Arbeit gewesen, deren Ergebnis weitere wichtige Aufschlüsse zu diesem Geschehen liefert. Dabei beschränkt sich der Verfasser auf eine sehr ausführliche Nachzeichnung der zahlreichen Memoranden, Gespräche, Verhandlungen, Beiträge und Reden der polnischen, tschechischen und sudetendeutschen Exilpolitiker, wobei bei den letzteren der Exilpräsident Eduard Benes und der letzte Vorsitzende der sudetendeutschen Sozialdemokraten, Wenzel Jaksch, im Vordergrund stehen, die über Jahre miteinander und gegeneinander, mit englischen Beamten und Politikern die "Nachkriegsordnung" diskutierten. Die Einsicht hier ist erschreckend: Bei seinen brutalen Plänen kamen Benes nicht nur Stalin zu Hilfe, sondern in zunehmendem Maße die englischen Politiker Eden und Churchill, später auch der USPräsident Roosevelt. Schon 1942 gab das britische Kriegskabinett die grundsätzliche Zustimmung zum "Transfer" und beschritt damit den verhängnisvollen Weg zur Vertreibungspoitik. Aus vielen zitierten Quellen wird deutlich, dass W. S. Churchill eine treibende Kraft bei diesen unmenschlichen Plänen war. In unverständlicher Blindheit berief er sich auf den türkisch-griechischen Bevölkerungsaustausch von 1923, obwohl er wusste, dass dieser "nur" 600.000 Menschen getroffen hatte. Selbstverständlich verfügte das englische Außenministerium (Foreign Office) über genaue Bevölkerungszahlen, Karten und Geschichtskenntnisse. So ging man von einer Gesamtzahl von 13,4 Millionen Deutschen in den Ostgebieten und dem Sudetenland aus (Statistik auf S. 257), die von einer Vertreibung erfasst werden sollten. Diese große Zahl führte dann doch eine ganze Reihe von beteiligten Beamten und Diplomaten zu Einwänden und Bedenken, die politischer und praktischer Natur waren. Die einen befürchteten politische Unruhen in Deutschland, Revisionsbestrebungen, die anderen befürchteten Hungersnot und Elend, wirtschaftliche und soziale Probleme, von der Unmenschlichkeit aller dieser Pläne sprachen nur wenige und die Regierung verheimlichte lange Zeit das Ausmaß und die zu erwartenden Schrecken der Vertreibung. Churchill insbesondere widersprach allen Einwänden mit dem nur zynisch zu nennenden Hinweis auf die Millionenverluste an deutschen Kriegstoten und die weiter zu erwartenden Verschleppungen in die Sowjetunion. Um die möglichen Zahlen der zu Vertreibenden zu senken, wurden auch aberwitzige Vorschläge unterbreitet, die Deutschen aus Ostpreußen und Deutsch-Oberschlesien Stalin auszuliefern und nach Sibirien zu transportieren. Churchill trat z. B. am 15. Dezember 1944 im Unterhaus für eine "total expulsion" der Deutschen ein und erklärte wörtlich; "A clean sweep will be made", auf Deutsch: "Es wird ein reiner Tisch gemacht". Er berief sich dabei auch auf Russland, das "ohne Schwierigkeiten große Massen von Leuten vertrieben habe". Bei einer solchen Denkweise und diesen politischen Zielsetzungen, für die Moral, Menschenrechte oder Völkerrechte nichts mehr galten, standen Wenzel Jaksch und seine Mitkämpfer von vornherein auf verlorenem Posten. Für die drei Großmächte bestand das Hauptziel in der Schwächung Deutschlands, in Strafe und Rache, auch wenn es hier nur die ostdeutsche bzw. sudetendeutsche Bevölkerung traf. Dubiose strategische Gründe wurden ebenfalls genannt, im Falle Polens wollte man Stalins Annexionen ausgleichen und durch die Vertreibung der Deutschen den Anschein eines Ausgleichs erwecken. Bei der Tschechoslowakei war nichts zu kompensieren, da konstruierte man Schuldvorwürfe gegen die "Minderheit", die man vorher erst zur Minderheit gemacht hatte. Menschlichkeit, Recht und Vernunft blieben bei dieser Politik auf der Strecke. Das ist ein Fazit, wobei der Verfasser diese Bewertung nicht vornimmt und hier auch in seiner Zusammenfassung - eine seltsam anmutende Zurückhaltung zeigt. Als die Westmächte in Potsdam das ausgerichtete und mitverschuldete Desaster in seinem ganzen Ausmaß, zugleich die Doppelbödigkeit der sowjetischen Politik zu ahnen und zu spüren begannen, war es zu spät zur Umkehr. Wenzel Jaksch ist zweifellos recht zu geben, der 1944 die geplante Vertreibung "das größte Verbrechen in der Geschichte des deutschtschechischen Zusammenlebens" genannt hat.
Dieses Buch erhellt weitere Kapitel zum Thema Vertreibung. Es hinterlässt
beim Leser, der sich durch die 428 Seiten hindurchgekämpft
hat, neben der Erkenntnis des Bösen in der Geschichte des 20.
Jahrhunderts auch tiefe Niedergeschlagenheit über die Möglichkeit
solcher Verbrechen, die von sogenannten "demokratischen" Politikern
nicht nur nicht verhindert, sondern befördert und begangen
wurden.
Deutsche Vergangenheit und polnische Gegenwart Das Tal der Schlösser und Gärten. Das Hirschberger Tal in Schlesien - ein gemeinsames Kulturerbe. Gesellschaft für interregionalen Kulturaustausch Berlin, Monumenta Silesiae Görlitz 2001414 S. Wer die Ausstellung der Schlösser und Gärten im HirschbergerTal bereits im Breslauer Architekturmuseum hat besuchen können (danach in Görlitz und Berlin und Alfeld zu sehen), war hocherfreut angesichts der klug und umfassend dargebotenen Präsentation der schlesischen Kulturlandschaft diesseits des Kammes des Riesengebirges. Allerdings durfte gleich ein wenig schlesisch und selbstkritisch angemerkt werden, dass all diese Schlösser zwar nach gutem überlieferten Sprachgebrauch so benannt worden sind, aber vielfach der Wirklichkeit entsprechend Herrensitze und Herrenhäuser gewesen sind. So schön sah es im Hirschber Tal im 19. und 20. Jahrhundert bis zum Kriegsende 1945 aus, so prächtig boten sich all diese Bauten und Gärten ernst an. Und in der Gegenwart wird hier und da der wagemutige Versuch unternommen, sich der deutschen Vergangenheit zu vergewissern und einige Schlösser und Herrensitze wieder aufzubauen. Nur zu gern erfährt man davon. Das Begleitbuch zu dieser Ausstellung nimmt man schon wegen seiner dickleibigen Umfanges und auch ob seiner Gewichtung lieber erst später zur Hand. Der beste Beitrag ist der letzte und mit 80 Seiten auch der ausführlichste, verfasst von Arne Franke aus Görlitz. Hier werden all die Bauten und Gärten im einzelnen, leider nicht streng alphabetisch, mit gut ausgewählten, aber bisweilen zu klein geratenen Bildern vorgestellt. Für den Besuch der Ausstellung wünschte man sich einen Sonderdruck, gleichsam als Katalog. Der durchweg zweisprachige Text aller Beiträge nennt leider auch Anmerkungen und Quellennachweis zweisprachig, was unnütz viel Raum kostet, mit Ausnahme dieses einführenden Aufsatzes, der zusammen mit Stanislaw Firszt, Hirschberg, für die Projektleitung verantwortlichen Autorin. Stanislaw Firszt hat für das Begleitbuch einen Aufsatz über die Geschichte bis in die Gegenwart hinein unter dem Titel "Das verlorene Paradies" verfasst. In den Literaturangaben findet sich keine deutsche Quelle, so dass sich die mechanisch zweisprachig wiederholte Zitierung ohnehin erübrigt hätte. Außerdem wird die Geschichte der schlesischen Plasten mit nationalem Stolz vorgetragen und zugleich vergessen gemacht, dass seit dem 13. Jahrhundert, wenn auch auf Einladung und Aufforderung dieser Plasten (man denke nur an Herzog Heinrich I. und seine Frau, die spätere heilige Hedwig) die deutsche Besiedlung erfolgte. Der antipreußische Akzent darf dann auch nicht fehlen: "Es begann die preußi sche Zeit, anfänglich mit wirtschaftlichem Verfall und dem Niedergang von Kunst und Kultur ....". Das Fazit, das sich mit 1740 und Friedrich II. von Preußen verbindet, lautet: "In der Geschichte Schlesiens en dete hiermit eine prachtvolle Epoche, die mit dem Wirken der Plasten und Herzö ge Polens verbunden ist."Frei von jeglicher tendenziöser und vorgestriger Geschichtsdarstellung ist hingegen die Arbeit der beiden Mitarbeiter des Instituts für Architekturgeschichte, Kunst und Technik an der Universität Breslau, Dr. Malgorzata Chronowska und Dr. Artur Kwasniewski, über "Die Schlösser des Hirschberger Tals vom 13. bis zur ersten (weiter Seite 13)
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