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01. September 2001
Koschyk: Vertriebene werden
bei Rot-Grün gesellschaftlich an den Rand gedrückt
Schadensbilans in der Vertriebenenpolitik
Die Bundesregierung weigert
sich nach wie vor hartnäckig, eine Initiative zur Entschädigung
deutscher Zwangsarbeiter zu ergreifen, kritisierte Hartmut Koschyk
kürzlich in Berlin. Die mehr als eine Million nach dem
Zweiten Weltkrieg deportierten Deutschen dürften nicht
"als Opfer zweiter Klasse" behandelt werden, sagte
der vertriebenenpolitische Sprecher der CDU/CSU?Fraktion. Die
Bundesregierung müsse sich entweder bei den verantwortlichen
Staaten für eine Entschädigung einsetzen oder das
Problem selbst lösen.
Die Abgeordneten der CDU/CSU Bundestagsfraktion
hatten dies anlässlich der Verabschiedung des Gesetzes
zur Errichtung der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung
und Zukunft" in einer Erklärung zur Abstimmung am
6. Juli 2000 gefordert. Koschyk betonte es gehe ausdrücklich
nicht um Kriegsgefangene, sondern nur um Zivilangehörige,
die unschuldig verschleppt worden seien. Der CDU/CSU gehe es
einerseits um einen symbolischen "Akt der Rehabilitierung",
aber auch um materielle Entschädigung. Koschyk überlegt,
eine Lösung des Problems durch eine parlamentarische Initiative
herbeizuführen.
Weiterhin unterstützte Koschyk Oberlegungen
in der Tschechischen Republik, die Benes?Dekrete außer
Kraft zu setzen. Diese seien in Tschechien immer noch "unmittelbar
geltendes Recht", aber im Zuge der EU?Osterweiterung mit
dem Rechtsstandard der Europäischen Union nicht vereinbar.
Es habe dort eine juristische Diskussion um die Dekrete begonnen;
denkbar sei eine Aufhebung mit dem Tag des Beitritts in die
Europäische Union, so die juristische Fachzeitschrift "Pravni
radce".
Er bedauerte, dass die Bundesregierung
nicht mit der tschechischen Regierung über die Aufhebung
der Dekrete sprechen wolle, obwohl das Europäische Parlament
bereits zweimal in Entschließungen auf die Unrechtsdekrete
hingewiesen habe
Insgesamt komme die Bundesregierung ihrer
staatlichen Förderungspflicht für Vertriebene und
Aussiedler immer weniger nach, stellte Koschyk fest.
Dies zeige sich auch an der Kürzung
der Haushaltsmittel für die Vertriebenenpolitik. So habe
die rot?grüne Bundesregierung die Förderung der Pflege
des Geschichts? und Kulturerbes der Vertriebenen seit 1998 von
46 auf 33 Millionen Mark gesenkt. Die Mittel für die Aufnahme
und Eingliederung von Aussiedlern seien von 2 auf 1,4 Milliarden
Mark gekürzt worden, die Hilfen für deutsche Minderheiten
in osteuropäischen Staaten von 140 Millionen Mark in 1998
auf 58 Millionen für das Jahr 2002.
"Heute müssen die Vertriebenen
und Aussiedler feststellen, dass sie mit ihren Anliegen von
der derzeitigen Bundesregierung an den gesellschaftlichen Rand
gedrängt worden sind", fasste Koschyk zusammen.
SN