Funker-Netz des russischen Geheimdienstes

D ie Bundesanwaltschaft durchleuchtet derzeit ein streng geheimes Funker-Netz des russischen Geheimdienstes in der Bundesrepublik. Wie FOCUS berichtet, soll Moskaus Militärgeheimdienst GRU bis zum Niedergang der DDR vorsorglich ehemalige Funker der Nationalen Volksarmee (NVA) angeworben haben, um auch Nachrichten aus dem wiedervereinigten Deutschland beziehen zu können.

Das DDR-Ministerium für Staatssicherheit (MfS) habe die Anwerbungen argwöhnisch beobachtet und dazu Akten angelegt. Entsprechende Unterlagen aus der Außenstelle der Birthler-Behörde in Dresden werden laut FOCUS ausgewertet. Die Dossiers enthielten Namen und Anschriften zahlreicher ehemaliger NVA-Funker, die von GRU-Agentenwerbern angesprochen worden seien.

Die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke Scheuten, sagte FOCUS: „Wir kennen den Verdacht und prüfen die erreichbaren Beweise.“ Der frühere Vizechef der Stasi-Bezirksverwaltung in Dresden, Hardy Anders, bestätigte FOCUS die russische Anwerbe-Operation: „Es ging um die Akquirierung von neuen Spionagenetzen für die Bundesrepublik.“ Zwei ehemalige NVA-Funker berichteten, ihnen sei damals zugesichert worden, dass sie nie mehr zu einer NVA-Reserveübung einrücken müssten, falls sie mit dem GRU kooperierten.