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13. November 2001
Oberschlesien aktuell

Das Stadtmuseum Hindenburg (Reitzensteinplatz 9, tel. 271-56-89) zeigt bis zum 28. .Februar 2002 die Ausstellung "Mikultschütz - Ein Blick in die Vergangenheit". Zu sehen sind alte Fotos, Dokumente und Gegenstände des alltäglichen Lebens.

Bereits seit mehr als zehn Jahren unterstützt die Hilfsorganisation AGMO viele DFKOrtsvereine in ganz Polen bei deren Weihnachtsfeiern. Die AGMOWeihnachtsaktion wird auch in diesem Jahr wieder stattfinden, um den deutschen Kindern Sympathie aus der Bundesrepublik entgegenzubringen und um die Erfolge im Deutschunterricht, Kinderchor oder in der Tanzgruppe und die Aktivitäten im Bereich des DFK zu belohnen. Im letzten Jahr konnte die AGMO insgesamt 3.150 Kinder im Rahmen von Nikolaus- und Weihnachtsfeiern mit kleinen Geschenktüten bescheren. Allerdings muß die Logistik mit Einkauf und Versand nach den schlechten Erfahrungen mit den polnischen Zollbehörden (die Geschenke mußten erstmals verzollt werden!) im Vorjahr eine veränderte Form aufweisen. Aus eigenen Mitteln können die wenigsten DFKOrtsvereine und auch nicht die Eltern der Kinder die Weihnachtsfeiern vollständig bestreiten. Deshalb ist die AGMO-Förderung nach wie vor von großer Notwendigkeit. Helfen auch Sie: AGMO-Konto, Dresdner Bank, Kto. 22 666 1100. BLZ 370 800 40.

Mit Verärgerung und Wut registrierte Ende Oktober die oberschlesische Öffentlichkeit die Verkündung der Freisprüche im WuJekProzeß. Haftstrafen zwischen acht und 15 Jahren hatte die Staatsanwaltschaft Kattowitz für 22 ehemalige Milizionäre der "Zomo" gefordert, die nach der Ausrufung des Kriegsrechts am 13. Dezember 1981 in den Zechen "Wujek" und "Manifest Lipcowy" in Kattowitz und Bad Jastrzemb zwei Bergarbeiterstreiks blutig niedergeschlagen hatten. Im Kugelhagel starben damals neun Kumpel, 25 wurden verletzt. Auch im Berufungsverfahren sahen die Richter in Kattowitz die Schuld der Angeklagten nicht eindeutig erwiesen: Sie konstatierten einen "Mangel an eindeutigen Beweisen" dafür, daß die Angeklagten die Todesschüsse abgefeuert hatten. Seit fast zwei Jahrzehnten beschäftigen die Todesschüsse von Kattowitz und Bad Jastrzemb die Justiz. Wenige Tage nach Verhängung des Kriegsrechts durch General Jaruzelski waren im Revier tausende Bergarbeiter auf die Straßen gegangen, um für die Freilassung eines inhaftierten Arbeiterführers zu demonstrieren. Die Ermittler des Militärgerichts, die 1982 erstmals die Vorgänge untersuchten, nannten sie "Notwehr" und stellten ihre Ermittlungen ein. Nach der Wende wurde der frühere Innenminister Czeslaw Kiszczak angeklagt. Zunächst freigesprochen, wurde sein Prozeß 1992 neu eröffnet: Ein Urteil steht aber noch immer aus. Der erste Prozeß gegen die Milizionäre und ihre Kommandanten, die an der Niederschlagung der Unruhen beteiligt waren, endete 1997 mit Freisprüchen. Zwei Jahre später wurde der Wujek-Prozeß wegen Verfahrensfehlern erneut eröffnet. Im Zeugenstand erklärten sowohl Kiszczak als auch Jaruzelski, sie hätten keinen Schießbefehl angeordnet. Die Milizionäre hätten "spontan" von der Waffe Gebrauch gemacht, weil sie von Arbeitern bedroht worden seien.

In Münster ist die Kardinal-BertramStiftung gegründet worden. Sie hat zum Ziel, das kulturelle und religiöse Erbe des katholischen Schlesiens zu wahren und fortzuentwickeln. Des weiteren stehen die Pflege und Förderung der Kontakte zu Polen sowie die Ausbildung von Nachkommen vertriebener Nieder- und Oberschlesier in geistlichen Berufen im Mittelpunkt der Stiftungsarbeit. Die Stiftung ist mit einem Anfangsvermögen von einer Million Mark ausgestattet.

Der "Sweet-Art-Künstler" Georg Maushagen, 1950 in Gleiwitz geboren, präsentiert in Langenfeld ein Zucker-Bankett, das seit 1994 erfolgreich auf Tournee geht. Auf einer festlichen Tafel auf insgesamt 20 Quadratmetern(!) finden sich Früchte und Torten, kleine, pittoresk "geschnittene" Bäume bilden den Hintergrund, Teller und Bestecke liegen bereit. Georg Maushagen orientierte sich bei der Gestaltung des "Zucker-Banketts" an den zeitgenössischen Aufzeichnungen des Hofschreibers Graminäus, der das prunkvolle einwöchi Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg und der Markgräfin Jacoba von Baden auf dem Schloß zu Düsseldorf anno 1585 für die Nachwelt festhielt. Mehr als 1.200 Arbeitsstunden und rund 1,5 Tonnen Spezialzucker investierte der Gleiwitzer, um dieses üppige Prunkwerk zu schaffen. Das Kunstwerk und die zugehörige Ausstellung zu den geschichtlichen Ereignissen um die "Jülicher Hochzeit" sind bis zum 13. Januar 2002, jeweils dienstags bis sonntag von 10 bis 17 Uhr, in der Hauptstraße 83 in Langenfeld zu sehen.

Laut einer Umfrage haben 90 Prozent der Schwientochlowitzer Schüler Interesse bekundet, Näheres über das Lager "Eintrachtshütte/Zgoda" erfahren zu wollen, das zunächst in der NS-Zeit ein SS-Außenlager von Auschwitz war und in den ersten beiden Nachkriegsjahren als Internierungslager für Oberschlesier diente. Zudem gab der Stadtpräsident von Schwientochlowitz bekannt, daß sich die Revierstadt darum bemühen wolle, auf dem früheren Lagergelände eine würdige Gedenkstätte zu errichten.

Die Landkreise Saalfeld-Rudolstadt (Thüringen) und Oppeln werden künftig zusammenarbeiten. Einen entsprechenden Partnerschaftsvertrag unterzeichneten Ende Oktober die Landräte Marion Philipp (SPD) und Heinrich Lakwa (Deutsche Liste) in Bad Blankenburg. Die Kooperation soll sich besonders auf den Jugendaustausch und den Aufbau einer modernen Verwaltung im Landkreis Oppeln erstrecken. Erste Kontakte zu Oppeln knüpften die Mitteldeutschen nach dem Hochwasser 1997, als Kinder aus dem Katastrophengebiet sich im Kinder- und Jugenddorf Dittrichshütte im Kreis Saalfeld-Rudolstadt erholen konnten. Zwei Jahre später gab es erste Kontakte zwischen beiden Landratsämtern


Im Aisthesis Verlag (Oberntorwall 21, 33602 Bielefeld) sind aus der Tagungsreihe der Stiftung Haus Oberschlesien die Bände 8 "Oberschlesische Dichter und Gelehrte vom Humanismus bis zum Barock" (3-89528-2901) - und 9 - "Die oberschlesische Literaturlandschaft im 17. Jahrhundert" (3-89528-335-5) erschienen. Beide Publikationen werden von Gerhard Kosellek herausgegeben.
Es sei wichtig zu zeigen, daß aus dem heutigen Oberschlesien auch kulturelle Impulse kommen können und daß die hiesigen Deutschen durchaus imstande seien, es mit den "Bundesdeutschen" aufzunehmen, so kommentiert die junge Elvira Kopiec vom DFKOrtsverein in Mechnitz ihren ersten Platz beim 3. Fotowettbewerb des Hauses Schlesien in Königswinter-Heisterbacherrott. Als Thema standen in diesem Jahr schlesische Industriedenkmäler im Mittelpunkt aller Linsen (wir berichteten). Aber nicht nur Elvira kann sich über ihren Gewinn freuen, denn auch Matthias Lempart, ebenfalls aus Mechnitz, belegte einen vorzeigbaren dritten Platz. Der ehemalige Leiter der Eichendorff-Bildungsstätte in Lubowitz hatte übrigens den letztjährigen Wettbewerb ("Schlesische Schlösser und Burgen") gewonnen.

52 Millionen Mark investierte ein israelisches Konsortium in den Bau des Handelszentrums "Ruch Plaza" in Ruda, das am 6. November eröffnet wurde. Auf fast 20.000 Quadratmetern präsentieren sich 70 Geschäfte, zwei Restaurants, ein "Fantasy Park", Billardsaal, Kino sowie ein Internet-Cafe. Insgesamt wurden 800 neue Arbeitsplätze geschaffen.

Das Haus der deutsch-polnischen Zusammenarbeit HdpZ (ul. Rybnicka 27, 44-100 Gliwice, Tel. 032-232-49-02) bietet im Rahmen seiner Vortragsreihe "Lokale Geschichte" im November mehrere Veranstaltungen mit kompetenten Referenten an: am 20. November "Die Frühgeschichte des Kreises Groß Strehlitz in neuesten archäologischen Untersuchungen" (Ort: Groß Strehlitz, Partner: Kreis Groß Streh-litz, DFK Groß Strehlitz), am 29. "Gerase und Ablauf der Volksabstimmung in Oberschlesien" (Ort: Kobilla/Wilhelmstal, Partner: Kreis Ratibor, DFK-Kreisverband Ratibor). Noch undatiert: "Kastell Ottmachau-Neisse" (Ort: Ottmachau, Partner: Kreis Neisse, DFK Neisse), "Wit Stwosz - Veit Stoss und das Neisser Land" (Ort: Patschkau, Partner: Kreis Neisse, DFK Neisse) sowie "Konrad Bloch ein Nobelpreisträger aus dem Neisser Gebiet" (Ort: Patschkau, Partner. Kreis Neisse, DFK Neisse). Die genauen Anfangszeiten und Veranstaltungsorte können beim HdpZ erfragt werden.

In Neisse beabsichtigen 16 Personen und Vereine (darunter der DFK-Ortsverein) die Gründung einer Konrad-Bloch-Gesellschaft. Sie wollen den im letzten Herbst verstorbenen "amerikanischen Nobelpreisträger deutscher Abstammung" (Nowa Trybuna Opolska) auf diese Weise in seiner Heimatstadt zu mehr Popularität verhelfen. Auf wenig Gegenliebe bei der Stadtverwaltung scheint dabei die Denkmalinitiative (wir berichteten) der BlochVerehrer zu stoßen, denn die Stadt hat in dieser Angelegenheit seit Januar nicht mehr reagiert. Statt dessen werben die Stadtverantwortlichen in der Bevölkerung intensiv um Spenden für die Errichtung eines großen "Denkmals für die polnischen Patrioten".

In einem Schreiben an den Oberbürgermeister von Amberg, Wolfgang Dandorfer, protestiert der Vorsitzende des Bundes der Ratibor, Herbert Notzon, daß die Stadt innerhalb kürzester Zeit drei neue Städtepartnerschaften in Osteuropa geschlossen habe, nämlich mit dem mittelschlesischen Habelschwerdt, Usti nad Orlic und Trikala. Und was ist mit Ratibor? Das fragt Notzon voller Verwunderung, nach dem er nach eigener Auskunft schon vor rund vier Jahren-vorgeschlagen hatte, auch mit seiner ehemaligen Heimatstadt eine Partnerschaft zu gründen. Zudem habe sich die Stadt an der oberen Oder allein schon deshalb angeboten,weil der Ratiborer Bund in Amberg seit 5ä% Jahren seinen Sitz habe, heißt es. Allerdings' hat Ratibor bereits seit Jahren freundschaftliche Kontakte ins fränkische Roth und nach'Leverkusen, wo die großen Ratiborer Heimattreffen stattfinden.

Das HdpZ zeigt am 29. November den Film "Olympiade 1936" von Leni Riefenstahl.

Am 8. und 9. Dezember wird im Kulturhaus von Walzen das inzwischen Gesangfestival der deutschen Minderheit ausgetragen. Chöre, die am Wettbewerb teilnehmen möchten, mußten sich bis zum 10. No. vember beim Gemeindekulturzentrum Walzen, ul. Opolska 23a, 47-344 Walce, Tel. 70-4660- t 113 gemeldet haben.