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06 Sehr geehrter
Herr Prof. Lesiuk ! Mit großer Verwunderung und Überraschung las ich unter Überschrift „Es
war kein Bürgerkrieg" in der „Nowa Trybuna Opolska"
vom 17. Mai 2001 Ihr Interview zum Thema des Dritten Aufstandes
in Schlesien, wo Sie behauptet haben: „Wenn man die Ergebbisse des Plebiszits
nicht manipuliert hätte,
wäre es nicht zum Dritten Schlesischen
Aufstand gekommen." Diese Aussage kam aus dem Munde des: ‑ Direktors des Schlesischen Institutes in Oppeln, dessen Schuldigkeit
es ist, sich mit der Geschichte zu befassen und den Stand der
Wissenschaft zum Thema Schlesien zu verbreiten, ‑ Geschichtsprofessors der Universität Oppeln, der verpflichtet
ist, den Studenten die geschichtliche Wahrheit zu überliefern, ‑ Mitglieds einer polnisch‑deutschen Kommission für die
Bearbeitung der Geschichte Schlesiens. Die Leser wurden zum wiederholten
Male betrogen, denn das, was Sie gesagt haben, ist eine gewöhnliche
geschichtliche Unwahrheit. Ich erläutere, weshalb: Nach langen diplomatischen Bemühungen (nach dem Ende des 1. Weltkriegs),
die länger als sechs Monate andauerten, kam es zu Gesprächen,
um eine Lösung zu finden, weil beide Seiten ‑ Polen und
Deutschland Rechte auf Schlesien beanspruchten. Man bestimmte,
ein Plebiszit durchzuführen, und die Teilnehmer sollten mit Hilfe
von Plebiszitkarten beantworten, zu welchem der beiden Länder
Schlesien nun gehören sollte. Man frage nicht, wei Ntlzht'£ Nationalität ist. Die Vertreter der polnischen Regierung haben an den Gesprächen in Paris
teilgenommen und bei deren Abschluß die entsprechenden Plebiszitdokumente
unterzeichnet. Die Zeit der Plebiszitkampagne war für Oberschlesien eine Zeit des großen
Leidens. Damals haben über 3.000 Personen auf beiden Seiten auf
gewaltsame Art Abschied von ihrem Leben nehmen müssen. Während
der Zeit von 13 Monaten beweinte man täglich sieben bis acht Personen.
Die Zahl der Verletzten und Verkrüppelten war viel größer. Es
ist verständlich, daß die Oberschlesier mit Sehnsucht auf den
Tag der Wahl gewartet haben, denn von diesem erhofften sie das
Ende des Terrors. Man muß klar und deutlich sagen ‑ die internationale Gemeinschaft,
die durch die drei Länder Frankreich, England und Italien repräsentiert
wurde, kontrollierte die Vorbereitungen und die Durchführung des
Plebiszits. Das Plebiszit wurde am 20. März 1921 durchgeführt. Ich weiß nicht, durch welche Voraussetzungen Sie sich bei Ihrer Überlieferung
der historischen Unwahrheit leiten ließen. Ich erlaube mir, Ihnen
auf eventuelle Erklärungen und Hinweise auf die Stimmenabgabe
der Schlesier zuvorzukommen, welche aus verschiedenen Gründen
während des Plebiszits nicht auf dem Gebiet von Schlesien wohnten,
aber an diesem teilnehmen konnten. Diesen Punkt heben immer wieder die Polen hervor, die die Pariser Bestimmungen
nicht kennen und behaupten, daß auf diese Art zu ungunsten Polens
gehandelt wurde. Man wiederholt Behauptungen, daß die Volksabstimmung
im Zusammenhang mit der Ankunft von Emigranten an den Urnen verloren
wurde. Hier sieht man die langjährige lügenhafte Propaganda von
Professoren der .; Volksrepublik Polen und des Schlesischen Instituts
in Oppeln. Dieses Problem kann ich in einem Satz erklären: Die polnische Delegation auf
der Konferenz in Paris unter dem Vorsitz von Romer stellte den
Antrag für die Zulassung der Emigranten an der Abstimmung, d.h.
Schlesier die außerhalb Schlesiens wohnten. Man rechnete mit einen lebhafteren Widerhall polnischer Schlesier. Weil
aber nur 10.120 Emigranten für Polen stimmten und 182.228 für
Deutschland, mußte man die unbequeme Wahrheit verstecken und der
Gesellschaft einreden, daß die Deutschen mit verschiedenen Tricks
zur Stimmenabgabe der Schlesier, die nicht auf dem Gebiet Schlesiens
wohnten, geführt haben. Bei dieser Gelegenheit erinnere ich daran,
daß auch aus Warschau ein Zug nach Hindenburg mit Wahlteilnehmern
gekommen ist. Die ärztliche Betreuung während der Fahrt übte Frau
Wanda Baraniecka‑Szaynok aus, geboren in Rudenka bei Kijow
in der Ukraine. Polen verletzte die zuerst in Paris unterschriebenen Verträge, da bereits
im Januar 1921 (zwei Monate
vor dem Piebiszit) ein Stab designierter Militärs aus Warschau
den schlesischen Aufstand vorbereitete. Obwohl vor der Unterzeichnung der Dokumente in Paris die polnische Seite
eigene Verbesserungsvorschläge in diese einbringen konnte, die
auch angenommen` wurden, erwies es sich, daß sie diese Dokumente
verletzte. Man hat den Aufstand ausgerufen und als Befehlshaber einen Nicht‑Schlesier,
den in Großpolen wohnenden Maciej Mielzynski, eingesetzt. Außer
ihm nahmen teil und befahlen verschiedene aufständische Gruppen
viele Militärs im Rang eines Hauptmanns, Generals und Majors des polnischen
Militärs aus Großpolen, Kleinpolen, Lemberg und Warschau. Wenn das Plebiszit zu Gunsten Polens ausgefallen wäre, hätte man den
Aufstand natürlich nicht ausgerufen. Weshalb denn auch? Da aber
das Ergebnis ungünstig für Polen war ‑59,6% für Deutschland,
und 40,4%o für Polen, was in den entsprechenden amtlichen Bekanntmachungen
nach Beendigung des Aufstandes und im polnischem Lexikon
des Aufstandes, herausgegeben durch das Schlesische Institut
in Oppeln, nachgelesen werden kann ‑ entschied man sich,
das Ergebnis zu ignorieren und mit Waffengewalt zu korrigieren. Ausführlicher zum Thema Plebiszit schreibe ich in meinem Buch „Legenden,
Manipulationen, Lügen...", welches in der Bibliothek
Ihres Instituts vorhanden ist. Ich stelle mich auch zur Disposition
mit weiteren Erklärungen. Ich überlege, ob man wirklich weiter die polnische Gesellschaft belügen
muß. Die überwiegende Mehrheit der Schlesier kennt die Geschichte
und betrachtet Ihre Erklärung als Verhöhnung der Wahrheit. Polnische
Bürger, die nach Schlesien nach 1945 zugezogen sind, kennen die
Geschichte des Landes nicht, da sie die ganze Zeit belogen wurden,
unter anderem durch mehrere Oppelner Professoren. Man sollte die
Zugewanderten bemitleiden, weil sie betrogen wurden. Solch ein Betrug eigener Bürger führt dazu, daß die meisten Menschen
daran glauben und teilnehmend an verschiedenen Veranstaltungen
auf dem Annaberg zum Gedenken der Jahrestage des Aufstandes (wie
am 3. Mai 2001) randalieren und Polen in einem sehr schlechten
Licht auf dem europäischen Forum zeigen. Ich werde mich freuen, wenn Sie, sehr geehrter Herr Professor Lesiuk,
in der Presse lhre mit
der Wissenschaft nicht übereinstimmende Behauptung zurückziehen.
Die Gesellschaft würde dann von einem Direktor des Schlesischen Institutes die Wahrheit erfahren. Hochachtungsvoll
Ewald Stefan Pollok 11. Juli 2001 Anmerkung der
Redaktion: Das
Originalschreiben ist in polnischer Sprache verfaßt
und kann im Internet
unter: http://www.slonsk.de/Slonsk/Aepo/ListOtwartz010711.htm nachgelesen werden. (UO) |