In der Heimat berühmter Landsleute Das Buch ist aus der Praxis eines Reiseleiters entstanden. Siebenmal war der inzwischen emeritierte evangelische Pfarrer Gunther Parche, 1926 in Breslau geboren, heute im niederbayerischen Pfarrkirchen zu Hause, in Schlesien, übrigens auch schon vor der Wende. Unterwegs vermittelte er der Reisegruppe kurz gefasste Informationen, die sich mit den Heimatorten berühmter Landsleute verbinden. Das reicht von Jakob Böhme in Görlitz bis nach Lubowitz, dem oberschlesischen Geburtsort Joseph von Eichendorffs. Diese mündlich vorgetragenen Lebensläufe, im ganzen sind es 36, wurden jetzt auf jeweils zwei Seiten zusammengefasst und durch gleichfalls zwei Seiten Bilder und Texte zu den einzelnen Biographien klug ergänzt. Was im "Schlesien Lexikon" stichwortartig und in dem Buch "Große Deutsche aus Schlesien" ausführlich nachgelesen werden kann, wird hier als kundige Handreichung offeriert. Die Reihe der Porträtierten beginnt (man spürt die Handschrift des evangelischen Kirchenmannes) mit Pastor Heinrich AIbertz, bislang nicht unter den großen Schlesiern vorgestellt, und schließt im Alphabet mit der Diakonissin Eva von Thiele-Winckler. Aber zu den 36 ausführlicher ausgefallenen Wiedergaben der Lebensläufe und Beschreibungen des Wirkens und der Werke kommen gleichsam als Nachtrag noch 20 auf wenige Zeilen beschränkte Kurzbiographien, und diese reichen von Otto Julius Bierbaum, dem Schriftsteller aus Grünberg, bis zum Philosophen Christian Wolff aus Breslau. Im ganzen sind es also 56 der Großen, darunter fünf der bis heute 12 Nobelpreisträger aus dem Stamm der Schlesier. Überraschend in dieser Galerie auch Ludwig Manfred Lommel zu finden, den einst populären Rundfunkhumoristen, aber durchaus verständlich, dass auch die leichte Muse ihren Platz gefunden hat. Vielleicht wäre dann aber auch Werner Finck, der geborene Görlitzer, nachzutragen. Ein Wort der Kritik gilt nur der Buchqualität, der Reproduktionen, aber hierfür hat auch bereits der Autor um Entschuldigung gebeten, weil es an den notwendigen Vorlagen gefehlt habe. Dass ob der Knappheit der Texte manche Unebenheit in Kauf genommen werden muß und einige Druckfehler trotz bereits eingedruckter Selbstkorrektur stehen geblieben sind, sei lediglich als Randbemerkung zu verstehen. Das Buch von Gunter Parche ist ein lesenswertes und durchaus gelungenes Vademecum, das man am besten schon dann zur Hand nimmt, wenn eine Reise nach Schlesien vorbereitet wird. Auf diese Weise über Schlesien besser Bescheid zu wissen und mitreden zu können, wenn Schlesien gerühmt wird, ist ein großer Gewinn und bereitet Freude. Herbert Hupka (SN)Gunther Parche: Ihre Heimat war Schlesien. Erinnerungen an große Deutsche aus Schlesien in kurzen Lebensläufen ergänzt durch Textbeispiele. Laumann Verlag, Dülmen 2000184 S. 36, 00 DM. Zwischen Ost und West Geschichten über Grenzerfahrungen Die Lehrerin Erika Peters kommt im Februar 1945 ins thüringische WahlhausenLindwerra. Hinter ihr liegt die Flucht aus ihrer Heimatstadt Stolp in Pommern, heute Slupsk in Polen. Zwischen 1946 und 1952 erlebt sie die Abriegelung der sowjetischen Besatzungszone/ DDR, die für die Betroffenen verheerende Folgen hatte. Die Bauern führen kleine Landwirtschaften. In der Flur verstreut liegen ihre Ackerstücke, viele in der britischen Besatzungszone. Anfangs erhalten sie einen Berechtigungsschein, um das Feld "drüben" zu bestellen. 1952 ist Schluss damit; von heute auf morgen ist die Grenze zu. Ein täglich geeggter Grenzstreifen verrät jedes unerlaubte Betreten. Erika Peters Geschichte zeigt, wie aus der Demarkationslinie zwischen russischer, britischer und amerikanischer Besatzungszone die streng bewachte innerdeutsche Grenze entstand. Bis zum Mauerbau 1961 gelang dennoch rund 2,8 Millionen Menschen die Flucht in den Westen. In "Von hier nach drüben" Zeitzeugen in 38 Beiträgen über ihre Grenzgänge, Fluchten und Reisen in den Jahren von 1945 bis 1961 und zeichnen so ein differenziertes Bild über eine Zeit, die heute kaum noch vorstellbar scheint. Zwei Tage vor Weihnachten 1948 flieht der 14-jährige Heinrich Polthier gemeinsam mit seinem 18-jährigen Bruder Konrad über WestBerlin aus der sowjetischen Besatzungszone. Ihre Eltern hatten die Aufnahme im Westen mit einer britischen Dienststelle geregelt, um die Kinder in Sicherheit zu bringen. Den ältesten Sohn Eberhard hatte zuvor der sowjetische Geheimdienst NKWD entführt und in ein sibirisches Straflager verschleppt: Er hatte sich geweigert, seine Lehrer und Mitschüler zu bespitzeln. 1956 hat Bernhard Fierke, damals Ostberliner Volkspolizei-Oberwachtmeister, ein ganz anderes Problem: Nach einem feuchtfröhlichen Abend gerät er versehentlich mit der S-Bahn nach West-Berlin und steht vor der Frage, wie er unauffällig wieder nach OstBerlin zurückkommt. 1961 waren solche Episoden undenkbar. Wahrend einer Sch~ft#ahrt rson Süda merika nach Europa erfährt Heinz Gutzeit am 14. August von einer Reisegruppe aus West-Berlin, die Stadt sei von den Sowjets abgeriegelt worden. Bange Stunden folgen, Gutzeit notiert: "Eine Berliner Mauer, dachte ich, und hatte meine Zweifel. Ich konnte ja nicht ahnen, dass sie bereits im Bau war." Die Erinnerungen der Zeitzeugen geben einen lebendigen Einblick in den deutschen Alltag im kalten Krieg. Die persön lichen Erlebnisse machen die Zeit auch für jüngere Leser verständlich: Die Texte des Buches werden von Fotos und Dokumenten der Autoren begleitet.
Die Reihe ZEITGUT wird fortgesetzt und thematisch erweitert. Manuskripteinsendungen
sind willkommen JKL Publikationen, Lektorat: Klausenpass 14,12107
Berlin, Telefon
030/74104624. Buchvorstellung: Beitrag zur Vertreibungsgeschichte Anmerkungen zum Buch "Der Weg zur Vertreibung 1938 - 1945" von Detlef Brandes Das Jahr 2001 zeichnet sich durch eine Reihe von wichtigen Veröffentlichungen zur Geschichte der Vertreibung der Deutschen aus Ostdeutschland, dem Sudetenland und Osteuropa aus. Zweifellos steht der Dokumentationsband "Odsun", Die Vertreibung der Sudetendeutschen, Hrsg. Roland Hoff mann, Alois Harasko, 944 Seiten (deutsch/tschechisch), München, Sudetendeutsches Archiv hier an erster Stelle, da er völlig neue Perspektiven zum geistigen Hintergrund der deutsch (sudetendeutsch)tschechischen Beziehungen eröffnet und die lange "Inkubationszeit" bis zur Vertreibung des zweiten Volkes aus Böhmen und Mähren 1945/46 belegt. In einer geistesgeschichtlich und ideengeschichtlich äußerst genauen und lebendigen Einleitung von Roland J. Hoff mann wird die Vertreibung von 3 Millionen Sudetendeutschen in geschichtlicher Perspektive dargestellt. Band I schließt mit dem Jahr 1939, der Errichtung des "Protektorats", und man kann gespannt sein auf die folgende Fortsetzung. Damit lässt sich die oben genannte Publikation nicht vergleichen, da sie Pläne und Entscheidungen zur Vertreibung sowohl der Ost- wie der Sudetendeutschen von 1938 -45 anhand von Akten und Quellen der beteiligten Staaten - vorwiegend der englischen Politik und Diplomatie auswertet. Das ist zweifellos eine mühevolle (weiter Seite 12)
|