Ein heimatbewusster Kulturpolitiker Zum 80. Geburtstag von Sieghard Rost In seinem 1994 erschienenen Buch "Meine Heimat Pommern: Erinnerungen an das Land am Meer" zitiert Sieghard Rost im Schlusskapitel "Mein pommersches Vermächtnis" den römischen Dichter Titus Maccius Plautus mit der Sentenz: "Kleine Glocke schlägt von selber an. Wenn niemand sie bewegt, bleibt sie stumm." Wie im Kommentar dazu lesen sich die zuvor geschriebenen Säfze: "Die Heimat im Herzen zu bewahren, ist die ein Seite des Bekenntnisses zu ihr. Zumal die Erinnerung das einzige Paradies ist, aus dem wir nicht vertrieben werden können. Die Heimat als Vermächtnis an die Nachkommen weiterzugeben, ist die andere Seite. Man muss sich von unserer Heimat im Osten rufen lassen und muss sie zum Anschauen bringen." Sieghard Rost ist am 7. November 1921 in Hinterpommern, im Don` Woldisch Tychow, Kreis Belgard, geboren und machte sein Abitur zum Beginn des Zweiten Weltkrieges in Köslin, dies auch gleich Anlass für ihn, auf den berühmten Pathologen Rudolf Virchow zu verweisen, im hinterpommerschen Schivelbein genau 100 Jahre vor Sieghard Rost geboren und gleich ihm Schüler und Abiturient des Kösliner Gymnasiums. Gerade 18 Jahre alt, wurde er Soldat und war 1944, am Tage seiner Hochzeit, zum letzten Male in der Heimat. Nach dem Krieg, inzwischen Student der Geschichte und Germanistik in Erlangen, da selbst zum Dr. phil. promoviert und inzwischen als Philologe bis zum Oberstudiendirektor in Weißenburg und Nürnberg aufgestiegen, hat seine Heimat, Woldisch Tychow heißt im Polnischen jetzt Tychowoko, vor und nach der Wende wiedergesehen. Nach den Besuchen auf dem Friedhof schrieb er: "Aus dem deutschen Friedhof war ein mit Unkraut bewachsener Acker geworden. Die deutsche Vergangenheit war ausgelöscht. Die Vertreibung der Deutschen aus meinem Geburtsort hatte zum zweiten Male stattgefunden." Sieghard Rost hat aber nicht nur notifiziert, "die Vertreibung deutschen Geistes und deutscher Kultur entsprach den Zielen der polnischen Geschichtsdarstellung, wie ich sie bei den Besuchen in der Heimat angetroffen hatte", sondern handelte. Er wurde politisch tätig, für die CSU zuerst 1966 als Stadtrat in Nürnberg und von 1970 bis 1990 als Mitglied des Bayerischen Landtages. Er sah sein politisches Arbeitsfeld jedoch nicht nur in der Region Mittelfranken, für die er im Parlament entsandt worden ist, sondern stets sehr engagiert und tiefgründig in der Kulturpolitik. In vielen Gremien war der protestantische Pommer und Bürger des Freistaates Bayern als der kundige Pädagoge und vorwärts drängende heimatbewusste Politiker präsent. Die Stiftung des Hauses der ostdeutschen Heimat sah ihn im Vorstand, dem Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks hat er 18 Jahre angehört, und viele Sendungen sowohl im Hörfunk als auch im Fernsehen hat er angeregt, in der Stiftung des Ostdeutschen Kulturrates wirkte und wirkt er seit fast drei Jahrzehnten mit. Kultur nicht nur zu rühmen und mit Wohlgefallen sich auf sie zu beziehen, sondern gerade kämpferisch der Kultur alle Möglichkeiten, ob in der Pädagogik oder über die Medien, zu eröffnen und sie sowohl zu tradieren als auch und vor allem dem Schöpferischen aufgeschlossen fortzuschreiben, darin hat Sieghard Rost, gerade auch als herausragendes Mitglied des Kulturpolitischen Arbeitskreises der CSU, seine Aufgaben gesehen. Nirgendwo hat er sich nach vorn gedrängt, aber sein fachliches Wissen und stets sachliches Urteil sind begehrt geblieben. Auch als langjähriger Vorsitzender der Union der Vertriebenen und Flüchtlinge der CSU hat er nie laut tönen wollen, war immer frei von jeglicher Spielart nationalistischer Oberheblichkeit, ohne seinen festen Standort für das Recht und die geschichtliche Wahrheit aus vielleicht zeitgemäßer Gefälligkeit aufzugeben. In dem schon zitierten Schlusskapitel seines Buches über Pommern zitiert Sieghard Rost einen anonym gebliebenen Landsmann mit dem Satz, "dass Heimat Liebe ist, die tief im Herzen lebt, dass für die Heimat man auch Opfer bringt und ihr die Treue hält, solang das Herz noch schlägt". ` Diese Treue "Ich bin ein Pommer!", um Sieghard Rost zu zitieren, ist nie ein Lippenbekenntnis gewesen, sondern wurde und ist bis heute, wofür besonders zu danken ist, die Maxime für sein Handeln und Wirken geblieben. Herbert Hupka (SN)Ein treuer, langjähriger Wegbegleiter der Oberschlesier Alfred Piperek zum 85. Geburtstag Für die Landsmannschaft der Oberschlesier ist es eine besondere Freude, einen Landsmann und Mitstreiter zum 85. Geburtstag zu gratulieren und seine Verdienste in der Landsmannschaft besonders zu würdigen. Es ist Alfred Piperek, der am 22. Oktober 1916 in Berlin das Licht der Welt erblickte, jedoch seine Kindertage in Hindenburg O/Sund später in Gleiwitz verlebte. Nach der Schulzeit und Berufsausbildung war der Jubilar im oberschlesischen Bergbau tätig. Wie viele andere wurde er früh Soldat, erlitt als Fallschirmjägeroffizier eine schwere Verwundung und wurde für seine Tapferkeit mehrfach ausgezeichnet. Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft fand Alfred Piperek seine Angehörigen in Mitteldeutschland wieder. Im Wirtschaftsministerium des damaligen Landes Brandenburg arbeitete Alfred Piperek am Wiederaufbau des vom Krieg zerstörten Landes mit, die Lage in der damaligen SBZ zwang ihn jedoch erneut zur Flucht; diesmal in den freien Teil Deutschlands. Im Ruhrbergbau profilierte ersieh und war später als Ingenieurin der Bergbau-Versorgungsindustrie bis zu seiner Pensionierung beschäftigt. Seine Freizeit widmete er überwiegend der oberschlesischen Heimat. Alfred Piperekwurde 1952 Mitglied in der Landsmannschaft der Oberschlesier, übernahm Funktionen vom Ortsvorsitzenden über den Landesvorsitz (1970-1988) - als Nachfolger von Dr. Fritz Hollunder -bis zum stelle. Bundesvorsitzenden (19771991 und 1995-2001). Der Landesgruppe NordrheinWestfalen bleibt er weiterhin als Ehrenvorsitzender und dem Bundesvorstand als Ehrenmitglied treu. Noch heute gehört er dem Rat der Landsmannschaft der Oberschlesier an. Darüber hinaus ist er Vorstandsmitglied der Stiftung Haus Oberschlesien mit dem Oberschlesischen Landesmuseum in Ratingen. Als er im Jahr 1969 den westfälischen Annaberg in Haltern kennenlernte, regte er für das Jahr 1971 eine Großwallfahrt der Landsmannschaft der Oberschlesier an. Bei dieser Wallfahrt wurde eine Gedenktafel zur Erinnerung an die Volksabstimmung vor 50 Jahren enthüllt. Die von der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen der Landsmannschaft der Oberschlesier nunmehr alle zwei Jahre durchgeführte Wallfahrt fand so guten Zuspruch, dass A. Piperek zur Errichtung der Annaberg-Gedenkstätte der Oberschlesier aufrief. So konnte im Jahre 1981, mit der von Pater Laurentius Englisch (OFM) künstlerisch gestalteten Stele, diese Gedenkstätte auf dem westfälischen Annaberg eingeweiht werden. Einige Zeit später errichtete die Landesgruppe auch einen Freialtar. Trotz
seiner vielen Ehrenämter in der Landsmannschaft der Oberschlesier
wirkt Alfred Piperek auch kommunalpolitisch für die Belange
der Heimatvertriebenen in seinem heutigen Wohnort Hattingen und
dem EnnepeRuhr-Kreis. In den zahlreichen Gremien der Landsmannschaft
der Oberschlesier, der Stiftung Haus Oberschlesien, des Bundes der
Vertriebenen, der Fallschirmjägerkameradschaft hört man
auf seine Worte, die gekennzeichnet sind vom Willen zur aufrechten
Aufarbeitung oberschlesischer Geschichte und zur Verständigung
mit dem polnischen Nachbarn. Mit Alfred Piperek haben wir es mit einem wahrlich ernsthaften und ausgewogenen Lobbyisten in Sachen Oberschlesien auch in Nordrhein-Westfalen, dem Patenland der Landsmannschaft der Oberschlesier, zu tun. Seinen oberschlesischen Mutterwitz hat er stets parat, und der kommt ihm dabei sehr gelegen. Für all seine Verdienste und seinen außergewöhnlichen Einsatz zum Wohle seiner Landsleute, seine beständigen Verdienste um die Heimat, die Landsmannschaft der Oberschlesier und zum Dank wird der Jubilar im Jahre 1976 mit der Goldenen Ehrennadel der Landsmannschaft der Oberschlesier, im selben Jahr mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Im
Jahre 1985 folgt dann die Verleihung des Verdienstkreuzes I. Klasse
des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Im Jahre 1997
wird Alfred Piperek vom damaligen Ministerpräsidenten Dr. h.c.
Johannes Rau der Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen persönlich
ausgehändigt. An all diesen Ehrungen hat seine Frau Brunhilde
einen nicht unerheblichen Anteil, da sie dem Jubilar in seinem Wirken
stets eine wohlwollende Begleiterin ist.
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