Schlesische Nachrichten
Zeitung für Schlesien

Herausgeber: Landsmannschaft Schlesien ‑ Nieder‑ und Oberschlesien

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Nummer 21/2001                                               Einzelpreis 3,50 DM                                                  01.November 2001

Schock - Trauer - Gegenschlag
Herbert Hupka - Bundesehrenvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien e.V.

Was am 11. September des Jahres 2001 geschehen ist, hat nicht nur die Vereinigten Staaten Nordamerika getroffen, sondern uns alle, die wir uns Bürger der zivilisierten Gesellschaft nennen. Die Angriffe auf das Word Trade Center in New York und das Pentagon in Washington sind keine lokalen Ereignisse. Die mit brutalem Hass verfolgte Welt des Westens, der westlichen KuItur war und bleibt wohl auch weiterhin das Angriffsziel.

Es ist ebenso unbegreiflich wie ungeheuerlich, dass sich von Wahnvorstellungen gelenkte und indoktrinierte Menschen bereit finden, nicht nur selbst dem Leben ein plötzliches Ende zu setzen, sondern gleichzeitig einerseits Passagiere von Flugzeugen mit in den Tod zu reißen und andererseits zuvor ausgesteckte Ziele zu treffen, um Tausende von Menschen mörderisch zu vernichten.

Der Schock, dem wir alle an diesem 11. September und auch danach erlegen waren, ist nur zu verständlich. Diesem Schock folgte tiefeTrauer, auch wenn das leider für einen bestimmten Teil der Welt nicht gilt. Sicher ist das Wort berechtigt, dass nicht die Gläubigen des Islam kollektiv verurteilt werden dürfen, ob gleich fest steht, dass die grausam schuldig Gewordenen als gläubige Islamisten auf Befehl von angeblich Glaubenstreuen zu diesen brutalen Taten angestiftet worden sind.

Zur Toleranz, zu der uns zivilisierten Bürgern eigenen Werteordnung gehört auch die Toleranz zu anderen religiösen Bekenntnissen. In diese Toleranz ist auch der Islam eingeschlossen. Aber trotzdem müssen Fragen gestellt werden. Warum kommen gerade aus dem Islam diese mörderischen Fanatiker? Warum gilt in der mohammedanischen Welt das Gebot, einen "Heiligen Krieg" auszurufen? Wie steht es im Islam mit den Menschenrechten, nicht zuletzt mit den Rechten der Frauen? Unter den autokratisch und diktatorisch gelenkten Staaten zählen geradezu mehrheitlich die Staaten mit dem Islam als Staatsreligion! Es wäre unredlich, hier irgendwelche Rechnungen aufmachen und Rela tionen zwischen der einen und der anderen Welt herzustellen, aber die Toleranz darf die Unterschiede, ja Gegensätze nicht verschweigen oder übersehen wollen.

Bei der Bewertung der Geschehnisse, die im Terror des 11. September ihren spektakulären Höhepunkt erreicht haben, gibt es aber auch Stimmen, die intellektuell fein gesponnen argumentieren und sich in Häme, in einer Art von Schadenfreude ergehen. "Grassierender Antiamerikanismus?" schrieb kürzlich die "Neue Zürcher Zeitung" in einem Bericht über "Warnungen vor einer kippenden Stimmung in Deutschland". Ein russischer Journalist, der für seine Zeitung in Russland in Berlin arbeitet stellte wörtlich "einen zunehmenden Antiamerikanismus" hierzulande fest, indem er gleichzeitig dafür kein Verständnis, gerade auch als Russe, aufzubringen vermochte. Botho Strauß, ein zu Recht berühmter deutscher Dramatiker, stellt die nicht zu begreifende These auf: "Kampf der Bösen gegen die Bösen".

Mancher Zeitgenosse ergeht sich auch gleich in Erinnerungen an die Bombardements während des Zweiten Weltkrieges. Mit einer Emotionalisierung desTerrors, mit Gefühlsergüssen und Reminiszensen, mögen sie auch noch so begründet daherkommen, wird der Terror bestimmt nicht bekämpft und auch vernichtet werden können.

Es ist gut zu wissen, dass in der Bundesrepublik Deutschland alle politischen Kräfte mit Ausnahme SEDNachfolgepartei, der PDS, sich mit den USA solidarisch erklärt haben und zum Handeln gegen den Terrorismus bereit sind (Bündnis 90 Die Grünen tun sich in der Bundesregierung allerdings schwer, hier einen klaren Standpunkt zu verfechten und durchzuhalten).

Der Terrorismus ist ein Feind, den man nicht kennt, der unerwartet unvorbereitet für diejenigen, die getroffen werden sollen, geradezu allgegenwärtig ist. Das ist nicht der Ausdruck irgendwelcher Hysterie, sondern leider die Realität. Den da und dort sich zu Wort meldenden Besserwissern muss die Frage gestellt werden: Wie wollen Sie sich vom Terrorismus befreien, welche Wege halten sie für gangbar, um Herr über den Terrorismus zu werden? Der seit dem 7.Oktober rollende Gegenschlag war und ist daher die notwendige Antwort, ohne das gewusst wird, ob auch die letzte Wurzel des Terrorismus getroffen werden kann.

Zu erwarten ist allerdings auch, und dies ist bis jetzt leider ausgeblieben, dass sich die geistlichen Repräsentanten des Islam vom Terror im Namen des Islam nicht nur distanzieren, sondern die Berufung auf den Islam verurteilen. Allein schon die Unvereinbarkeit eines "Heiligen Krieges" angesichts der gegenwärtigen Verhältnisse in der Welt mit dem richtig verstandenen Islam wäre deutlich herauszustellen!

Eine neue Konfrontation beherrscht die Welt: hier unsere zivilisierte, abendländische oder christliche westliche Welt, dort die Welt des Hasses, der Feindschaft mit dem Ziel, unsere Welt zu vernichten, mit diesen Predigern des Hasses sollte niemand gemeinsame Sache machen, auch kein Staat, keine Religion.


BRESLAU -Kaiserbrücke Archiv (SN)


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