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01. September 2001
Schlesische Notizen

Oppeln und Ludwigshafen beginnen die Zusammenarbeit. Während der eine Partnerschaft vorbereitenden Gespräche zeigte sich, wie im "Schlesischen Wochenblatt" zu lesen war, "das beide Landkreise sowohl eine ähnliche Verwaltungsstruktur als auch eine vergleichbare Einwohnerzahl von jeweils 140 000 Menschen haben." Die Oppelner Landräte Henryk Lakwa und Krzystof Wysdak berichteten: "Ludwigshafen hat Interesse an der Unterzeichnung eines Partnerschaftsvertrages. Die weitere Entwicklung unserer Kontakte wird von den Beschlüssen der beiden Kreisräte abhängen." Geradezu feierlich heißt es bereits: "Ludwigshafen, das in der Nähe des Hambacher Schlosses liegt, der Wiege der deutschen Demokratie, ist für die freundliche Haltung seiner Bewohner Polen gegenüber berühmt." Wiederholt ist in der jüngsten Vergangenheit des Hambacher Festes von 1832 gedacht worden, als 30 000 Teilnehmer, darunter viele geflüchtete Polen des Novemberaufstandes von 1830, für ein freies und einiges Deutschland demonstrierten. "Uns liegt", wie in Oppeln verlautbart wurde, "an Kontakten zwischen Schulen, Feuerwehrgruppen und Sportvereinen. Zuerst stellen wir eine Liste mit den Schulen aus unserem Kreis auf, die an einem Partner in Deutschland interessiert sind."

"Neues Unrecht begann Gesetz zu werden"; ein Wort des aus Danzig stammenden Nobelpreisträgers für Literatur des Jahres 1999, Günter Grass. In seiner Dankesrede für eine Auszeichnung durch die Universität Viadrina in Frankfurt/Oder sagte Günter Grass: "Nicht selten wurde Verbrechen mit Verbrechen vergolten. Darüber ist lange geschwiegen worden, doch jetzt ist es an der Zeit, diese Geschehnisse der ersten Nachkriegsjahre als Teil und Erblast der polnischen Geschichte zu begreifen. Zwar ist die Vertreibung der Deutschen erklärbar, doch haften ihr zugleich alle Erkennungszeichen einer, ethnischen Säuberung' an." Das Wort "erklärbar" könnte allerdings missverständlich als Rechtfertigung von Rache ausgelegt werden, aber dem wäre deutlich zu widersprechen. Für das Unrecht und das Verbrechen der Vertreibung gibt es keine wie auch immer formulierte Rechtfertigung.

In München war der Rübezahl unbekannt, als über das Deutschlandtreffen der Schlesier in der "Abendzeitung" berichtet wurde. In so mancher Veröffentlichung am Tage nach dem Schlesiertreffen war eine Aufnahme zu sehen, die Bundesinnenminister Otto Schily mit einem als Rübezahl verkleideten Kundgebungsteilnehmer zeigt. Die Münchner "Abendzeitung" schrieb unter das von dpa gelieferte Bild: "Wie witzig: Innenminister Schily und ein ,Nepomuk' beim Schlesiertreffen in Nürnberg. Nepomuk ist böhmischer Schutzpatron". Angesichts so grober Torheit könnte es sein, dass Rübezahl nicht grollend, sondern gnädig reagiert.

Tennisspieler spielen auf Soldatengräbern. In Krawarn im Hultschiner Ländchen, 7 000 Einwohner, befand sich zum Ende des Zweiten Weilkrieges ein Lazarett der Wehrmacht, und die toten Soldaten wurden auf dem evangelischen Friedhof beigesetzt. Unter kommunistischer Herrschaft wurden die Gräber planiert und eine Sportstätte mit Tennisplätzen errichtet. Man bemüht sich seit langem um die Exhumierung der Toten, aber der "Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge" in Kassel lässt sich Zeit. Die tschechische Gemeinde ist zur Mithilfe bereit, auch von den Tennisspielern gibt es keinen ernst zu nehmenden Widerspruch, nur wünschte man, dass die Exhumierung nicht gerade während der Spielsaison erfolgt. Laut Auskunft von Horst Kostritza vom Deutschen Freundeskreis in Krawarn "soll sich unter den Tennisplätzen höchstwahrscheinlich die Grabstätte von 70 während des Zweiten Weltkrieges gefallenen deutschen Soldaten befinden." Exhumierungsarbeiten in Krawarn wurden bereits 1997 auf dem katholischen Friedhof vorgenommen und 16 gefallene Soldaten exhumiert. Jetzt wartet man auf das Handeln des "Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge". Zwischen den Deutschen und Tschechen besteht mehrheitlich die Überzeugung, dass es ein Gebot der Pietät ist, nicht gerade auf Gräbern Sport zu treiben.

Ein Schlesier, vor 50 Jahren in Kulmbach geboren: "Die Stadt Kulmbach würdigt die außergewöhnlichen Leistungen von Thomas Gottschalk in Film, Funk und Fernsehen. Sie ernennt ihn zum Ehrenbürger für seine besonderen Verdienste um seine Heimatstadt. Der 51-jährige hat sich stets zu Kulmbach bekannt." Diese Nachricht und das Faktum der Ehrenbürgerschaft hat da und dort Widerspruch erregt, weil unter den Schlesiern gemeint war, dass Thomas Gottschalk Schlesier sei. Richtig ist, dass beide Eltern geborene Schlesier sind, dass Thomas Gottschalk sich auch gern als Schlesier ansprechen lässt, außerdem schlesischen Dialekt beherrscht und dies vor zwei Jahrzehnten auf dem Deutschlandtreffen der Schlesier in Hannover auch bewiesen hat. Dem wird aber nicht zu widerreden sein, dass er von den Franken im Freistaat Bayern, dass er von und für Kulmbach in Anspruch genommen wird. "Ein schlesischer Franke", diese Bezeichnung dürfte in Ordnung gehen.
SN