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Seite 7 LANDSMANNSCHAFT SCHLESIEN
Schlesische Nachrichten 23/2001

Nachklang zum 6. Martinauer Treffen 2001

Nach den fünfmaligen Treffen in Königswinter hat man diesmal das 6. Treffen am Mittelrhein in Kamp Bornhofen organisiert. Außer den traditionellen Vorträgen, Gesangstunde und Buntem Abend, kamen dadurch Neuigkeiten, die man als Begegnung mit den örtlichen Eigenschaften benennen kann, dazu. Eine Veranstaltung mit der Weinkönigin, verbunden mit einem Vortrag über das Weinwesen und einer Weinprobe, Schifffahrten auf dem Rhein nach Rüdesheim und Koblenz wie auch kurze `Ausflüge" in die umliegenden Berge. Eine Ergänzung erschien auf der traditionellen Erinnerungstafel, wo außer den bisherigen Fotos von Persönlichkeiten, Gruppen bzw. dem Kirchenleben aus Martinau noch Gruppenfotos von den bisherigen Martinauer Treffen dazu kamen. Franz Dittmann berichtete in einem Videovortrag über das Martinauer Kloster als neues Sanktuarium. Er war auch der Herausgeber einer Sonderkarte über die Schmerzensmutter der örtlichen Wallfahrtkirche und stellte einen Miniaturabguss des Herz Jesu Motivs vom Hauptaltar in Martinau, zum Erwerb bereit. Zwei bemerkenswerte Darstellungen! Als symbolisch bezeichne ich die Übergaben einen Teller mit den Wappen der Mittelrheinischen Region vom örtlichen Vertreter Herrn Kimmel an unsere Organisatorin Ruth Smaczny Kozioiek, wie auch eine Kerze mit dem ausgeschnitzten Martinauer Wappen von Frau Ruth an Eleonore Krzemien, die Vorsitzende des DFK in Martinau. Das erste bedeutet eine Einladung: `Schlesier kommt wieder, ihr seid in unserer Region willkommen". Das zweite wiederum ist Ausdruck unserer Verbundenheit zu der alten Heimat Oberschlesien.
Als nach der Messe auf Christi Himmelfahrt, die Marienandacht mit dem Lied `Die Glocken verkünden mit fröhlichem Laut" begann, war vielen die Stimme in der Kehle `stecken" geblieben. Aber dann bei den nächsten Strophen, wie auch weiteren Liedern, erklang der Gesang um so stärker. Wir waren stolz, als die nächste Pilgergruppe vor dem Eingang zuhörte. Nach der Schifffahrt nach Rüdesheim gab es am Abend auf der Terrasse des Gasthauses `Wagner" unseres Standortes eine Gesangveranstaltung. Eine hervorragende Leistung mit ihren Stimmen hatten die Herrschaften Ploch. Am nächsten Tag konstatierte die örtliche Gesellschaft: `Wir wussten nicht, dass die Schlesier so schön singen können".
Es gab viele neue Begegnungen der `alten" Martinauer. Einige Gespräche seien symptomatisch angeführt:
Mit Lydia Wrobel `unserer" Dichterin Erzählerin. Trotz ihres Alters ist sie eine sehr hell denkende Person. Wir sprachen über die Notwendigkeit der schriftlichen Abfassung unserer Erinnerungen und Erlebnisse, egal ob in Prosa oder Poesie. Auch die Schwierigkeiten mit den Herausgebern waren ein Thema.
Mit Max Gawenda, Dipl. Ing. im Bereich Maschinenbau, der seine Erinnerungen auf unsere Vorfahren zurückführte und als Beispiel seinen Großvater Johann nannte, der im deutschdänischen Krieg ausgezeichnet wurde und dann im örtlichen Kirchenvorstand tätig war. Er nannte auch Großvater Karl, der im Aufbau der örtlichen Infrastruktur (Fleischerei und Bäckerei) aktiv und im Gemeindevorstand tätig war.
Mit Walter Wehrshof, Dipl.Ing. im Bereich Bergbau, der seine Erinnerungen auf den Martinauer (sprich schlesischen)Kohlenbergbau zurückführte und an die Freizeit unter der Jugend, die trotz schlechter Bedingungen, stark mit der Sportbewegung verbunden war. Das war der Umbruch der 40/50er Jahre.
Mit Kurt Beyermann, langjähriger Bergmann, aus dem der Vorschlag eine Straße in Martinau mit dem Namen Dr. Nickel zu benennen, hervorging. Dr.Nickel war auch in der Nachkriegszeit bis Anfang der 50er Jahren der einzige Arzt der eine Arztpraxis (im Haus `Hurdes") in Martinau, führte, dabei ein sehr hilfsbereiter und humanitärer Mensch war. Danach war er Chefarzt im Lungenkrankenhaus im benachbarten Mechtal.
it dem `Quartett" der Schwestern Kandzioras: Gretel, Ursel, Hanne, Friedel (leider kenne ich sie nur nach den Geburtsnamen), die eine fröhliche Wirkung ausstrahlten und ihre Integration stets zum Ausdruck brachten.
Wie man bemerken kann, kehrten alle in ihren Erinnerungen zu den Wurzeln der alten Heimat zurück. Jedoch hier in der neuen Heimat haben sie ihre und ihrer Nachkommen Existenz von Neuem auf gebaut, hier haben sie sich integriert und hier finden sie ihre Zufriedenheit.
Dieses Treffen hat sich inzwischen zu einer Institution entwickelt. Dass das Treffen bei ca. 130 Teilnehmern und über 4 Tage lang, mit all den Veranstaltungen so problemlos verlief, hat man dem unermüdlichen Ehepaar Ruth und Erwin Smaczny KozioIek wie auch dem Gastgeber, Haus Wagner, zu verdanken. Über einstimmend wurde beschlossen, das nächste, 7. Martinauer Treffen, wieder in Kamp Bornhofen stattfinden zu lassen, denn hier blieben noch viele `Ecken" zum Besichtigen, nach dem Motto: `Deutschland ist schön". Leider mangelt es an Teilnehmern der jüngeren Generation. Ich hoffe, dass das sich einmal ändern wird und somit verbleibe ich mit dem Schlesiengruß:
Glück auf. Reinhard Panek (SN)


Frau E. Krzemian und Frau R. Smaczny-Koziolek


Zentrum der Erinnerung eingeweiht

Mit einem Aufwand von 2,8 Millionen Dollar hat die Schwenckfelder Kirche im Staate Pennsylvanien/USA, die aus Auswanderern aus Schlesien entstanden ist, ein Zentrum der Erinnerung geschaffen und im September dieses Jahres in Pennsburg PA eingeweiht. Das Zentrum fasst die bereits bestehenden Einrichtungen Museum, Bibliothek und Archiv in einem neuen weiträumigen Gebäude zusammen. Bibliothek und Archiv sind mit ca. 30 000 Bänden und ungezählten Archivalien die am besten sortierte Einrichtung zur Erforschung der schlesischen Kirchengeschichte. Die Eröffnung des neuen Gebäudes erfolgte am Erntedankfest (Thanksgiving). In Dankbarkeit für die geglückte Überfahrt der ersten Schlesien Flüchtlinge wird dieser Tag seit über zweiJahrhunderten von den Schwenckfeldern als `Gedächtnistag" (so auch in amerikanischen Veröffentlichungen geschrieben) gefeiert.
Dr. Eberlein (SN)


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