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2 BdV-Nachrichten Sept/Okt./Nov.
2001
Zum
Thema > Zwangsarbeiter <
Aus dem
Deutschen
Bundestag:
Nachfolgend ein Redebeitrag des CDUBundestagsabgeordneten Martin
Hohmann
(Fulda), der in der »veröffentlichten Meinung«
als Mißklang, gar als Eklat verurteilt wurde.
MdB-Hohmann: »Nach heutigem Wert sind an rassisch, religiös
oder politisch Verfolgte nach dem BEG rund 233 Milliarden DM gezahlt
worden. Rund 100.000 Verfolgte erhalten derzeit BEG Renten in
einem jährlichen Gesamtvolumen von 1,2 Milliarden DM. Seit
Konrad Adenauer und Ben Gurion hat Deutschland in einzigartiger
Weise Verantwortung übernommen.
Man fragt sich manchmal, warum diese riesige Entschädigungsleistung
nicht deutlich kommuniziert wird.
Ärgerlich wird es aber, wenn ein Politiker der Regierungskoalition
hier im Bundestag behauptet: Die Zwangsarbeiter sind Menschen,
die von unserem Staat nie etwas bekommen haben.
Bereits Entschädigungen
Die Wahrheit ist, dass neun von zehn Zahlungsempfängern bereits
Entschädigungsleistungen aus deutschen Kassen erhalten haben.
Wir alle wissen, welch unsägliches Leid jüdischen Menschen
und Menschen anderer Völker durch Deutsche im letzten Jahrhundert
beigebracht worden ist.
Faktum ist, dass bis heute jede Bundesregierung rechtliche Ansprüche
von Zwangsarbeitern zurückgewiesen hat. Faktum ist, dass
bis heute kein einziges Gericht Zwangsarbeiterentschädigungen
rechtskräftig zugesprochen hat. Faktum ist, dass der Stiftungsinitiative
der deutschen Wirtschaft der große Schrecken über die
erfolgreiche
1,25 Milliarden-Dollar-Kampagne gegen die Schweizer Banken in
die Knochen fuhr. Unter befreundeten Staaten gebraucht man das
Wort Erpressung nicht. Aber eine sehr wirksame Einladung zur Aufnahme
sehr ernsthafter Verhandlungen waren die von B'nai B'rith International
und dem American Jewish Congress in den USA geschalteten Anzeigen
schon.
Faktum ist, dass erst das Zusammenwirken von mehreren Umständen
und Wirkungen das heutige Ergebnis herbeigeführt hat. Da
sind die Geschäftsinteressen großer deutscher Firmen
in den USA. Da ist das Institut der amerikanischen Sammelklage
mit ihren horrenden Klagesummen.
Da ist der Fortfall Deutschlands als wichtigster Verbündeter
der USA nach dem Ende des Kalten Krieges. Da ist, wie es Stuart
Eizenstat anlässlich der 1998er-Abschlussfeier der jüdischen
Yeshiva-Universität ausdrückte, das Erstarken und das
In-den-Mittelpunkt-des-amerikanischen-Lebens-Rücken der Juden
in den USA. Da ist auf deutscher Seite die Verantwortung bei Politikern,
für die der Erfolg der 68er-Vergangenheitsbewältigung
ein prägendes Erlebnis war. Wenn heute der Versuch gemacht
wird, historisches Leid mit einer moralischen Geste zu lindern,
dann dürfen wir das Leid und die Menschenrechte deutscher
Zwangsarbeiter nicht schweigend übergehen.
(Beifall
bei Abgeordneten
der CDU/CSU)
»Hier gilt: Gleiches Recht für alle«
Zu:»Pfiffe
für den letzten Redner«
Weil Herr Martin Hohmann von der CDU, »mehr Herz für
ehemalige deutsche Zwangsarbeiter« gefordert hat, wurde
er mit Pfiffen bedacht, was ich überhaupt nicht für
angebracht halte.
Ich war fast fünf Jahre als Kriegsgefangener in sowjetischer
Gefangenschaft. Von da sind mir allein zwei Fälle solcher
»Zwangsarbeiter« bekannt. Der eine, ein Angehöriger
der Deutschen Reichsbahn, also ein Uniformträger, nahm Reißaus
in Saarbrücken vor dem Ami, kam zu Fuß bis nach Neckarelz,
erwischte da noch einen Zug nach Berlin, seiner Heimat, und wurde
dort prompt vom Iwan geschnappt und ins Kriegsgefangenenlager
gesperrt.
Der 2. Fall war Günter Schulz aus Ostpreußen, welcher
damals 13- oder 14-jährig, mit seiner Mutter auf der Flucht
nach dem Westen war. Sie wurden gefangen genommen, Günter
von seiner Mutter getrennt und war mit mir im gleichen Kommando
fast fünf Jahre in Kothla-Järve in Estland im Ölschieferbergwerk.
Frage: Waren
das nun »Zwangsarbeiter« oder nicht und weshalb wurde
dann Herr Hohmann ausgepfiffen?
Es gilt doch immer noch der Begriff »gleiches Recht für
alle«. Aus diesem Grund bin ich für eine Inangriffnahme
dieses Problems, auch wenn nicht mehr viele am Leben sind.
(Leserzuschrift
an die RheinNeckar-Zeitung 16./17.6.01)
»Die
Bundesregierung sieht keinen Anlass, den 5. August zum nationalen
Gedenktag der deutschen Opfer von Vertreibung, Deportation und
Zwangsarbeit zu erheben.«
Auf eine Parlamentsanfrage des
Abgeordneten Koschyk erklärte die
Bundesregierung desweiteren:
»Der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft wird unter Beteiligung
des Bundespräsidenten am Volkstrauertag gedacht. Der Bund
hat in der Neuen Wache in Berlin eine zentrale Mahn- und Gedenkstätte
eingerichtet, die auch dem Andenken der deutschen Vertriebenen
dient. Er beteiligt sich darüber ,''~i hinaus finanziell
am Mahnmal der Vertriebenen auf dem Theodor-Heuss-Platz in Berlin.
Ferner werden alljährlich am »Tag der Heimat«
die Dienstgebäude des Bundes beflaggt.«
Ministerpräsident
Teufel unterstützt Forderung des BdV den 5. August zum nationalen
Gedenktag zu erklären.
In seinem alljährlichen Aufruf zum Tag der Heimat «
bezeichnete Teufel einen solchen:Tag für die Opfer von Vertreibung,
Deportation und Zwangsarbeit als ein Zeichen gegen Krieg und Leiden
aller Völker.
Die Heimatvertriebenen hätten noch unter dem unmittelbaren
Eindruck der schrecklichen Vertreibungsereignisse mit dem Verzicht
auf Rache und Vergeltung die leidvolle Kette von Unrecht und Vergeltung
gesprengt und die Hand zur Versöhnung und Verständigung
gereicht. »Die Heimatvertriebenen wiesen damit zugleich
den Weg in eine gemeinsame und friedvolle und europäische
Zukunft«. Sie hätten vor 51 Jahren die kühne Vision
von einem geeinten Europa formuliert, indem die Völker ohne
Furcht und Zwang miteinander leben könnten. »Sie waren
Europäer der Ersten Stunde. Und Sie haben mit Ihren Versprechungen
Wort gehalten«, betonte der Ministerpräsident.
Zur Zwangsarbeit verschleppte Frauen:
Frauen,
die infolge des Zweiten Weltkrieges als Z i v i I v e r
s c h I e p p t e zu Zwangsarbeiten nach S i b i r i e n
kamen, konnten diese Jahre wegen fehlender Unterlagen bisher
bei der Rentenversicherung nicht geltend machen.
Der
Suchdienst des DRK in München bekam 1992 von der Sowjetunion
über eine Million Daten übermittelt Darunter auch
solche des oben genannten Personenkreises.
Weitere
Dokumente befinden sich in russischen Archiven. Der Suchdienst
der DRK leitet entsprechende Anfragen gegebenenfalls nach
Russland weiter.
Für
die Kosten dieser Kopien müssen die Antragstellerinnen
aufkommen.
Suchdienst
des Deutschen Roten Kreuz
z.Hd. Herrn Mittermaier
Chiemgaustr. 109, 81549 München
Tel.: 089/6807730, Fax.: 089/680 -74592, Internet: www.drk-suchdienst.org.
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