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02 Herzlich grüße ich Sie alle! Den hochwürdigen Herrn Apostolischen Visitator
Prälaten König, wir freuen uns auf die Predigt, aber
auch, dass wir wieder einmal schlesische Kirchenlieder im Gottesdienst
singen können. Mein Gruß gilt dem Oberbürgermeister
Dr. Reiniger, der mich so herzlich eingeladen hat. Besonders herzlich grüße ich alle Landsleute aus der Heimat. Sie haben den weiten Weg aus Oberschlesien ebenso nicht gescheut wie persönliche Kosten. Gegrüßt seien auch die jungen Menschen, die mit ihren Eltern und Großeltern zum Heimattreffen heute gekommen sind, um mehr über die Heimat ihrer Familie zu erfahren. Gerne habe ich die Einladung als Fest-Redner angenommen. Allein aus dem Grunde, weil wir Schlesier und Oberschlesier zusammengehören und auch zusammenhalten müssen. Ein jeder von uns ist doch dem anderen hier zu einem Stückl Heimat geworden, das man nicht vorfände, führe man nicht selber zum Heimattreffen. Heimat! Heimat ist kein altmodischer Begriff, keine rührselige Gefühlssache, wie es uns-die Linken einreden Wollen. Vor fast 10 Jahren begründete der heutige Regierungssprecher im Namen des damaligen Ministerpräsidenten von Niedersachsen und heutigen Bundeskanzlers, er begründete die Verweigerung jeglicher Finanzhilfen für ein Schlesier-Treffen in Hannover mit den Worten: "Es ist doch fragwürdig, ob überhaupt noch Bedarf an Erinnerung an Schlesien besteht! Die Antwort, meine lieben Landsleute, geben Sie heute! - Danke für Ihr Kommen zu diesem 25. Heimattreffen! Ein Volk, das seine Geschichte nicht kennt,
das Teile seiner Geschichte verdrängt, Gerade in Zeiten dramatischer Veränderungen, vom Zusammenbruch des Kommunismus bis zu dem Inferno von New York, in Washington und die Lehren daraus, in dieser Zeit der Hektik, des persönlichen Stresses und vielfacher Belastungen, ist es wichtig, dass man seine Wurzeln kennt. Unser Oberschlesien wird mit Recht genannt: Das Land unter dem Kreuz! Ja, Glaube und Heimat gehören für uns zusammen. Liebe Landsleute! Wir sind hier zusammengekommen, um uns wiederzusehen, um Gedanken und Erinnerungen auszutauschen, neues aus den Familien, von den ehemaligen Nachbarn, von Arbeitskollegen, von Jugendfreunden und von Hindenburg zu hören. Wir wollen alte Freundschaften bekräftigen und neue Bekanntschaften schließen. Wir kommen auch zusammen, um zu feiern. Schon jetzt danke ich den Fleischern und Bäckern, die uns mit Krupniokis, mit Streusel- und Mohnkuchen erfreuen, den Verlagen, die uns Bildbände und Heimatbücher anbieten. Wer kann es uns verdenken oder verwehren, wenn
wir heute insbesondere an die Heimat denken. An Hindenburg,
Biskupitz, Zaborze, an Poremba, Mathesdorf und Klausberg. Im
Geiste stehe ich auf der Hochbrücke am Hindenburger Hauptbahnhof,
sehe vor mir die Hochöfen, die Bergwerke, die Schornsteine,
die Fördertürme, die Schlacken Halden, die Donnersmarck-Hütte
und die Reden-Hütte. Wir spüren die Geschichtsträchtigkeit
dieser so relativ jungen Großstadt Hindenburg, wenn wir
an die Adels-Familien derer von Henckel-Donnersmarck, derer
von Sobczek oder von Wilczek denken, an die Bedeutung von August
Borsig oder Adolf Deichsel für Hindenburg. Wenn ich so in der Erinnerung schwelgend auf der Hochbrücke stehe; nun ja, im Vergleich zum renovierten Hauptbahnhof in Essen, ist der heutige Bahnhof in Hindenburg wahrhaftig kein Schmuckstück. Vieles ist renovierungsbedürftig: die Haupt-Post, der Admiralspalast oder auf der anderen Seite die Reichsbank, der Reitzensteinplatz. Und dennoch sind z. B. das Stadion und der Peter-Paul-Platz eben Heimat, auch wenn Straßen und Plätze heute andere Namen tragen. Im Geiste gehen wir heute aber auch über die Friedhöfe. Wir denken an unsere Verstorbenen und an zu Hause. Und wir sind stolz auf Hindenburg und Oberschlesien. Glaube und Heimat, das beinhaltet auch Arbeit, Frohsinn und Lebensbejahung. Und so, wie die Kölner ihren Tünnes und Scheel haben, so bekennen wir uns zu "Antek und Frantek" oder zu "Moczigemba und Wodgurka". Gestern las ich in Essen-Stoppenberg am Grabe meines Großvaters und bei den Gräbern meiner Verwandten unsere schönen Familiennamen vom Opa Stais, Barteczko, Badura und Niedzwidz. Andere aus meiner mütterlichen Familie heißen Lukaschek, Ulitzka, Cholewa und Szepanik. Das ist halt Oberschlesien! Um ehrlich zu sein - nur unter uns gesagt - wie langweilig sind dagegen die Familiennamen Müller, Meier oder Schulze. Ja, die Öffentlichkeit soll und muss es begreifen: Wir Schlesier und Oberschlesier sind da, wir sind eine Realität in unserer pluralen Gesellschaft. Wir kommen auch nach 55 Jahren Flucht, Vertreibung und Deportation zum Hindenburger Heimattreffen zusammen. Unser Schicksal ist und bleibt ein gesamt-deutsches Schicksal. Herr Oberbürgermeister! Diese Patenschaft durch eine Partnerschaft ergänzen zu wollen, ist gut! Aber eine Partnerschaft nicht ohne die Vertriebenen von Hindenburg! Nicht Friede, Freude, Eierkuchen im deutsch-polnischen Verhältnis. Ein ehrliches, wahrhaftiges Zusammengehen im neuen Europa ist erforderlich! Liebe Landsleute! Ob gelegen oder ungelegen weise ich gerade heute hin auf den Satz aus dem alten römischen Recht, der für mich auch heute noch Gültigkeit hat: "Aus Unrecht kann kein Recht werden!" Wer die furchtbaren Vertreibungen im Kosovo verurteilt, darf über unsere Vertreibung nicht achselzuckend hinwegsehen. Unsere andauernde Vertreibung war, ist und bleibt ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Herr Bundeskanzler, mein alter Bundestagskollege,
Gerhard Schröder: Sie wollen unsere Fragen als eine <
ich zitiere - "abgeschlossene historische Epoche für
die Geschichtsbücher"> betrachten. Sie wollen <
Zitat - "die Fragen der Gegenwart nicht mit Problemen der
Vergangenheit belasten">. Herr Bundeskanzler! Wir, die
wir heute hier versammelt sind, wir sind nicht Vergangenheit.
Wir sind Bürger dieses Staates. Wir sind ein Teil dieser
Gesellschaft und melden uns Ist Ihnen Herr Bundeskanzler nicht klar geworden beim Balkan-Krieg, dass dieser geführt wurde, weil über 100 Jahre keine gerechte Lösung gefunden wurde- Völlig zutreffend ist es, wenn gesagt wird: Wie anders äußerte sich dagegen der
Hochkommissar für Menschenrechte der Vereinten Nationen
gegenüber dem Bund der Vertriebenen: Oder auch unser Hl. Vater: < Zitat - "Umsiedlung
und Vertreibung können niemals die endgültige Antwort
auf das Leid der davon betroffenen Menschen sein. Sie haben
ein Recht darauf, zu ihren Wurzeln zurückzukehren, heimzukehren
in ihr Geburtsland."> Liebe Landsleute! Als ich diese Woche im Fernsehen
den deutschen Außenminister neben dem Präsidenten
in Washington sah, da mußte ich zur Kenntnis nehmen, dass
auch heute noch aus einem Saulus ein Paulus werden kann. Wir
wollen aber klarstellen, meine lieben Landsleute! Wir lassen uns nicht und zwar von niemandem,
ob von einer Grünen Bundestagsvizepräsidentin oder
von Abgeordneten der PDS und leider auch von Teilen der SPD,
bei unseren Forderungen in die rechtsradikale Ecke drücken.
Damit hier nicht der Eindruck entsteht, ich würde parteipolitisch
argumentieren und nicht heimatpolitisch, füge ich sofort
hinzu: Auch in meiner Partei haben sich einige in dümmlicher
Weise geäußert. Dort wurde etwa durch einen Bundespräsidenten
von "erzwungener Wanderschaft" statt von Vertreibung
gesprochen, da wurden von einer früheren Bundestagspräsidentin
die Fahnen Schlesiens und Oberschlesiens aus dem Reichstag entfernt.
Hier, liebe Landsleute und verehrte Gäste, habe ich und
werde ich z. B. im CDU Bundesvorstand stets für uns klar
und deutlich Stellung beziehen. Ob gelegen oder ungelegen; lasst uns heute neben der Wiedersehensfreude auch das Bekenntnis zu unserer Heimat im Osten abgeben und in aller Kürze 2 konkrete Forderungen erheben: Die 1. Forderung ist: Zugehörigkeit zu Europa bedeutet für die beitrittswilligen Staaten aber auch Verpflichtung auf die Grundfreiheiten; also Freizügigkeit, Niederlassungsfreiheit, Eigentum. Recht auf Sprache. Kultur und Tradition. Es ist eine Zumutung von Warschau, die Vertriebenen 18 Jahre lang ausklammern zu wollen, von diesen Rechten. Bei der EU-Osterweiterung müssen die Vertreibungs und Enteignungsdekrete weg! Warschau muß endlich auch mit unseren Vertriebenenverbänden sprechen. Wovor haben Sie Angst- Ich sage es einmal ganz offen. Europa wurde nicht in erster Linie dazu geschaffen, um den Schweine- und Rindermarkt oder den Getriedepreis zu regulieren oder in Polen die marode Landwirtschaft in Ordnung zu bringen oder wie wir Oberschlesier sagen Poschundek zu machen. Wir wollen ein Europa mit gemeinsamen Werten und gemeinsamen Rechtsvorstellungen. Ein Europa der Vielfalt in Eintracht. Sicherlich haben wir hier auch noch an uns selbst zu arbeiten. Bei aller ehrlichen Würdigung der Verbesserungen in Polen seit 1990; dort ist in manchen Politiker-Köpfen und - entschuldige bitte, lieber Herr Prälat König, lieber Winfried - auch in der Gesinnung vieler Geistlicher, angefangen beim Kardinal Primigs in Warschau ebenfalls noch Poschundek notwendig. Meine Damen und Herren, liebe Landsleute! Wir sind alle ein wenig - verzeihen sie dieses Wort - "lahmarschig" geworden. Wir haben aber allen Grund uns zu Wort zu melden! Also die 2. Forderung: Ich war 22 Jahre als Abgeordneter im Bundestag und kenne den Haushalt. Es ist Geld darin übrig, um fast jedem afrikanischen Land als Entwicklungshilfe den nationalen Fußballtrainer zu finanzieren. Dafür werden Millionen ausgegeben. Aber es ist kein Geld da für die kulturelle Breitenarbeit der Landsmannschaften. Die Kulturreferenten der Landsmannschaften mussten fast alle entlassen werden, weil der Bund dafür kein Geld mehr ausgeben will. Das ist die Wahrheit! Ebenso geht es bei der Unterstützung unserer
Landsleute in den Vertreibungsgebieten und der ehemaligen Sowjetunion. Wo bleibt hier unser gemeinsamer Protest- Wer hilft mit von Ihnen als Mitglied des Bundes der Vertriebenen oder der Landsmannschaften- Welche Konsequenzen ziehen wir daraus- Liebe Landsleute! Wir sind selbst gefragt! Wir sind gefordert! Laßt uns den Deutschen Freundschaftskreis in Hindenburg finanziell und organisatorisch - wie ein jeder kann -persönlich unterstützen. Helfen wir z. B. der Jugendarbeit in Oberschlesien. Helfen wir etwa dem Freiherrn von Strachwitz, dem langjährigen Sprecher der katholischen Edelleute Schlesiens, damit er weiterhin jedes Jahr Kinder, auch aus Hindenburg, aus dem gesamten Industrierevier, Kinder an die Nordsee zur Erholung einladen kann. Ich kann hier aus Zeitgründen nur einige Bitten ansprechen. Aber es gibt so viel, was man persönlich leisten kann. Liebe Hindenburger, Liebe Landsleute! Beim 25. Heimat-Treffen sage ich ein besonderes Vergelt's Gott und Dankeschön der Stadt Essen, dem Herrn Oberbürgermeister Dr. Reiniger und auch dem Herrn Bürgermeister Kleife-Möllhoff, dem Rat und der Verwaltung, auch den Parteien, die für dieses Treffen Geld und Personal zur Verfügung gestellt haben. Dank allen, die dieses Treffen unter Aufopferung ihrer Freizeit organisiert haben und durchführen. Liebe Frau Mosler und lieber Damian Spielvogel. Dank den Ehrengästen für ihr Kommen und ihre Solidarität. Dank der Presse im Voraus für ihre sicherlich objektive Berichterstattung. Ihnen allen Dank. Einen gnadenreichen Festgottesdienst. Ein schönes Treffen. Gute Gespräche. Viel Freude. In diesem Sinne: Essen und Nordrhein-Westfalen, Glück auf! |