(weiter von Seite 11) ich im "falschen" Lomnitz, nur etwa 50 Kilometer vom "richtigen" Lomnitz entfernt. Dieser Ort hatte so gar nichts mit dem idyllisch im Tal gelegenen Dorf gemeinsam, das ich vom Bild her in Erinnerung hatte (siehe Foto). Und auch das Gespräch mit dem katholischen Geistlichen und ein Blick in das Taufregister der Gemeinde brachte uns nicht weiter, so dass wir unverrichteter Dinge wieder von dannen zogen. Der zweite Anlauf im vergangenen Jahr scheiterte erneut, weil uns ein herrenloses weißes Kätzchen kurz vor dem Start nach Lomnitz ins Haus schneite. Da unsere "Minka" ein Jahr zuvor im hohen Alter gestorben war, stand für uns sofort fest, dass wie diese kleine "Schneeflocke" bei uns behalten und die Fahrt ihretwegen verschieben müssen. Im Oktober 2001 ging es dann endlich in Richtung Lomnitz im Kreis Waldenburg. Fast wäre die Fahrt am deutsch/polnischen Grenzübergang bei Görlitz zu Ende gewesen, denn die Gültigkeit meines Personalausweises war nach 10 Jahren abgelaufen. Doch mit etwas Glück klappte der Grenzübertritt dann doch noch, so dass die Reise über Hirschberg, Waldenburg und Wüste-Giersdorf nach Lomnitz führte. Je näher ich der Stätte meiner Vorfahren kam, desto höher schlug mein Herz. Vorsorglich hatte ich die Dorfansicht von damals und einen Bildband von Schlesien mitgenommen, der Lomnitz im Sommer und im Winter zeigt. Vor einem Tante-Emma-Laden mitten im Ort saßen ein paar Leute, die ich fragte, ob sie deutsch, englisch oder russisch sprechen könnten. Auf russisch klappte schließlich die Verständigung so einigermaßen. Ich zeigte ihnen die Bilder vom alten Lomnitz, erklärte ihnen den Grund meines Besuchs und wurde wie ein alter Bekannter mit offenen Armen aufgenommen. Als ich dann noch sagte, dass meine Vorfahren als Müller tätig waren und die Mühle im Dorf besessen hatten, brachte man mich sofort zur alten Mühle. Auch die heutigen Besitzer der ehemaligen Mühle entboten mir sofort ein herzliches Willkommen und führten mich auf meinen Wunsch hin durch alle Räume des einst stark beschädigten Gebäudes. Im Inneren des Hauses stieß ich immer wieder auf alte Treppen, Schwingtüren, Fenster, Wände und andere Teile, die noch aus längst vergangenen Zeiten stammten. Besonders ergriffen war ich, als mir die Bewohner zunächst den alten Mühlstein mit der Inschrift des Namens der deutschen Herstellerfirma Scholz aus Breslau zeigten, der ihnen heute als Tischplatte im Garten dient, und mich dann noch auf einen schweren Stein im Garten mit der etwas verwitterten aber doch noch lesbaren Inschrift "1868 E. Sagner" aufmerksam machten. In diesem Moment erfasste mich ein freudiges Glücksgefühl, das ich gleich an meine Gastgeber weitergeben musste: Meine Großmutter Martha Ulbrich, so erklärte ich ihnen, war eine geborene Sagner. Damit waren auch die letzten Zweifel aus der Welt geräumt: Ich bin an der Stätte meines Ursprungs im Geburtshaus meiner Mutter. Als Erinnerungsstück nahm ich einen Ziegelstein aus der alten Mauer der Mühle mit nach Hause, der heute auf meinem Grundstück in Thüringen gut sichtbar steht und auf Lomnitz im Waldenburger Bergland aufmerksam macht. Zum Abschied musste ich versichern, beim nächsten Besuch meine Frau mit zubringen und dann alles im Foto und auf Video für die Nachwelt festzuhalten. Ich versprach es und freue mich schon auf ein frohes Wiedersehen in der Heimat meiner Vorfahren, in der jetzt so gastfreundliche, liebevolle und bescheidene Menschen leben. Wolfgang Zürch, Kiliansroda in Thüringen (SN) Ausstellung im Haus Schlesien KPM -170 Jahre Porzellan aus Waldenburg Freunde des schlesischen Porzellans wissen: Hinter diesem Firmenzeichen verbirgt sich nicht nur die berühmte Königliche Porzellan-Manufaktur in Berlin, sondern auch die älteste Porzellanfabrik Schlesiens, die Krister-Porzellan-Manufaktur in Waldenburg,dem heutigen Walbrzych. In diesem Jahr kann das Unternehmen auf eine 170jährige Geschichte zurückblicken. Vom 28. Oktober 2001 bis zum 1. April 2002 stellt das Museum für schlesische Landeskunde in Zusammenarbeit mit Gerhard Schmidt-Stein die Geschichte dieses bedeutenden Unternehmens mit ausgewählten Objekten und erläuternden Bildtafeln vor. Waldenburg ist Schlesiens ältester Porzellanstandort. Bereits 1820 gründete der Kaufmann Rausch hier eine SanitätsgeschirrFabrik, in die 1823 der in Neisse geborene Porzellanmaler Carl Franz Krister (1801 od. 1802 - 1869) eintrat. 1829 wechselte er in die neu gegründete, benachbarte Porzellanfabrik von Traugott Hayn und machte sich 1831 mit deren Pacht oder Erwerb selbständig. In den folgenden Jahren wuchs das Unternehmen rasch. Spätestens 1835 kaufte Krister die Fabrik seines früheren Arbeitgebers Rausch, legte 1836 beide Werke zusammen und baute sie nach dem neusten Stand der Technik aus. So erfolgte 1840 die Brennstoffumstellung von der üblichen Holzkohle auf die ergiebigere, in Waldenburg geförderte Steinkohle. Zielstrebig erwarb Krister weitere Betriebe und Rohstoffquellen, um sein Unternehmen zu sichern: Z.B. Werkstätten für den Bau der Verpackungskisten, Kaolingruben in Seilitz bei Meißen/Sachsen oder eine Kohlegrube im nahegelegenen Reußendorf. Den Transport der Rohstoffe und der fertigen Waren erleichterte ab 1853 der Anschluß Waldenburgs an das moderne deutsche Eisenbahnnetz. Von Anfang an war Krister bestrebt, preisgünstiges Porzellan herzustellen, das für jeden Haushalt erschwinglich sein sollte. In seinem Sortiment orientierte er sich an dem der Berliner Manufaktur, deren Markenzeichen er als "Verkaufshilfe" nachahmte, wobei er das Zepter über dem Kürzel KPM durch einen Strich ersetzte. 1856 produzierte die Fabrik etwa 3 Millionen Tassen, 208.000 Kaffee- und Teekannen, Zuckerdosen etc., 365.000 Teller, Schüsseln, Terrinen usw., 204.000 Waschbecken, Wasserkrüge etc, 25.000 Blumenvasen, Schreibzeuge, Kuchenkörbe etc. und 120.000 Pfeifenköpfe für einen internationalen Kundenkreis. Die Qualität seiner Produkte wurde u. a. durch die Verleihung von Medaillen auf den Pariser Weltausstellungen 1857 und 1867 gewürdigt. Bei seinem Tod 1869 hinterließ Carl Krister ein Unternehmen, das neben der Fabrik von Carl Tielsch im benachbarten Altwasser zu den beiden größten Einzelwerken der deutschen Porzellanindustrie gehörte. Die Porzellanfabrik blieb bis zur ihrer Umwandlung in eine Aktiengesellschaft 1920 ein Familienunternehmen. 1921 wurde sie in den Rosenthal-Konzern eingegliedert, ohne daß sich an dem Standort Waldenburg etwas änderte. Sie arbeitete kontinuierlich weiter bis zum 5. Mai 1945. Schon am 11. Mai wurde die Produktion unter polnischer Leitung wieder aufgenommen. Der Name "Krister" klang in dem neuen Firmennamen Zak ady Porcelany Sto owej Krzysztof (= Tischporzellanwerke Krzysztof) noch nach. Heute zählt die Porzellanfabrik unter dem Namen "Krzystof" zu den bedeutendsten Wirtschaftsfaktoren dieser Region. Die Ausstellung stellt erstmals das vielfältige Produktionsspektrum vor. Ausgewählte Beispiele aus allen Perioden der Krister-Porzellanfabrik, von dem handgemalten Vedutenporzellan der Biedermeierzeit bis zu dem modernen Gebrauchsgeschirr laden ein zu einem Streifzug durch 170 Jahre Waldenburger Porzellangeschichte. Besondere Höhepunkte sind das handbemalte Vedutenporzellan der Biedermeierzeit, prächtige Anbieteschalen, Service der wilhelminischen Zeit und seltene Sammlerstücke, die das Herz jedes Porzellanliebhabers höher schlagen lassen. Museum für schlesische Landeskunde (Dollendorfer Str. 412, 53639 KönigswinterHeisterbacherrott) Öffnungszeiten: Dienstag-Sonntag 10 - 12 und 13 - 17 Uhr, einschl. 1. und z. Weihnachtstag und Ostern 13 -17 Uhr. Gruppenführungen sind nach telefonischer Vereinbarung möglich. (Tel.: 0 22 44 / 886 0) E-Mail museum@haus-schlesien.de
Foto: Gottfried Skalnik
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