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Seite 6 ZEITGESCHEHEN
Schlesische Nachrichten 23/2001

Schlesier zog es hoch hinauf Die Breslauer Hütte im Ventertal

Wer einmal im Leben den gleichen Gipfel besteigen will wie Bergsteigeridol Edmund Hillary, der muss sich nicht gleich den Mount Everest vornehmen die Wildspitze tut's auch. Anden Wänden des mit 3774 Meter höchsten Berges von Tirol hat der Neuseeländer eine Woche lang die Erst besteigung des Himalaja Achttausenders trainiert. Übernachtet hat Hillary dabei in der Breslauer Hütte, die auf 2848 Meter thront. Die Hütte zählt zu den wichtigsten Stützpunkten in den Ötztaler Alpen. Sie wurde im Jahre 1882 von begeisterten Al penvereinsmitgliedern aus der Schlesi schen Hauptstadt Breslau errichtet. Der Bau der Schutzhütte erwies sich als sehr erfolgreich. Schon in den ersten Jahren kehrten so viele Bergsteiger dort ein, dass bereits 14 Jahre später ein größeres Haus gebaut werden musste. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Sektionsmitglieder aus Schlesien in alle Winde vertrieben worden. Erst 1955, als sich die Sektion Breslau des DAV in der neuen Bundesrepublik etabliert hatte, konnten sich die Wanderer wieder auf ih rer Hütte treffen. Inzwischen hat die Sek tion Breslau über tausend Mitglieder, von denen es sich die meisten wenigstens einmal im Jahr in der mit viel Holz ver täfelten Schwaben oder in der Schle sierstubegemütlich machen. Bewirtet werden die Wanderer von den Pächtern Christian und Roswitha Schrei richte, die recht viele Kohlenhydrate ham", verrät der Wirt. So kommen beispielsweise Kaiserschmarrn mit Apfelmus (98 Schilling) oder Tiroler Speckknödelsuppe (der Teller für 48 Schilling) auf den Tisch. Die Halbe Bier gibt's für 45 Schilling. "Wenn Jagdsaison ist, stehen auch Gams und Reh auf der Speisekarte", verspricht Christian Schreiber. Das atemberaubende Panorama einer hochalpinen Bergwelt, die sich vor der großen Sonnenterasse ausbreitet, gibt's natürlich kostenlos dazu .... M. Lauer, MM (SN)


Totengedenken der Heimatvertriebenen
Blick zurück ist ein Blick der Trauer

Allerheiligen ist der Tag des jährlichen Gedenkens an die Verstorbenen der Familie, der Freunde und Nachbarn. Deshalb ist es eine gute Tradition des Bundes der Vertriebenen, auf dem Waldfriedhof in Memmingen den Verstorbenen der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge zu gedenken. Sudetendeutsche, Schlesier, Ostpreußen/Pommern, Deutsche aus Russland und Einheimische versammelten sich in der Aussegnungshalle vor dem Kunstwerk Max Pöppels, um den Toten zu gedenken.
Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzfinger hob die weit über die Grenzen der Stadt hinausreichende Bedeutung dieser Gedenkstunde hervor, da in dieses Gedenken auch all jene eingeschlossen werden, deren Gräber in der alten Heimat sind oder die auf der Flucht ums Leben kamen und namenlos beerdigt wurden und die daher nicht, wie es dem Brauch entspricht, aufgesucht werden können. Das Stadtoberhaupt fuhr fort: "Unser Weg zum eindrucksvollen Gedenkkreuz mit den Bronzewappen von Pommern, Schlesien, Ostpreußen und dem Sudetenland schließt daher symbolisch den Gang zu den Gräbern der Angehörigen in den Städten und Gemeinden der alten Heimat ein. Er schließt aber auch all jene ein, die durch die Vertreibung oder durch die Kriegsereignisse ums Leben gekommen sind. Viele unschuldige Frauen, Männer und auch viele Kinder sind auf dem Leidensweg aus
stehen als Mahnung für einen gerechten Ausgleich der Interessen der betroffenen Völker, einschließlich der Interessen des deutschen Volkes vor uns."
Der Blick zurück auf das 20. Jahrhundert ist ein Blick der Trauer, betonte BdVKreisvorsitzender Armin M. Brandt (Landsmannschaft Schlesien). Allein in Europa mussten zwischen 1939 und 1948 an die 50 Millionen Menschen ihre Heimat zwangsweise verlassen. Von Deutschen waren es 15 Millionen, also so viele Menschen, wie heute in Skandinavien leben.
Schwerer als der anhaltende Schmerz über die Vertreibungen wiegt natürlich die Trauer um die Toten alle Toten, so Brandt. Man muss sich in solchen Augenblicken immer der Tatsache bewusst sein, dass uns alle Toten zuhören. Der amerikanische Publizist Patrick Buchanan hat sicher Recht mit dem Satz: "Die Welt weiß alles, was die Deutschen getan haben; die Welt weiß nichts von dem, was den Deutschen angetan wurde."
Die stellvertretende BdV Kreisvorsitzende Johanna Mory (Landsmannschaft Schlesien) las aus dem Buch Jesaias. Die Bläser des Musikvereins Volkratshofen umrahmten das Totengedenken. Nach dem Schlussgedanken "Die Toten zu Haus" und dem Lied vom guten Kameraden erklangen Bayernhymne und Deutschlandlied am Ehrenmal im Waldfriedhof.
Unter den zahlreichen Besuchern weilten MdL Herbert Müller, Bürgermeisterin
Gustaf F. Jokisch (SN)


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