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Seite 10 LANDSLEUTE HEIMAT SCHLESIEN
Schlesische Nachrichten 23/2001

Entschließung des Landesverbandes Bayern zum Thema Auslieferung von Kirchenbücher

Bei der Landesdelegiertentagung der Landsmannschaft Schlesien Landesverband Bayern e.V., am 20. Oktober 2001 wurde folgende Entschließung gefasst:
Mit Trauer und Empörung müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass gemäß einer Vereinbarung zwischen den katholischen Kirchenleitungen Deutschlands und Polens über 3.600 deutsche historische Kirchenbücher aus dem nunmehr polnischen Hoheitsbereich, die sich bis jetzt auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland befanden und zumindest zum Teil aus früher deutsch besiedelten oder deutschen Landesteilen stammen, an die polnische Kirche ausgeliefert wurden oder werden sollen.
Die deutschen Heimatvertriebenen werden durch diese Maßnahme in ihren Gefühlen verletzt und sie werden zum wiederholten Mal, diesmal durch ihre deutsche Kirche, vertrieben
Die Kirchenbücher sind ein Teil der Identität aller heimatvertriebenen deutschen Familien, geben Auskunft über deren Vorfahren, gehören also zum ostdeutschen Kulturgut.
Die Kirchenbücher belegen mit ihren Eintragungen deutsches kirchliches Leben in den Orten, in denen sie vor Generationen angelegt wurden. Die Auslieferung dieser Dokumentationen an die polnische Kirche hat somit keinen Sinn, für den die deutschen Heimatvertriebenen Verständnis aufzubringen hätten. Sie schafft vielmehr die Möglichkeit der Manipulation, zumindest solange die polnische Öffentlichkeit, deren Teil die katholische Kirche ist, sich mit ehrlichem und vorbehaltlosem Bekenntnis zur geschichtlichen Wahrheit schwer tut.
Die Delegierten bitten deshalb die katholische Kirchenleitung, von einer Auslieferung der deutschen Kirchenbücher abzusehen. Die Delegieren beurteilen die Zustimmung zu diesem Ersuchen nicht nur als kirchenpolitisch zumutbar, sondern auch als Akt der Seelsorge an den heimatvertriebenen Mitgliedern der katholischen Kirche in Deutschland.

Landsberg, den 20. Oktober 2001


Schlesien Gestern Heute Morgen
Tagung in Groß Stein

Im Oktober fand im Schloss von Groß Stein bei Oppeln zum 6. Mal das jährliche Seminar unter der Leitung von Pfarrer Wolfgang Globisch, dem Beauftragten für die deutsche Seelsorge im Bistum Oppeln statt. Dieses Mal stand es unter dem Motto "Schlesien Gestern Heute Morgen. Aus der Vergangenheit für die Gegenwart und Zukunft lernen". An sechs Tagen wurde von einem wechselnden hochkarätigen Personenkreis über verschiedene Fragestellungen, aus den Bereichen Wirtschaft, Kirche, Jugend und Kultur im Zusammenhang mit der deutschen Minderheit in Polen referiert und diskutiert, wobei ein Kern der Teilnehmer über die gesamte Dauer der Veranstaltung anwesend war. Auch der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft Schlesien Rudi Pawelka nahm an dem Seminar teil und vertratbei den Strategiediskussionen die Ansichten der Landsmannschaft. Sein Referat widmete sich den Beziehungen der Vertriebenen zu den Heimatverbliebenen. Weitere Teilnehmer und Referenten waren der Oppelner Erzbischof Alfons Nossol, die stellvertretende Vorsitzende der Landsmannschaft der Oberschlesier Christine Czaja, der Abgeordnete der deutschen Minderheit Heinrich Kroll, der Leiter des Hauses für Deutsch Polnische Zusammenarbeit in Gleiwitz Thaddäus Schäpe, der Kulturreferent der Minderheit Peter Baron, der Sejmabgeordnete Helmut Pazdzior und die aus Sachsen Anhalt stammende und in Schlesien unterrichtende Lehrerin Johanna Lemke. Der Opernsänger Engelbert Kutschera trug zum Ausklang des ersten Abends vertonte Eichendorff Gedichte vor.
ma (SN)

Rudi Pawelka, Vorsitzender der Landsmannschaft Schlesien, und Friedrich Petrach, Präsident des Zentralverbandes der Deutschen in Polen (VdG). SN

Fernseh Tipp


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