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Späte Genugtuung Am
06. Mai wird für die Nachkriegsopfer im ehemaligen Lager
Lamsdorf ein Friedhof mit Gedenkstein eingeweiht Lamsdorf war bereits zu deutscher Zeit ein Kriegsgefangenenlager. Vor diesem Hintergrund konnten bis zur politischen Wende einseitig die Verbrechen von Lamsdorf bis 1945 thematisiert werden. Eine Geschichte des von den Polen noch vor den Potsdamer Beschlüssen geführten und bis zum Oktober 1946. genutzten Lagers durfte es hingegen nicht geben. Die meisten Insassen waren damals Deutsche des Kreises Falkenberg, die zur Aussiedlung anstanden. Typhus und Gewalt- 1 einwirkung insbesondere seitens des berüchtigten Lagerkommandanten Czeslaw Geborski rafften die Menschen dahin. Prozesse gegen Geborski wurden, vor der Öffentlichkeit verheimlicht, bereits in den späten 50er und den 70er Jahren geführt, zu einer Verurteilung konnte man sich damals jedoch nicht durchringen. Seit Anfang diesen Jahres steht Geborski erneut vor Gericht (vgl.U0, Nr. 2/2001, S. 3). Neben der juristischen Aufarbeitung wurde nach 1990 natürlich auch die Frage eines würdigen Gedenkens der Opfer dieser Zeit zum Thema. Bereits 1992 wurde in Lamsdorf provisorisch ein Hölzkreuz für die Nachkriegsopfer des Lagers aufgestellt, auf das jedoch bald ein Brandanschlag verübt wurde. Dabei hatte der Text "Deutschen und Polen - Opfern des Lagers Lamsdorf in den Jahren 19451946" auch die Schlesier berücksichtigt, die trotz polnischer Option von der Gewaltpolitik nicht verschont worden waren. Am 30. September 1995 kam es zur feierlichen Enthüllung eines Steinkreuzes mit gleichem Text. Mitinitiator, Staatssekretär a.D. Kurt Härzschel, Vorsitzender des Verbandes ehemaliger Insassen des Lagers in, der Bundesrepublik, erklärte damals: "Es ging uns dabei nicht um eine Demonstration oder Anklage, sondern um ein Stück Humanität gegenüber den Toten, Familienangehörigen, Nachbarn und Freunden (...) Wir dürfen uns das Handeln nicht von denen diktieren lassen, die zurückblicken und Haß säen". Manche Opfer bleiben ungenannt Trotz des Gedenksteines blieben die Toten nach außen noch anonym, zumal auch ein Friedhof fehlte. Ein Hindernis war die Ermittlung einer gesicherten Opferliste. Heinz Esser hatte einst eine Liste mit 1402 Umgekommenen veröffentlicht. Dr. Edmund Nowak stieß 1992 im Falkenberger Standesamt auf Lagerdokumente, nach denen er bis 1998 über 700 Opfer zweifelsfrei identifizieren konnte. Zunächst wurde wegen der 70%igen Übereinstimmung beider Listen erwogen, einen Gedenkstein nur mit den Namen der Opfer aufzustellen, die in beiden Listen verzeichnet sind. Diesem sollte eine Tafel beigefügt werden, die späteren Erkenntnissen folgend, weitere Namen hätte aufnehmen können. Dr. Edmund Nowak vom in Oppeln ansässigen "Museum der Kriegsgefangenen des Lagers Lamsdorf " meinte dazu: "Es ist besser, man ist vorsichtig und setzt erst mal weniger Namen auf die Tafel, um diese anhand von Dokumenten zu vervollständigen als umgekehrt". Ein ständiges Nachtragen hätte jedoch erhebliche Kostenverursacht. Letztlich einigte man sich darauf, auf dem neuen Gedenkstein 1.168 Tote zu verzeichnen (siehe Seite 6). Diese Liste ergibt sich nunmehr aus den 726 von Dr. Nowak ermittelten Namen und 507 Namen, die durch das Lastenausgleichsarchiv in Bayreuth genannt werden konnten. Ein Vergleich beider Quellen ergab die Doppelnennung von 65 Personen, woraus nunmehr der Umfang von 1.168 Namen resultiert. Immerhin sind damit nun die meisten Opfer offiziell als solche anerkannt. In vielen Fällen mußte aber leider eine falsche Schreibweise von Opfernamen in Kauf genommen werden, hatten sich doch die polnischen Lagerverwalter kaum um richtiges Deutsch bemühen müssen. Hier hätte man sich dennoch mehr Mut wünschen können, ist es doch offensichtlich, daß mancher nunmehr als "Franc" Verzeichneter tatsächlich Franz hieß. Gäste herzlich willkommen Die Entdeckung von Massengräbern deutscher Zivilbevölkerung hat aber insbesondere den Wunsch nach einem richtigen Friedhof geweckt. Nachdem im April 2000 Exhumierungen erfolgten, wurde das Gelände nunmehr eingeebnet und Sträucher angepflanzt. Der Gedenkstein ist daher gleichzeitig Grabstein. Joachim Niemann, der als Geschäftsführer des Verbandes deutscher Gesellschaften (VdG), dem landesweiten Zusammenschluß der deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaften in Polen, seit langem die Bemühungen um das würdige Gedenken federführend vorangebracht hat, sieht der Friedhofs- und Gedenksteineinweihung am 6. Mai zufrieden entgegen: "Man kann das mit Jedwabne vergleichen, wo 1600 Juden umgebracht wurden. Das sind die zwei größten Sachen, die in Polen stattfinden werden. Am 10. Juli wird in Jedwabne der Toten gedacht und am 6. Mai in Lamsdorf`. Im Oktober .1996 hatten Niemann und der damalige VdG-Präsident Gerhard Bartodziej bereits den Wunsch nach einem Friedhof an den Woiwoden und den Marschall herangetragen, ein Anliegen das nun von Erfolg gekrönt wird. Die Kosten von 150.000 Zloty werden je zur Hälfe seitens des VdG und des Marschallamtes getragen. Vor wenigen Tagen konnte man sich sogar darauf verständigen, den Friedhof uneingeschränkt so zu deklarieren, war doch zunächst der Name "Symbolischer Friedhof` gewählt worden. Niemann, der sich insbesondere hierüber sehr freut, hofft nun auch angesichts der zugesicherten Teilnahme seitens des polnischen Premiers Jerzy Buzek, daß die Oberschlesier sich der Bedeutung Lamsdorfs für ihre Region bewußt zeigen: "Ich wünsche mir, daß am 6. Mai zahlreiche Menschen durch ihre Anwesenheit den genannten und ungenannten Opfern ihre letzte Ehre erweisen werden". lill Scholtz-Knobloch |