Kulturwechsel in Breslau Die Entwicklung der Stadt nach der Vertreibung der Deutschen Am 20.10.2001 veranstaltete die Landsmannschaft Schlesien, Landesgruppe NRW, in Oberhausen das Seminar "Warum Wroclaw nicht Breslau ist - Die Entwicklung des polnischen Lebens in Breslau nach dem z. Weltkrieg" mit dem polnischen Historiker Krzysztof Ruchniewicz. Schon im November 2000 hatte dieser über die,Darstellung der Vertreibung in Polen und Deutschland gestern und heute' berichtet, womit er auf große Zustimmung und Anerkennung unter den Teilnehmern gestoßen war (SN 24/2000). Nun konnte Dr. Ruchniewicz ein zweites Mal unter Beweis stellen, dass sich junge polnische Historiker auf eine deutlich offenere Weise mit der Geschichte der Vertreibungsgebiete beschäftigen, als dies noch vor wenigen Jahren üblich war. Um das damalige deutsche und heute von Polen bewohnte Breslau besser unterscheiden zu können, nannte Dr. Ruchniewicz in seinen Gegenüberstellungen die damaligen deutschen Bewohner Breslauer und die heutigen polnischen Wroclawer. Er thematisierte die direkt nach dem Krieg erfolgte Umsiedlung der Deutschen innerhalb Breslaus, die anschließende Vertreibung und die Inbesitznahme durch die Polen. Interessant war hier, dass diese durchaus nicht alle zwangsweise in Breslau angesiedelt wurden. Die Bewohner der damals noch polnischen Ostgebiete, z. B. aus Lemberg, hätten unter der neuen russischen Verwaltung dort bleiben können. Um polnische Ansiedler für die sogenannten "wiedergewonnenen Gebiete" zu bekommen, warb die kommunistische Propaganda sogar massiv mit Slogans, wie "das Land, in dem Milch und Honig fließt". Aber auch der Begriff "Wilder Westen" bürgerte sich ein, denn zu dieser Zeit herrschte Rechtlosigkeit in den ehemaligen deutschen Ostgebieten. Viele Deutsche wurden Opfer von Plünderungen durch die zahlreichen, damals beschönigend "Organisierer" genannten Polen. Dr. Ruchniewicz ging auch auf die politische Bedeutung der Stadt in den 1950er Jahren, die Annahme der Hilfslieferungen aus Deutschland Anfang der 1980er Jahre und die heutigen großen infrastrukturellen Probleme ein, denn die Häuser aus der Vorkriegszeit, Grünanlagen und das Verkehrssystem wurden seit Kriegsende vernachlässigt. Positiv ist anzumerken, dass die Akzeptanz der deutschen Geschichte der Stadt in der polnischen Bevölkerung immer größer wird. Unter anderem äußert sich das auch darin, dass das alte Stadtwappen, trotz seiner deutschen Herkunft, wiederhergestellt wurde und an verschiedenen Plätzen Gedenktafeln für berühmte ehemalige deutsche Bewohner angebracht werden. Erschreckend ist hier, dass den polnischen Wissenschaftlern die Ansprechpartner auf deutscher Seite fehlen, die sie bei ihren Nachforschungen unterstützen könnten. Trotz der überwiegend positiven Resonanz auf das Seminar ist kritisch anzumerken, dass z. B. von der "Repolonisierung" Breslaus gesprochen wurde. Hier muß man die Frage stellen, wie man etwas repolonisieren kann, was nur im Rahmen kurzfristiger Besitzverhältnisse polnisch war. Es ist nun einmal Tatsache, dass die Bevölkerung und Geschichte Schlesien, in diesem Falle Breslaus, in erster Linie und immer überwiegend deutsch war, welchem Souverän man auch immer unterstellt gewesen sein mag. Auch die Bemühungen der heutigen Bewohner Breslaus, deutsche, nach dem 2. Weltkrieg nach Warschau geschaffte Kulturgüter zurückzubekommen, muss man mit gemischten Gefühlen betrachten, denn sie stehen unter dem Motto "Gebt uns zurück, was uns gehört." Es fällt schwer, dieser Aussage beizupflichten, da diese Güter sicherlich zuallererst den vertriebenen Schlesiern und nicht den inbesitznehmenden Polen zustehen. Im Anschluss an das Referat hatten die Teilnehmer noch Gelegenheit, Fragen zu stellen. Von dieser Möglichkeit machten sie regen Gebrauch, so dass nicht alle Fragen beantwortet werden konnten, um den Zeitrahmen nicht zu sprengen. Der zweite Teil der Veranstaltung wurde vom Vorsitzenden der Landsmannschaft, Rudi Pawelka, bestritten. In seinem Referat "Schlesien - Brücke in Europa" zeichnete er den Weg der Besiedlung Schlesiens von den germanischen Stämmen der Wandalen und Silinger bis zur Neuzeit nach. So lieferte dieser Teil der Veranstaltung den historischen Hintergrund für die im ersten Teil angesprochenen aktuellen Entwicklungen. Das
gut besuchte Seminar vermittelte vor allem die polnische Perspektive
und unterstrich erneut die Rolle der Landsmannschaft Schlesien als
Mittler und Brückenbauer zwischen Deutschen und Polen.
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