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15. September 2001
Schlesische Notizen

Drei Wahlkreise in Schlesien. Zuerst hatte sich das Oppelner Schlesien mit seiner Kandidatenliste für die Wahl zum polnischen Sejm zu Wort gemeldet, mit den bisherigen deutschen Sejm-Abgeordneten Heinrich Kroll und Helmut Padzior an der Spitze. Für die Wojewodschaff Schlesien, das ist das erweiterte Ost-Oberschlesien, werden für zwei Wahlkreise eigene Listen zur Wahl vorgelegt: Ratibor-Rybnik und Gleiwitz.Die Liste für den Wahlkreis Ratibor-Rybnik nennt auf Platz eins Lidia Burdzik, die vor einem Jahr neu gewählte Vorsitzende des DFK-Bezirks Schlesien (Kattowitz). Spitzenkandidat für den Wahlkreis Gleiwitz ist Dietmar Brehmeraus Kattowitz, nachdem Kattowitz keinen eigenen Wahlvorschlag eingegeben hat. Dietmar Brehmer hatte bislang eine separate Vereinigung "Versöhnung und Zukunft" geleitet, die mit den Deutschen Freundschaftskreisen nicht kooperierte. Im Juni ist es jedoch erfreulicherweise zu einer Übereinkunft zwischen dem DFK und Dietmar Brehmers Verband gekommen. Jetzt kommt es aber darauf an, die sich zu ihrer deutschen Herkunft bekennenden Bürger für die Teilnahme an der Wahl zu gewinnen. Die Wahlaussichten im OppelnerSchlesien, wo die Mehrheit der Deutschen wohnt, werden als günstig bezeichnet, hingegen sind die Erfolgsaussichten für Ratibor-Rybnik und Gleiwitz als keineswegs günstig vorherzusagen. Es steht allerdings fest, wenn die Deutschen in der heutigen Republik Polen mehrheitlich zur Wahl gingen, weit mehr als nur zwei Abgeordnete für den Sejm als Deutsche gewählt werden könnten, ja gewählt werden müssten.

Haus Wiesenstein in Agnetendorf wieder geöffnet, das heißt, dass das Haus, das sich tierhart Hauptmann 1901 errichtet hatte, nach 56 Jahren der absichtlichen Entfremdung endlich wieder dem Dichter und Nobelpreisträger für Literatur, tierhart Hauptmann, gewidmet sein wird. Jahrzehntelang war in dem Haus Wiesenstein ein Kindererholungsheim untergebracht. Am 11. August fand die feierliche Eröffnung des Hauses Wiesenstein statt. Die Wiederherstellung erfolgte dank der Finanzen der Bundesrepublik Deutschland, der Stiftung für deutschpolnische Zusammenarbeit und des Freistaates Sachsen. Für die Unterhaltung soll nunmehr die Stadtverwaltung von Hirschberg aufkommen. Zur Eröffnung wurde eine Ausstellung des Werkes von Ivo Hauptmann, dem ersten Sohn tierhart Hauptmanns und bedeutenden Maler der Moderne, vorbereitet

Italien ist europäischer als Polen. "Ihr Reiseplan EC Michelangelo von München nach Rom" enthält für Südtirol zwischen dem Brenner und Bozen neben den italienischen Namen auch die deutschen Ortsbezeichnungen: Brenner, Franzensfeste, Brixen und Bozen. Dies geschieht sicher mit italienischem Einverständnis. Warum ist ein vergleichbares Einverständnis mit Polen nicht möglich, denn von Görlitz ab sind alle deutschen Ortsbezeichnungen ausradiert. Es darf diese nicht geben, wie die Deutsche Bahn zur Erklärung angibt. Italien handelt vorbildlich europäisch. Wann ist Gleiches von Polen zu erwarten, und warum drängt die Deutsche Bahn nicht, die deutschen Ortsbezeichnungen neben den polnischen auf dem Weg von Görlitz nach Schlesien zu nennen-

Beflissene Dienerin des Streichkommandos der Bundesregierung: Dr. Hanna Nogossek, vor Jahren noch Ausstellungsleiterin des Kulturwerks Schlesien, dem jetzt auch alle finanziellen Mittel gestrichen worden sind, hat als jüngst installierte Direktorin des von der gegenwärtigen Bundesregierung ins Leben gerufenen "Deutschen Kulturinstituts östliches Europa" all denen, die bislang vorbildlich und idealistisch für die ostdeutsche Kultur gearbeitet haben, nachgerufen, dass es "alte Herrschaften in Vereinen sind, die nun aber mit Mitgliederschwund kämpfen". Außerdem hätten sie kein Verständnis dafür, was in den letzten 50 Jahren geschehen ist. Darum "eine moderne und zeitgemäße Institution". Zuvor aber musste und muss das Bewährte zerschlagen werden, was nicht ausdrücklich erklärt, aber von Dr. Hanna Nogossek in Potsdam genießerisch gemeint ist. Es geht eben nichts über dienstergebene Gefälligkeit. Traurig und bitter!

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" spricht lieber polnisch als deutsch, wenn sie von Schlesien berichten lässt. So geschehen in einem mehrspaltigen Bericht über die Wiedereröffnung des Hauses Wiesenstein von Gerhard Hauptmann in Agnetendorf im Riesengebirge. "Aus Jelenia Göra und aus Wroclaw" seien Gäste zugegen gewesen und zu Agnetendorf, dessen Name streng vermieden wird, war zu lesen: "Das kleine, von Bächen durchrauschte Örtchen im Riesengebirge, das seit 1945 Jagniatköw heißt". Man muss wohl schon dankbar dafür sein, dass das Riesengebirge wenigstens deutsch bezeichnet worden ist. Aber zu Agnetendorf die zutreffende Nachbemerkung: auf polnisch heißt es tatsächlich Jagniatkow, aber auf deutsch immer noch Agnetendorf. Eine Zeitung, die auf das richtige Deutsch und die alte Orthographie Wert legt, sollte auch Schlesien nicht absichtlich verfremdet darstellen!