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01. September 2001
Aktuelles aus Polen

DW das Autokennzeichen für Breslau. Der neuen Gliederung der Republik Polen seit dem 1. Januar 1999 in 16 Wojewodschaften folgend wurden jetzt auch entsprechend die Autokennzeichen neu festgelegt. Schwarz auf weiß mit der weißroten polnischen Nationalflagge als Kennzeichen heißen die drei schlesischen Wojewodschaften: D für Niederschlesien (Dolny Slask), O für das Oppelner Schlesien und S für Schlesien, den bisherigen Bezirk Kattowitz. Der zweite Buchstabe bezeichnet die Stadt beziehungsweise den Landkreis. Es steht DW nunmehr für Breslau, DL für Liegnitz, DB für Waldenburg, denn DW ist bereits für Breslau besetzt, DJ für Hirschberg. Vom Oppelner Schlesien seien genannt: OP für Oppeln, ONY für Neiße, OPR für Neustadt, OST für Groß Strehlitz. Da auch Namslau und Brieg jetzt zum Oppelner Schlesien zählen: OB für Brieg, ONA für Namslau. Unter dem Buchstaben S ist die Wojewodschaft Schlesien mit der ostoberschlesischen Hauptstadt Kattowitz gemeint: SK für Kattowitz, SG für Gleiwitz, SY für Beuthen (SB ist für Bielitz besetzt), SZ für Hindenburg (mit der polnischen Namensbezeichnung Zabrze), SR für Rybnik, SRC für Ratibor. Da Grünberg und Sagan aus den schlesischen Wojewodschaften ausgemeindet worden sind und jetzt zur Wojewodschaft Lebus zählen mit dem Hauptkennzeichen F: Grünberg FZ (polnischer Ortsname Zielona Göra) und FZG für Sagan (polnisch Zagan). Das Ratespiel auf der Autobahn kann also beginnen.

Nachruf auf Edward Gierek. "Wenn Edward Gierek Bürger der Bundesrepublik Deutschland gewesen wäre, hätte er es möglicherweise bis zum Bundesfinanzminister gebracht. Jedenfalls sagte dies Mitte der Siebzigerjahre Bundeskanzler Helmut Schmidt, der den Chef der polnischen Kommunisten seinen Freund nannte." Mit diesen Sätzen beginnt in der "Süddeutschen Zeitung" der Nachruf des Warschauer Korrespondenten Thomas Urban. Im Alter von 88 Jahren ist Edward Gierek in Teschen an Lungenversagen gestorben. Zehn Jahre von Ende 1970 bis Ende 1980 war er der erste Mann der kommunistischen Diktatur. Er trat an die Stelle von Wladislaw Gomulka, nachdem dieser als KPChef auf die Arbeiter in den Ostseehäfen hatte schießen lassen, Ergebnis über 100 Tote. Er wurde dann selbst abgelöst, nachdem die Gewerkschaft "Solidarität" für demokratische Unruhe im Lande gesorgt hatte. Mit viel vom Westen eingeräumten Krediten, darunter auch eine Milliarde deutscherseits (nie zurückgezahlt), schien die Wirtschaft in Polen aufzublühen, aber das war eine Scheinblüte. Das Urteil über die Dekade der Herrschaft von Edward Gierek fällt entgegen der Meinung des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt wahrheitsgemäß katastrophal schlecht, nämlich vernichtend aus.

"Die Regierung Buzek in Agonie", so die "Neue Zürcher Zeitung". "Polens Rech te in der Spirale des Verfalls", so titelt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Hier heißt es in einem Bericht aus Warschau: "Polens bürgerlicher Ministerpräsident Jerzy Buzek ist voraussichtlich der erste Regierungschef seit der Wende, der sein Amt vom Anfang bis zum Ende einer Legislaturperiode versehen wird. Doch trotz diesem polnischen Rekord sind die Umfragewerte für seine Regierung verheerend. Seit einigen Monaten besteht das um die legendäre Gewerkschaft "Solidarnosc" herum gebildete Bündnis polnischer Rechtsparteien (AWS) nur noch auf dem Papier ...." Rücktritte von Ministern, Entlassungen von Ministern, Korruptionsvorwürfe häufen sich. Darum diese Schlagzeilen der Berichte aus Warschau: "Schwindender Rückhalt von Ministerpräsident Buzek", "Polens Regierung in schweren Turbulenzen" "Kurz vor den Wahlen prägen Korruptionsaffären und Streit das Bild der Regierung". Die Prognosen für den Wahltag am 23. September lauten schon heute: ein Sieg für SLD, die Post?Kommunisten, sogar zur absoluten Mehrheit könnte es reichen.

Bis 1997 unter 100 Senatoren auch ein Deutscher, aber in der jüngsten Wahlperiode Fehlanzeige. Gerhard Bartodziej, bisher Senator, hatte einen Wiedereinzug in den Senat nicht geschafft. Jetzt kandidiert für die Deutsche Minderheit zum Polnischen Senat Jözef Kotys im Oppelner Schlesien. Als Kotys 1993 zum ersten Male an einer Parlamentswahl teilnahm, wurde ihm die Frage gestellt: "Wie kommt es, dass ein junger Mensch bei den Wahlen für die deutsche Minderheit kandidiert?" Antwort: "Weil meine Eltern Deutsche sind." Jetzt kann man sich nur eine hohe Wahlbeteiligung der Deutschen am 23. September wünschen!

Man nahm Anstoß an der Berichterstattung über Jedwabne durch das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Der deutsche Bericht über die Feierlichkeiten zum Gedenken an die Ermordung von 1600 Juden durch Polen am 10. Juli 1941 nach 60 Jahren wurde vom Chef des Büros für Nationale Sicherheit als unzutreffend und zynisch verurteilt. In einem öffentlich gemachten Protestschreiben heißt es: "Die Gefühle derjenigen Polen sind verletzt worden, die den Worten des Präsidenten folgend ihr Haupt im Schmerz verneigt und sich für die an Juden, unseren Nachbarn und Mitbürgern, begangenen Verbrechen entschuldigt haben. Die Diskussion über das Verbrechen von Jedwabne hat einen Prozess der kollektiven Gewissenserforschung eingeleitet."

SN