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15. September 2001
Wählen gehen!

In Hamburg und in Berlin wird gewählt, aber es verdient besondere Beachtung, dass in der Heimat das neue polnische Parlament und der Senat gewählt werden, es ist die vierte freie Wahl seit der Wende. Wahltermin ist Sonntag, 23. September 2001.

Wer für die Freiheit und gegen die Diktatur gekämpft hat, ist nach dem Sieg der Freiheit über die Diktatur voller Freude, dass die Bürger jetzt frei über die Zusammensetzung des Parlaments und des Senats entscheiden können. Gleich ist allerdings ausgegebenen Anlass zu fragen, ob das Wahlrecht als Wahlpflicht verstanden wird. Seit 1991, als sieben Deutsche in den Sejm und ein Deutscher als Senator gewählt worden sind, hat sich die Zahl der gewählten Vertreter der Deutschen Freundschafskreise, also der Organisation der Deutschen in der Republik Polen, von Wahl zu Wahl verringert. 1994 schafften es nur noch vier Deutsche, in den Sejm gewählt zu werden. 1997 bei der letzten Wahl vor der jetzt bevorstehenden waren es nur noch zwei, und die Deutschen mussten auch auf den schon zur Tradition gewordenen Sitz im Senat verzichten.

Gleich tauchen dann die Fragen auf: Werden auch die hier organisierten Deutschen überhaupt geschlossen zur Wahl gehen? Werden sich die Deutschen in angemessener Zahl an der Wahl beteiligen? Man hat bereits ausgerechnet, indem ein bestimmter Wahlkreis ins Visier genommen worden ist, dass dann, wenn die in diesem Wahlkreis wahlberechtigten Deutschen mehrheitlich zur Wahl gingen, der Kandidat oder die Kandidatin mit Sicherheit in den Sejm einziehen könnten. Aber das gerade angedeutete Wenn ist leider pessimistisch gefärbt, denn es steht erneut zu befürchten, dass diejenigen Bürger und Bürgerinnen deutscher Volkszugehörigkeit, die eigentlich zur Wahl gehen sollten, dies eben nicht tun werden. Und es gibt schon eine Ausrede, indem man auf die Tausenden von Landsleuten verweist, die zur Zeit in der Bundesrepublik Deutschland oder in Holland arbeiten, gar nicht das Bedürfnis empfinden, unbedingt an der Wahl am 23. September teilzunehmen. Man reist zwar gelegentlich gern über das Wochenende nach Hause, aber ob dies auch zum Wahltag sein wird, wird zumindest mit einem Fragezeichen versehen. Noch ist es nicht an dem, und dies ist ein glücklicher Umstand, dass sich die Entscheidung der Deutschen in der Heimat nicht nach einem Bekenntnis zu einer Partei aufsplittert. Es bieten sich für Wahlentscheidung die Mitglieder der Deutschen Freundschaftskreise an. Aber die Kandidaten erwarten selbstverständlich die Unterstützung durch die Wähler, also durch die deutschen Landsleute.

Man rede sich nicht darauf hinaus, dass ohnehin im Lande allgemeine Wahlmüdigkeit herrsche. Als Grund wird eine weit verbreitete Verdrossenheit gegenüber der Politik angegeben. Wer aber mitentscheiden will, muss mitwählen. Wer nicht zur Wahl geht, wird mitschuldig an dem" dass sich nichts zum Besseren wandelt. Es empfiehlt sich, am Familientisch über die bevorstehende Wahl zu sprechen und zu diskutieren und dann darin einig zu sein, dass man zur Wahl geht.

Die Bitte soll zum Schluss stehen: Am Wahltag unbedingt zur Wahl gehen und möglichst viele gleichfalls davon überzeugen, auch zur Wahl zu gehen. Gerade für die Deutschen in der Heimat kann es doch nicht so schwer sein, sich möglichst zahlreich an der Wahl zu beteiligen.

Herbert Hupka (SN)