Seite vor Seite zurück
Seite 2 POLITIK
Schlesische Nachrichten 21/2001

Koschyk: Außenminister hat keine Zeit für Vertreibungsthema

Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe "Vertriebene und Flüchtlinge" der CDU/CSUBundestagsfraktion, Hartmut Koschyk MdB, hat für den Monat September 2001 folgende schriftliche Fragen an die Bundesregierung gerichtet:

Ist die Bundesregierung der Auffassung, dass auch ethnische Säuberungen und Vertreibungen Ausdrucksformen von Rassismus darstellen, und falls ja, warum hat der Bundesminister des Auswärtigen, Joseph Fischer, diese Ausdrucksformen von Rassismus nicht in seiner Rede vor der 3. Weltkonferenz der Vereinten Nationen gegen Rassismus in Durban thematisiert?

Darauf antwortete für die Bundesregierung der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Dr. Ludger Volmer MdB, wie folgt:

Die Bundesregierung ist der Auffassung, dass auch ethnische Säuberungen und Vertreibungen Ausdrucksformen von Rassismus, rassistischer Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und verbundener Intoleranz (so der vollständige Titel der 3. Weltkonferenz) darstellen können.

Die Rede des Bundesministers des Auswärtigen vor der Weltkonferenz konzentrierte sich zum einen auf die besonders umstrittenen Themen Kolonialismus, Sklaverei sowie den Nahostkonflikt, an denen die Weltkonferenz bis zuletzt zu scheitern drohte. Darüber hinaus unterstrich der Minister, dass es auf der Weltkonferenz in erster Linie um die Bekämpfung der neuen Formen von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gehen müsse, zu denen auch ethnische Säuberungen und Vertreibungen gehören können.


Schlesische Notizen

Breslau, der Lufthansa unbekannt. Im jüngsten Flugplan 28.Oktober 2001- 30. März 2002 sucht man vergebens nach einem Flug mit Zielangabe Breslau, obwohl die Gewissheit besteht, dass Breslau von Frankfurt am Main angeflogen wird. Warschau hat es da besser, denn Warschau wird stets zuerst unter dem deutschen Namen für die polnische Hauptstadt geführt. Auch Kattowitz widerfährt das Glück, unter KattowitzlKatowice notiert zu werden. Aber für Breslau verstummt die deutsche Sprache bei der Lufthansa, denn es wird durchweg nur unter Wroclaw registriert, dann gnädigerweise mit dem Zusatz nach einem schrägen Strich auch Breslau genannt. Warum diese negative Aussonderung von Breslau, ist es Dummheit oder böser Wille, denn Breslau haben wir offenbar als Deutsche nur noch Wroclaw zu nennen?


Es bleibt Geschichtsfälschung, wenn die deutsche Geschichte Schlesiens erst mir der Gründung des Deutschen Reiches 1871 beginnen darf. Professor Dr. Jan Waszkiewicz, Marschall der Woidwodschaft Niederschlesien, der sich ausdrücklich zu den schlesischen Wurzeln für die heutigen Bewohner Schlesiens zusammen mit den vertriebenen Deutschen bekennt, wie jüngst bei der Verleihung des Kulturpreises Schlesien des Landes Niedersachsen in Hannover, hat soeben erst wieder auf die geschichtsklitternde Periodisierung zurückgegriffen. In seinem Geleitwort für den Band zur Ausstellung "Das Tal der Schlösser und Gärten. Das Hirschberger Tal in Schlesien - ein gemeinsames Kulturerbe" heißt es: "Die Geschichte Niederschlesiens ist außerordentlich vielschichtig. Es war zunächst ein Teil Polens, dann Böhmens (kurz Ungarn), Österreichs, Preußens, Deutschlands und erneut Polens". Schlesien war aber seit Kaiser Karl IV, seit dem 14. Jahrhundert Teil des Römischen Reiches deutscher Nation, zuvor allerdings auch nicht kontinuierlich Teil Polens, aber unter den sich ablösenden Herrscherhäusern stets Teil Deutschlands, und nicht erst seit 1871 ! Aber man will das Wörtchen deutsch auf Kosten der geschichtlichen Wahrheit vermeiden, nicht gerade Zeugnis für eine ehrliche Nachbarschaft.


"Wähler blieben zu Hause", so betitelt das "Schlesische Wochenblatt" den Bericht über das schlechte Abschneiden der Wahllisten der deutschen Minderheit. Das Ergebnis der Wahl zum Sejm am 23. September nannte der wiedergewählte Abgeordnete der deutschen Minderheit Heinrich Kroll (neben Helmut Pazdzior) die "brutale Wahrheit". Er meint, dass "unser Wahlpotential ausstirbt". Zu fragen ist, ob damit das Ende der Deutschen Freundschaftskreise gemeint sein soll? Ferner bemerkte Kroll, dies wohl zu Recht, dass die Arbeitsmigranten kein Interesse mehr an der deutschen Minderheit zeigten, sie blieben bei den Wahlen zum Sejm und Senat fern, soweit sie überhaupt am Wahlsonntag in der Heimat waren, da sie nichts mehr mit dieser (deutschen) politischen Ebene verbindet. Die daher bleibende Jugend wähle die Partei, von der sie am ehesten politische Signale für die Verbesserung ihrer eigenen Lebenssituation erwarte. Da könne die Minderheit mit ihrem politischen Regionalismus nicht mithalten.


"Der Mensch baut das Haus und das Haus formt den Menschen",

dieses Wort von Gerhart Hauptmann zitierte Kurt Biedenkopf, Ministerpräsident des Freistaates Sachsens, zu dem auch die niederschlesische Oberlausitz gehört, aus Anlass der offiziellen (zweiten) Eröffnung des Hauses Wiesenstein, dem Wohnsitz von Gerhart Hauptmann von 1901 bis zu seinem Tode am 06. Juni 1946. Die Eröffnung war absichtsvoll auf den 1. September gelegt worden, den Tag des Kriegsbeginns gegen Polen, weshalb auch Polens Ministerpräsident Jerzy Buzek (inzwischen abgewählt) zugegen war. Es sollte ein symbolisch bedeutsamer Akt mit dem Blick nach vorn sein und der Verpflichtung, das große kulturelle Erbe zu erhalten und zu pflegen. Auch die Enkelin Anja Hauptmann, Tochter von Benvenuto Hauptmann, war anwesend. Viel Hoffnung ist in das wieder eröffnete und jetzt zugängliche Haus Wiesenstein in Agnetendorf, das inzwischen zu Hirschberg eingemeindet ist, zunächst erst einmal investiert.


4. Dezember 2001 im Zweiten Deutschen Fernsehen: Festung in Breslau, Bericht über das Schicksal der Schlesier, 20.15 Uhr. Das wird die dritte Sendung einer Folge von fünf Sendungen sein, die jeweils am Dienstag, beginnend 20. November, das Unrecht und Verbrechen der Vertreibung zum Inhalt haben werden.


Werne im Kreis Unna in Westfalen, 32.000 Einwohner, die Landsmannschaft Schlesien zieht Bilanz über einen Zeitraum von 1996 bis 2001. Um das tun zu können, wie das jetzt mit einer lebenswerten Publikation geschehen ist, muss wirkungsvoll gearbeitet worden sein. Das reicht vom Sommersingen am jeweiligen Sonntag Laetare bis zum alljährlichen Tag der Heimat. Das schlesische Erbe, noch von Gerda Benz großartig präsentiert, und Schlesien heute aufgrund von Lichtbildervorträgen waren Themen. Wie die Presseausschnitte belegen, wurde über diese Aktivitäten aufmerksam berichtet. Es kann sich sehen lassen, was jetzt Alfred Willemek überzeugend zusammengestellt hat.


Seite vor Seite zurück
Seite 2 POLITIK
Schlesische Nachrichten 21/2001