|
| Seite
2
|
POLITIK |
Schlesische
Nachrichten 23/2001
|
Schlesische Notizen
"Unsere Identität: die
deutsche Sprache": Der Chefredakteur des in Oppeln erscheinenden
"Schlesischen Wochenblattes", Engelbert Mis, greift eine Stellungnahme
des Koordinators für das Lehrerentsendungsprogramm des Kölner Bundesverwaltungsamtes,
Dr. Arnold Apweiler, auf: "Wir schreiben noch immer zu wenig über
ein grundsätzliches Merkmal unserer Identität: die deutsche Sprache und
damit verbunden das deutsche Schulwesen!" Kommentierend heißt es
dann: "Die Zentrale für das Auslandsschulwesen ist es, die in den
letzten zehn Jahren in Polen und besonders in Schlesien in diesem Bereich
das Meiste geleistet hat. Lehrer aus Deutschland waren die ersten Fachleute,
die Deutsch nicht nur an allen Schulen unterrichteten, an denen die deutsche
Sprache eingeführt wurde, sondern auch ihre polnischen Kollegen, die einen
entsprechenden Fachlehrgang abgeschlossen hatten, darin zu unterstützen,
nun gemeinsam dem enormen Bedarf an Deutschlehrern gerecht zu werden."
Dazu nur die Anmerkung: Mit der deutschen Sprache, ihrem Wiedererlernen
und Gebrauch im Alltag, steht und fällt die Zukunft der Deutschen, unserer
Landsleute in der Heimat.
o
In der Woiwodschaft Schlesien (Bezirk Kattowitz) nahezu 300 000 Arbeitslose.
"Leider nimmt die Zahl der Arbeitslosen in diesem Jahr kontinuierlich
zu", so der Leiter der Arbeitsbehörde, Tomas Gorski. Die jetzt registrierten
298 000 Arbeitslose, das sind 14,3 Prozent, sind vor allem die Folge der
Umstrukturierung. Bergbau -und Hüttenwesen sind die Hauptursachen für
die stetig zunehmende Arbeitslosenzahl. Die mittleren Betriebe wie Reparaturwerkstätten,
Handelsbetriebe, Restaurants und Hotels, die die entlassenen Arbeitskräfte
auffangen könnten, haben jetzt ihrerseits große Probleme. In ganz Polen
ist obendrein eine Arbeitslosenziffer von 16 Prozent errechnet worden!
o
Neu belebtes Geschwätz von der "Fünften Kolonne" der deutschen
Minderheit. In einer Artikelfolge hat Jan Nowak-Jezioranski gegen
die Deutschen, vor allem im Oppelner Schlesien, polemisiert. Er nennt
die deutsche Minderheit in Polen eine "den Feind unterstützende fünfte
Kolonne". Dies ein Begriff aus dem Zweiten Weltkrieg, als behauptet
wurde, dass die sogenannten Volksdeutschen subkutan und illegal gegen
die Mehrheitsvölker handelten und dazu von der nationalsozialistischen
Diktatur damit beauftragt worden seien. Dieses Feindbild soll neu belebt
werden, gerichtet gegen die Deutschen als Minderheit in der Heimat. Außerdem
muss die berechtigte Forderung nach zweisprachigen Ortsschildern, so wie
diese bereits im deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag als Ziel festgeschrieben
worden ist, zu einem Angriff gegen die Deutschen im Lande herhalten. Der
polnische Autor Nowak-Jezioranski nennt diese Forderung "den ersten
Schritt zur Realisierung der Gebietsansprüche". Dass derartige nationalistische
Ausfälle ausgerechnet in der angesehenen Warschauer Zeitung "Rzeczpospolita"
abgedruckt worden sind, trägt nicht gerade zu einer guten deutsch-polnischen
Nachbarschaft im Geiste Europas bei. Die Deutschen verdienen es nicht,
diffamiert zu werden, sie haben den berechtigten Anspruch auf demokratische
und rechtliche Gleichbehandlung
o
Zeugnis für das deutsche Schlesien ist immer wieder die schöngeistige
Literatur. Dies wurde erst jüngst wieder sowohl von der polnischen
Germanistin Grazynska Szewszyk während eines Seminars der theologischen
Fakultät der Universität Oppeln als auch in einer Anthologie "Sprachspeicher.
200 Gedichte", Herausgeber der Schriftsteller Thomas Kling, DuMont
Verlag Köln, bestätigend und anerkennend herausgestellt. Die polnische
Germanistin nannte die Namen Angelus Silesius, Andreas Gryphius, Joseph
von Eichendorff, Gerhart Hauptmann, Hans Niekrawietz, Horst Bienek. Aus
der
Sammlung der Gedichte nannte die "Süddeutsche Zeitung" außer
Andreas Gryphius Hoffmann von Hoffmannswaldau und Casper von Lohensein.
Weitere Namen wären gleich hinzuzufügen. Es soll nachdrücklich darauf
verwiesen werden, dass die Geschichte der deutschen Literatur nicht geschrieben
werden könnte, verzichtete man auf die großen Namen der Schlesier und
ihre Werke. Zu fragen bleibt, ob auch die eigenen schlesischen Landsleute
sich überhaupt dieses Reichtums bewusst sind und immer wieder aus diesem
Reichtum schöpfen!
o
"Patenschaft zwischen Leverkusen und Raciborz", so glaubt
die "Kölnische Rundschau" über Leverkusen und das Jahr 1951
berichten zu müssen, als tatsächlich die Patenschaft zwischen Leverkusen
und Ratibor gestiftet worden ist. Auch meinte die Zeitung referieren zu
müssen, dass Oberbürgermeister Paul Hebbel "nach Raciborz reist".
Nachdem das Stadtoberhaupt zurückgekehrt war, hieß es um neue Erkenntnisse
bereichert "OB Hebbel war zu Besuch in Ratibor"! Aus der Patenschaft
von 1951 soll sich jetzt eine Partnerschaft unter Einschluss der schon
bestehenden Partnerschaft mit Villeneuve d'Asq, Universitätsstadt in Nordfrankreich
mit ungefähr 70 000 Einwohnern ergeben. Während des dreitägigen Besuches
des Oberbürgermeisters von Leverkusen war zwar offenbar laut Zeitungsbericht
ein Besuch im Geburtsort von Joseph von Eichendorff, in Lubowitz, vorgesehen,
nicht hingegen eine Zusammenkunft mit dem Deutschen Freundschaftskreis.
Zu bedauern bleibt, dass sich inzwischen der Bund Ratibor, der die Patenschaft
zwischen den vertriebenen Ratiborern und der Stadt treuhänderisch gepflegt
hat, in diesem Jahr aus freien Stücken aufgelöst hat!
o
Polens Staatspräsident Aleksander Kwasniewski sprach von der deutschen
Geschichte: "Gemeint ist das zunehmende Interesse für Spuren
deutscher Geschichte, Erinnerungsstücke und Andenken sowie die menschlichen
Schicksale in vielen Städten, die einst durch Jahrhunderte deutscher Geschichte
geprägt waren. Dieses Interesse ist sichtbar in Danzig, Breslau, Kolberg
sowie auch in kleineren Städten. Die Steine von Danzig und Kolberg (an
dieser Stelle fehlt leider Breslau!) sprechen nicht nur Polnisch, sondern
auch Deutsch. Menschen, die sensibel sind, hören diese Stimmen und sind
davon fasziniert." Leider ist dieses Zitat aus der Rede vom 3. Oktober
in Mainz aus Anlass des Tages der Deutschen Einheit vielerorts ungenau
wiedergegeben worden. 1966 meinte Kardinal Stefan Wyczinski,
dass die Steine in Breslau nur polnisch sprächen! Die deutsche Geschichte
Schlesiens lässt sich nicht verschweigen, sie darf auch gar nicht verschwiegen
werden.
SN
| Seite
2
|
POLITIK |
Schlesische
Nachrichten 23/2001
|
|