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02 Am 1. September 2001 fand im Berliner Konzerthaus am Gendarmenmarkt ein Festakt anlässlich des Tages der Heimat 2001 statt. BdV-Präsidentin Steinbach war es gelungen, mit dem SPD-Politiker Professor Dr. Peter Glotz und dem bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Edmund Stoiber zwei prominente Fürsprecher für die Interessen der Heimatvertriebenen als Redner zu gewinnen. In ihrer Begrüßungsrede ging Erika Steinbach auf das Schicksal und den Gemütszustand vieler Heimatvertriebener ein, die sich angesichts der Fernsehbilder aus den Regionen des Balkans, immer wieder an das eigene Schicksal erinnert fühlen. Zur politischen Bedeutung des Tages der Heimat führte die Präsidentin aus: "Der alljährliche Tag der Heimat ist zum einen Erinnerung an die Heimat. Dieser Tag ist zugleich aber Mahnung an die Völker, Vertreibung zu ächten! Dieser Tag ist Appell an die Politik, Menschenrechte mit dem Recht auf die Heimat einzufordern und umzusetzen. Dieser Tag ist Appell an unsere Nachbarvölker, unter die Vergangenheit keinen Schlussstrich zu ziehen, sondern sich ihrer Verantwortung für die Heilung des Vertreibungsunrechtes zu stellen. Dieser Tag ist aber auch eindringlicher Appell an andere Vertriebene und Vertreiber, den Teufelskreis von Gewalt und immerwährender Gegengewalt aufzubrechen. Aktuell heute insbesondere auf dem Balkan und im Nahen Osten." Angesichts der von Seiten verschiedener Tageszeitungen und Fernsehmagazinen geäußerten Kritik an dem angeblich zunehmenden Einfluss rechtsradikaler Kräfte im Bereich des Bundes der Vertriebenen äußerte Erika Steinbach: "Die deutschen Opfer von Vertreibung, von Zwangsarbeit und Deportation, von denen 2,5 Millionen Frauen, Kinder und Männer dieses Schicksal nicht überlebten, haben sich sehr früh, in Selbstüberwindung für den Weg der Gewaltlosigkeit entschieden. Aus diesem Grund haben extremistische politische Kräfte niemals einen Resonanzboden und Einfluss im Bund der Vertriebenen gefunden." Ferner sprach sich die BdV-Präsidentin dafür aus, in Erinnerung an den 5. August 1950, den Tag an dem die Charta der Heimatvertrieben beschlossen wurde, alljährlich einen nationalen Gedenktag zu begehen, der an das Schicksal der deutschen Heimatvertrieben erinnern und weiterem Vertreibungsunrecht vorbeugen soll. In diesem Zusammenhang forderte Steinbach die Bundesregierung erneut auf, die bisher ablehnende Haltung zur finanziellen Unterstützung der Stiftung "Zentrum gegen Vertreibungen" aufzugeben und auch die Kürzungen im Bereich der gesamten Vertriebenenkulturarbeit zu korrigieren. Im Hinblick auf die EU-Osterweiterung erklärte Erika Steinbach, dass solche die Vertreibung rechtfertigenden Dekrete wie die tschechischen Benesch-Dekrete mit der Werteordnung der EU kollidieren und deshalb vor einem Beitritt dieser Staaten abgeschafft werden müssten. Mit den Worten: " Was braucht der Mensch zum Glücklichsein- Vor wenigen Jahren wurden Menschen in Deutschland danach gefragt. Fast 90 Prozent antworteten: Heimat! Die Menschen spüren, dass Heimat nicht nur Geborgenheit und Halt gibt, sondern eine Quelle der Kraft und des Selbstvertrauens ist. Darum ist Heimat ein Menschenrecht! Darum rufen wir auf, Vertreibung zu ächten!", beschloss die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen ihre Begrüßungsrede. Ingo Hallmann (SN) Rede von Prof. Dr. Peter Glotz zum Thema: "Wo ist das Recht der Vertriebenen?" Anlässlich des Festaktes zum Tag der Heimat 2001 hielt der inzwischen zum Rektor der Universität St. Gallen berufene SPD-Politiker Prof. Dr. Peter Glotz eine Rede zum Thema: "Wo ist das Recht der Vertriebenen?" Peter Glotz wählte als Einstieg in die Frage nach dem "Recht der Vertriebenen" zwei Zitate von Bundesaußenminister Joschka Fischer und Bundeskanzler Gerhard Schröder aus, die Vertreibung als eine jetzt wiederkehrende Pest der Vergangenheit und als nicht zu rechtfertigendes Unrecht bezeichneten. In diesem Zusammenhang erinnerte Glotz daran, dass im Kosovo nicht nur Albaner sondern auch Serben Opfer von Vertreibungen geworden sind und auch in diesem Fall vorher begangenes Unrecht niemals nachfolgendes Unrecht rechtfertigen dürfe. Der SPD-Politiker sprach sich dafür aus, Argumentationen die Vertreibung als "Kausalität von Aktion und Gegenreaktion" bewerten und rechtfertigen entschieden zu widersprechen: "Wo immer die Aggression zwischen Deutschen und Tschechen begonnen haben mag, wann immer aus nationalem Bewußtsein Nationalismus geworden sein mag - es muss Schluss sein mit der Denkfigur: Die anderen haben angefangen." Im Hinblick auf die noch immer bestehenden Benesch-Dekrete führte Peter Glotz aus: "Wenn ich aber zur Kenntnis nehmen muss, dass auch noch ein halbes Jahrhundert nach der Vertreibung der Sudetendeutschen unsere "Aussiedlung" nicht nur als legal, sondern auch als legitim bezeichnet wird, und zwar nicht nur von irgendwelchen tschechischen Rechtsradikalen, sondern in Urteilen des tschechischen Verfassungsgerichtes und in Äußerungen von Abgeordneten, dann fühle ich mich herausgefordert, zu sagen: Aussig war nichts anderes als Sebrenica. Edvard Benes hat die Vertreibung der Deutschen langfristig geplant und spätestens 1943, nämlich mit Stalin, international verhandelt. Er kann nicht mehr vor einen internationalen Gerichtshof zitiert werden. Wer die Politik, die er betrieben hat, aber noch heute rechtfertigt, liefert den Völkermördern von heute Argumente." Der SPD-Politiker bekannte sich im Verlauf seiner Rede deutlich zur Ostpolitik Willy Brandts und zur Haltung der deutschen Bundesregierung, die Vertreibung der Deutschen als innertschechisches Problem zu behandeln, sprach sich aber deutlich dafür aus, dem Ansinnen des "Vergessen-Woliens" tschechischer Nationalisten auch weiterhin entschieden entgegnen zu wollen. Peter Glotz beschloss seine Rede mit einem deutlichen
Plädoyer für den Aufbau des Zentrums gegen Vertreibung,
dass vielleicht dabei helfen könnte, zukünftigem Vertreibungsunrecht
entschiedener vorzubeugen.
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