare Bearbeitung. Eine dreiseitige Zusammenfassung in polnischer Sprache schließt die Dissertation ab. Herbert Hupka (SN)


Marein Worbs: Quickborn und Heimgarten als kulturell religiöses Ereignis in Oberschlesien (1909 1939). Wydzial Teologiczny Universytetu Opolskiego, Opola 1999. 246 S.


Gedicht zur Weihnachtszeit
ich bin versunken in Gedanken, gehe in Deichslau die Dorfstrasse entlang .., und bin daheim!
Die Häuser und Gärten, altes zugeschneit, es ist Ja auch die Weihnachtszeit!
Ich bin nun alt geworden und doch noch ein Kind, stapfe durch den Schnee so geschwind.
Meine Gedanken gehen beim Schloss vorbei, da steht ein Schlitten, mit Pferden zwei.
Die Glöckchen hör' ich bis zu mir erklingen, es ist wie ein wunderschönes Singen!
Mein Weg geht weiter bis zu Bayer Fleischers Schaufensterscheibe, die weihnachtlich geschmückt.
Dann sehe ich unser Haus, ich gehe in den Garten rein, am Fester steht die Mama und mein Brüderlein.
"Nun, Uschi", ruft sie, "kommok, kommok, es wird Zeit, es ist so weit!
Wir wotl'n doch Pfefferkuchen backen, du wolltest doch bestimmt mitmachen.
ich laufe ins Haus, die Treppe rauf, geh in die Küche rein, da riecht's nach Pfefferkuchen, so fein!
Es ist so schön warm, vom Kachelofen aus, mein Brüderlein sticht die Plättchen raus.
Dis Mama sagte wo warst denn so lange, ich hatte ja schon richtig bange! Da bekommt die Mama einen Kuss auf die Wange.
Dann stehen wir am Küchenfenster zusammen und schauen !n den winterlichen Garten hinaus. Ich fühle mich so wohl zu Haus!
Nun läuten die Kirchenglocken herüber, wir hatten's nicht weit, nur die Straße quer rüber
Das Gartentürchen geht nun auf Und ein Schneemann winkt uns zum Fenster herauf. Die Mama ruft taut: "Das ist doch der Papa!"
Mein Brüderlein winkt so ganz munter, wir taufen alle dreie die Treppe hinunter.
Unten bellt der Strolla, die Bärbel, die lacht: "Na, hat der Herr Schwarz uns was mitgebracht?"
Die Begrüßung war fein denn der Papa kam auf Urtaub heim.
Nun war es Weihnachten im Familienkreise, wir verlebten Weihnachten so richtig auf schlesische Weise!
Nun sind die Gedanken wieder fort, und ich bin an einem anderen Ort.
Der Ort heißt Vetbert; wo ich lebe schon viele Jahre, und auch Kinder und Enkelkinder habe!

Geschrieben am 19. 11. 2000 von
Ursula Olschak, geb. Schwarz aus Deichstau (Schlesien)


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