W. I. Juretzko
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Graf Spee

 

Auf den Spuren der Graf Spee

"am rostigen Anker lag eine rote Rose."

von Werner I. Juretzko

Nur wenige hundert Meter in die internationale Hochheitszone hinein aber doch noch vor den Toren der Hauptstadt Uruguay's , Montevideo fand das Schlachtschiff "Graf Spee" in den trüben Gewässern des Rio de la Plata , sein Grab.

Obwohl das Schiffswrack auf dem flachen Boden der schon zum Atlantik gehörenden Bucht liegt, zeigen sich einige rostige Deckbauten über die Oberfläche ragend, dem Vorbeisegelnden. Beim Anblick dieses Schiffswrack kommt sofort bei jedem die Frage auf , wieso liegt dieses deutsche Schlachtschiff versunken vor der Küste Uruguay's ?

Seit Beginn des Zweiten Weltkrieges am 1.September 1939 und dem Eintritt Grossbritaniens drei Tage später in Krieg, jagte und sank die Graf Spee gegnerische Frachtschiffe im Südatlantik. Von einer Übermacht englischer Kriegsschiffe in einer Seeschlacht schwer beschädigt und verfolgt, läuft sie mit letzter Kraft in den schützenden Hafen von Montevideo ein. Hier sucht sie Schutz und auch die Gelegenheit Reparaturen durchzuführen um wieder seegängig zu werden. Auch werden hier die 36 in der vorher stattgefundenen Seeschlacht gefallenen Matrosen auf dem Friedhof von Montevideo beigelegt. Die 86 Seeleute der feindlichen Handelsflotte, welche vor dem Versenken ihrer Schiffe an Bord der "Graf Spee" genommen worden sind, werden jetzt an Land und in die Freiheit gesetzt.

Uruguay seine Neutralität bewahrend, kann nach Seerecht und der Haager Landkriegsordnung, diesem in einem kriegerischen Konflikt verwickelten Kriegsschiff nur einen 72 stündigen Aufenthalt gewähren. Dieses ist auch der am Horizont wartenden englischen Flotte bekannt. Ebenfalls bekannt ist Freund und Feind in diesemAugenblick das die schwerbeschädigte "Graf Spee" seine Manövrierfähigkeit verloren hat und in einem künftigen Gefecht seinem Gegner sich nur noch als eine Zielscheibe bieten kann.

Kämpfen - aufgeben - leben - sterben - Ehre - Schmach nicht nur für die "Graf Spee" aber auch für die Matrosen unter seinem Kommando, das sind jetzt die Gedanken die wie Blitze durch den Kopf von Kapitän Langsdorff sausen. Die Entscheidung über Leben und Tod liegt jetzt allein und nur allein in seinen Händen.

Und diese Entscheidung traf Kapitän Langsdorff !

So wie diese Entscheidung damals am 17 Dezember 1939 die Welt ins Erstaunen versetzte, so ist diese heute noch längst über ein halbes Jahrhundert später, welche die Hochachtung von Freund und Feind und jedem Neutralen zugleich, mit sich bringt und aufleben läßt.

Mit Volldampf in den noch übrig gebliebenen Kesseln, allen Matrosen auf Gefechtsstation und der Reichskriegsflagge am höchsten Mast im Winde flatternd, verläßt die "Graf Spee" den schützenden Hafen von Montevideo in Richtung offene See, auf die dort warte nden englischen Kreutzer EXETER, AJAX, ACHILLES und andere Fregatten, zusteuernd .

Zeitzeugen berichten ironischerweise: " Halb Uruguay stand am Strand um dieser aufkommenden Seeschschlacht zuzusehen " Dabei ist aber gemeint das 2 Millionen der 4 Millionen zählenden Bevölkerung Uruguays in der Stadt Montevideo wohnen. Das jetzt zu erwar tende Schauspiel einer Seeschlacht fand nicht statt. Das Unerwartende geschieht !

Auf halber Strecke zwischen dem Hafen und der englischen Flotte stoppt das Schlachtschiff "Graf Spee". Dunkler Rauch steigt zum Himmel. Die Flaggen werden eingeholt. Rettungsboote werden vom Schiff heruntergelassen. Die Schiffsmanschaft besteigt die Boote welche sich jetzt zu einem Konvoi ordnen. Doch nicht wie ein jeder erwartet hatte das diese die kurze Strecke zurück zum Hafen einschlagen würden, sondern jetzt mit einem neuen Kurs das argentinische Hochheitsgewässer ansteuern.

Mit jeder Minute sinkt die "Graf Spee" tiefer ins Wasser. Kapitän Langsdorff gab den Befehl die Schotten zu öffnen und das Schiff zu sinken. Den an Land gestrandeten Matrosen gewährt die argentinische Regierung Asyl. Der schon zu diesem Zeitpunkt existierende Tiefstand der argentinisch-englischen Beziehungen sinkt noch tiefer.

Die Engländer hätten es vorgezogen die gesammte Besatzung als Gefangene nach England als Siegestropheen mitzubringen. Doch war es ein Sieg ? Und wenn es ein Sieg war, dann für wenn ? Wenn wir heute, dass heisst die Geschichte, einen Sieger aus dieser Seeschlacht in der Bucht des Rio de la Plata herausschälen wollen, dann muß diese Rolle einzig und allein Kapitän Langsdorff zugemessen werden.

In den jetzt schnell aufeinander folgenden Ereignissen wird alles bisher in der militärischen Geschichte geschilderte Heldentum überschattet. Einen Tag nach der Landung in Buenos Aires nimmt sich Kapitän Langsdorff mit einen Kopfschuss aus seiner Pistole das Leben. Man fand ihn in seinem Hotelzimmer auf einer auf dem Boden ausgebreiteten kaiserlichen Reichskriegsflagge liegend. Er war ein wahrer Ritter ! Ein Held-dessen Tod grösser war als das Leben das er gelebt hat. Er starb, sodass hunderte Andere l eben konnten. Er war sich dessen bewusst das eine Seeschlacht auf beiden Seiten keinen klaren Sieger bringen würde. Aus dieser Situation heraus zog er die Konsequenzen. Hunderte Matrosen - auf beiden Seiten und heute, deren Kinder und Kindeskinder verdanken diesem "SEERITTER" ihr Leben.

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Vor einigen Jahren wurde der Anker der "Graf Spee" von Tauchern aus der Tiefe gehoben und ans Tageslicht gebracht. Er liegt jetzt im Mittelpunkt des Denkmals im Hafen von Montevideo. Direkt an der Hafenkante, der Stelle, dem letzten Ankerplatz an Land, vor dem Auslauf der "Graf Spee" zum Meeresboden auf dem Ozean.

Heiss brennt die Sonne an diesem Sommertag im Hafen. Ihre Strahlen erhitzen die eiserne Masse des Ankers und geben der auf ihm liegenden roten Rose keine grosse Chance den kommenden Tag zu überstehen. Ich betrachte, vertieft in meinen Gedanken hier die Ereignisse des 17. Dezember 1939 aufleben zu lassen, die verwelkte Rose. "Machen Sie sich keine Sorgen über die verwelkte Rose. Morgen ist wieder eine Neue hier. Und den nächsten Tag wieder." Die Stimme kommt von Alfredo, Obermaat der urugayischen Marine, der mich freundlich anspricht und weiter fortführt : " Die kommen alle zum Denkmal. Alemanos, Engländer, Freunde und Feinde und auch unsere Leute bringen Blumen. Jeden Tag sind Frische hier ! " Nach einer kurzen Unterhaltung verabschiedet sich Alfredo und eilt zum Dienst zu einem der im Hafen ankernden Küstenschutzbooten.

"Ja, dieser Anker stumm wie er da liegt auf dem südamerikanischen Erdteil, der erzählt wirklich eine Geschichte !" Denke ich, als ich mich langsam von diesem Denkmal verabschiede und meine Reise fortsetze. Gerne jedoch hätte ich gewußt was der Bewegungsgrund der Geschichte ist von demjenigen welcher die Rose auf diesen rostigen Anker brachte.

 

Zu den Bildern:

GrafSpee
Das Schlachtschiff die "Graf Spee" brennt und sinkt.

Kapitan

Kapitän Hans Langsdorff beim Verlesen der Namen der Schiffsbesatzug beim Eintreffen in Buenos Aires.

GrafSpee1

Die Ehrenwache am Friedhof in Buenos Aires, der letzten Ruhestätte von Kapitän Langsdorff.

Anker

Werner I. Juretzko am Denkmal der "Graf Spee" in Montevideo.

 

Artikel aus der Bild Zeitung vom 26.02.2004

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