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01. September 2001
Ein Dorf
kehrt heim* * *
* * *wenn auch nur für ein paar Tage* * *
Mit fünf vollbesetzten
Bussen und vielen Privatfahrzeugen kamen sie angereist, die
ehemaligen Wüstewaltersdorfer aus allen Teilen der Bundesrepublik,
aus Österreich, sogar aus Amerika - in ihren Heimatort,
der schon seit über einem halben Jahrhundert polnisch ist
und Walim heißt, um die Feier zum 250-jährigen Bestehen
ihrer damals evangelischen Kirche mitzuerleben.
Mit Fahnen und Blumen festlich geschmückt,
lachte sie ihren "Ehemaligen" entgegen, konnte aber
trotzdem nicht den z. T schrecklichen Verfall des einstmals
blühenden Dorfes überdecken.
Das Wiedersehen der inzwischen auch schon
alt und grau gewordenen Kinder von damals mit und in der immer
noch - und trotz allem -vertrauten Heimat schuf eine ganz besondere
Atmosphäre: Freude, Glück und Wehmut zugleich.
Die Feierlichkeiten wurden gekrönt
durch die Einweihung der "Mit Herz", wie es in einer
Rede hieß, aber auch mit viel Geld restaurierten Orgel,
für die die Heimatgemeinde, also die alten Wüstewaltersdorfer,
kräftig gespendet hatten. (Mehrere Anträge auf Beihilfe
oder einen kleinen Zuschuss seitens der Regierung wurden abgelehnt
oder einfach gar nicht erst beantwortet.)
Zwei namhafte Organisten aus Breslau und
Warschau brachten das schöne, wertvolle Instrument bei
einem Orgelkonzert gekonnt zum klingen.
Zum Auftakt wurden, wie früher bei
besonders festlichen Anlässen, die alten Choräle vom
Kirchturm geblasen und danach läuteten (wieder) die Glocken.
Der deutsche evangelische Gottesdienst
mit unserer schlesischen Liturgie und dem gemeinsamen Abendmahl
(Pfarrer Dr. Eberlein) war ein herzbewegendes Erlebnis. Die
Predigt, diesem großen Ereignis optimal angepasst, hielt
Pfarrer Reinhard Hausmann, und der Chor des Freundschaftskreises
Waldenburg hat in alten Trachten das Bild abgerundet.
Dass dieses eindrucksvolle, wunderbare
Erlebnis möglich geworden ist, hat eine lange Vorgeschichte:
Die Wüstewaltersdorfer leben noch
immer in einer Gemeinschaft, verbunden durch den Heimatbrief,
mit dem unser damaliger Pastor Schmidt-Casdorff alle seine Schäfchen
wieder zusammengesucht hatte. Dieser Brief wurde bis heute sorgfältig
weitergeführt und liegt jetzt in den Händen von Irene
Güttler, die auch die Initiatorin und die Organisatorin
dieses einmaligen Heimatfestes ist. Mit einigen Helfern, besonderen
Glücksumständen und einem aufgeschlossenen polnischen
Ortspfarrer ist das möglich geworden. Im Dorf gibt es einen
Heimatverein, der eine ständige Ausstellung "So wie
es früher war" zeigt. Das Interesse ist groß.
So wird auch unsere alte Chronik ins polnische übersetzt.
Es gab auch noch einen ökumenischen
Gottesdienst, wozu eigens ein polnischer Bischof aus Liegnitz
angereist war. Er fand, so wurde übersetzt, gute Worte
der Versöhnung und sprach das Unrecht der Vertreibung klar
an.
Das Fernsehen und die Presse waren da
und das ganze Dorf freute sich mit uns über das Platzkonzert
der Bergmannskapelle aus Schlegel - und die Sonne strahlte vom
schlesischen Himmel!
Eindrücke - so intensiv und bewegend,
die unvergesslich bleiben.
Liselotte Weske (SN)