Schlesier, Sudetendeutsche, Deutsch aus Russland und Einheimische nahmen an der traditionellen Kirmes mit Eisbeinessen und der Erntedankfeier der Landsmannschaft Schlesien im "Krone"-Saal in MemmingenSteinheim teil. Das Duo "Gerhard und Peter" spielte zum Tanz auf. Der schlesische Frauenkreis hatte die Tische festlich gedeckt. Prunkstück war die Erntedanktafel, die mit reichen Gaben aus Garten, Feld und Flur bestückt worden war. Nach alter Tradition hatte man ein Erntedankbrot gebacken, das später an die Anwesenden verteilt wurde. Kulturreferentin
Rosemarie Simmerding erinnerte an eine schlesische Dorfkirmes. Oft
wurde groß zwei Tage lang gefeiert. Geblieben ist die Trauer
um das reiche Land, das als einziges in Europa völlig autark
war, d.h. es konnte sich mit allem selbst versorgen. Darüber
hinaus gab es noch viele seiner Erträge an das übrige
Deutschland ab, seien es Getreide und Feldfrüchte, Holz, Kohle
und wertvolle Steine - alles in
mühsamer Arbeit an- und abgebaut. Bei der Kirmes belohnte man sich für all die Arbeit und Mühe. Nach dem Dank an den Schöpfer in der Kirche ging es zum reich gedeckten Tisch, dann auf den Rummelplatz und abends zum Tanz. Friedrich Bischoff erinnert in dem Gedicht "Die guten Gaben" daran. Kreisvorsitzender Armin M. Brandt hob hervor, dass ein Volk nicht von Tag zu Tag leben kann. Es braucht zu seiner Selbstvergewisserung und zu seiner Selbstachtung die Verwurzelung in seiner Geschichte, in seinen Traditionen und in seinem Brauchtum. Die Menschen tragen in sich die Liebe zu ihrer Heimat. Viel Beifall gab es für den Chor "Vergissmeinnicht" der Deutschen aus Russland, der die Lieder "Wahre Freundschaft", "Und in dem Schneegebirge" und "Muss i denn" sowie das russische Volkslied "Birken" anstimmte. A.M. Brandt (SN)
Kulturtage
der Landsmannschaft Schlesien, Landesgruppe Hessen
Anlässlich der diesjährigen Kulturtage der Landsmannschaft Schlesien, Landesgruppe Hessen, waren aus allen Teilen des Landes Vertreter der Kreisgruppen in die Rhön zusammengekommen. Der Landesvorsitzende, Joseph Pietsch, eröffnete die Tagung, die von der Landeskulturreferentin, Ursula Otto, vorbereitet worden war und durchgeführt wurde. Referate, Gesang, frohe und auch besinnliche Stunden brachten Schlesien, seine Geschichte und Kultur, nahe und gaben Anregungen. Das Hauptreferat hielt Peter Großpietsch, stellvertretender Bundesvorsitzender. Seine Ausführungen zum Thema "Nachlese zum Deutschlandtreffen der Schlesier in Nürnberg" regten zu einer intensiven und interessanten Diskussion an. Wichtig sei festzuhalten, sagte er, dass auch dieses Deutschlandtreffen im Jahr 2001 eine große Wirkung nach außen hatte und viele Schlesier von nah und fern zusammenführte. Dass der Bundesinnenminister zu Beginn ausgepfiffen wurde-er erhielt auch Zustimmung -fand in den Medien ein großes Echo. In früheren Jahren waren auch Redner der CDU mit negativen Pfiffen und Parolen bedacht worden. -Eine brillante Rede hatte der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft Schlesien, Rudi Pawelka, gehalten. Überzeugend brachte er auf den Punkt, was seine Schlesier von ihm erwarteten. In gut ausgewählter Form schilderte er die Anliegen seiner Landsleute. Der gewaltige Applaus und die stehenden Ovationen hatten bekundet, dass Rudi Pawelkaverstanden worden war. -Positiv aufgenommen wurde die kurze Rede des Vertreters der Schlesischen Jugend, Hösl. Großpietsch berichtete auch über seine Aktivitäten innerhalb der Landsmannschaft und für die Grafschaft Glatz, aus der er stammt. Er rief die Anwesenden auf, nicht nachzulassen in der Arbeit für unsere Heimat Schlesien. Schlesier müssen sich immer wieder zu Wort melden, dürfen nie aufgeben. Er betonte, unbedingt auf die Deklaration zur Charta der deutschen Heimatvertriebenen Bezug zu nehmen, denn diese sei von besonderer Bedeutung und Wichtigkeit. Annemarie Busch und Gerhard Bock hielten einen in besonderer Weise beeindruckend dargebotenen Vortrag in zwei Teilen über "Der Zug nach dem Osten", der in die Anfänge der deutschen Besiedelung Schlesiens vor fast 1000 Jahren führte. Anregungen zur Gestaltung eines Heimatnachmittags gab Karl-Heinz Haider. Er berichtete von guten Erfolgen bei Videovorträgen mit ausgesuchten VideoKassetten Ostdeutschland, besonders Schlesien und die ostdeutsche Kultur betreffend. Gemeinsames Singen war immer wieder angesagt unter Leitung von Ursula Otto. Dies setzte sich auch fort beim "geselligen Abend", von den Teilnehmern vorbereitet, die mit Gedichten, kurzen Vorträgen und Sketchen zu Frohsinn und Heiterkeit beitrugen. Die besinnliche Stunde "Was ist das Glück" - Erinnerungen an Gretel Wagner - von Ursula Otto gehalten, war dem Gedenken an die in diesem Jahr verstorbene ehemalige Landeskulturreferentin Gretel Wagner gewidmet. Am Anfang stand ein Gedicht aus der Feder von Gretel Wagner. Besinnliche und frohe Lieder, die sie gern gesungen hat, wurden angestimmt und in besonderer Weise wurde ihr Lebenslauf vorgetragen. Das Abschlussreferat "Deutsche in Russland" - Vergangenheit und Gegenwart - hielt Ida Schäfer. Sie berichtete von den Vertreibungen unter den sowjetischen Machthabern nach Sibirien, dem furchtbaren Leiden, dem Hunger, der Kälte, dem Sterben und der entsetzlichen Angst vor Verhaftung. Sie wurden stumm vor Angst, hatten keine Perspektive, keine deutsche Sprache, keine Heimat. Durch ein Dekret des Obersten Sowjets 1948 wurden die Deutschen zu ewiger Verbannung verurteilt. Ab 1956, nach Adenauers Besuch in Moskau, konnten sie an die Wolga zurück kehren, sich aber nur 200 km entfernt vom ehemaligen Heimatort niederlassen. Kein Studium war möglich, unter Schwierigkeiten ein Fernstudium. Stets vom Geheimdienst begleitet und Verleumdungen ausgesetzt. 1992 konnte Ida Schäfer mit ihrer Familie nach Deutschland ausreisen. Sie war in Russland Deutschlehrerin und setzt sich hier für die Deutschen aus Russland ein. Eine Sammlung "Treuespende
für Schlesien",
die eine beachtliche Summe
brachte, war selbstverständlicher Teil der
Kulturtage.
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