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Privatsache
von Alfred Theisen

SPD-Generalsekretär Franz Müntefering hat angesichts der bevorstehenden Wahlkämpfe in Deutschland gefordert, das Privatleben der Kandidaten aus der politischen Diskussion herauszuhalten. Die gegenteilige Auffassung vertrat zum Beispiel vor einigen Jahren der amerikanische Milliardär Ross Perot, der dem Republikaner George Bush (senior) so viele Stimmen abjagte, daß die Demokraten mit Bill Clinton die Wahlen gewannen. Ross Perot antwortete auf die Frage, ob ein Ehebrecher in seinem Kabinett Minister werden könnte: "Wie kann ich mein Land einem Manne anvertrauen, dem nicht einmal seine eigene Frau vertrauen kann".

Ein solcher moralischer Zeigefinger wird von vielen heute als unmodern, spießig, konservativ, ewiggestrig abgetan. Doch viele Beispiele in der Menschheitsgeschichte, zum Beispiel auch der Untergang der griechischen und der römischen Hochkultur zeigen, daß der Abschaffung der Moral bald der Niedergang des ganzen Landes folgte. Wer mit wachen Augen den Niedergang der Deutschen in den letzten Jahrzehnten verfolgt, die heute von der Geburtenrate bis hin zu den Wirtschaftsdaten das Schlußlicht unter den EU-Mitgliedstaaten darstellen, wird eine der wesentlichen Ursachen für diesen Abstieg darin erkennen können, daß sich die maßgeblichen Politiker weitgehend von christlichen Wertvorstellungen verabschiedet haben. Der christliche und der patriotische Ethos, der führende deutsche Persönlichkeiten des Widerstandes gegen Hitler wie James Graf von Moltke, Carl Goerdeler oder Stauffenberg auszeichnete und der noch im parteiübergreifenden Konsens Eingang in die Formulierung des deutschen Grundgesetzes gefunden hat, droht in der heutigen deutschen Politik - auch in den Unionsparteien - verloren zugehen. Reformvorhaben dergegenwärtigen deutschen Bundesregierung sind zum Beispiel die Legalisierung der Prostitution, die "Ehe" der Homosexuellen und die Steigerung der Zuwanderung. In der Familienpolitik aber wird eine Kindergelderhöhung von 30,-DM lediglich für das erste und zweite Kind, die nicht einmal jüngste Steuererhöhungen und die Inflation der letzten Monate ausgleicht, scheinheilig mit massivem Propagandaaufwand als sozialpolitische Errungenschaft gefeiert. Dabei wird in der politischen Diskussion hierzulande tabuisiert, daß in dieser deutschen Industrienation offiziell 168 Kinderpro 1000 Lebendgeburten abgetrieben werden. Die öffentliche Gleichgültigkeit gegenüber dem inzwischen millionenfachen Mord an ungeborenen Kindern dokumentiert einmal mehr, wie weit sich Politiker und Bevölkerung dieses Landes von den christlichen Wurzeln entfernt haben.

Auch in der Frage der Gentechnologie spielt die religiöse Dimension keine Rolle. Ein in der Wochenzeitung `Die Zeit" offen ausgetragener Disput zwischen Bundeskanzler Schröder und seinem früheren Kulturminister legt offen, daß Naumann eben deswegen sein Amt in dieser Bundesregierung aufgegeben hat. Naumann hält Schröder vor, in der Diskussion um die Gentechnologie religiöse Argumente bewußt abzulehnen. Welches Menschenbild haben jene Mediziner, die heute glauben, an Gottes Stelle menschliches Leben hervorrufen zu können und welches Menschenbild haben jene Politiker, die über die `Legalität" des Vorgehens dieser Scharlatane entscheiden- Wieviel unsägliches Leid, wieviel Unrecht droht hier zu entstehen, weil im Zeichen vermeintlichen medizinischen Fortschritts an dem Wunder der Menschwerdung herumgepfuscht wird- Wer im heutigen Deutschland dabei auf die Gottesebenbildlichkeit und die irdisches Dasein überdauernde Seele des Menschen verweist, droht von heutigen deutschen Meinungsführerngenauso verächtlich belächelt zu werden, wie es die Repräsentanten der maroden nationalsozialistischen und kommunistischen Diktaturen getan haben. In derFrage der Gentechnologie offenbaren viele deutsche Spitzenpolitiker, die ansonsten ständig vor bedrohlichem Rechtsextremismus in Deutschland warnen, daß sie, was Fragen der einzigartigen Würde des Menschen angeht, aus zurückliegender nationalsozialistischer und kommunistischer Verblendung und Barbarei nichts dazugelemt haben.