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This page was established 11-15-2000

Kirche

 

Die Kirche die meine Väter bauten

Von Werner I Juretzko

Oberschlesien Anno 2000 – August


Als der Küster mit dem grossen schmiedeeisernen Schlüssel das Tor aufschloss, öffnete sich die barocke Pracht welche das Innere dieser kleinen Holzkirche ausschmückte vor unseren Augen.

Bei diesem Anblick wanderten unsere Gedanken zurück in das Leben und Wirken der Menschen welche um das Mittelalter hier, in diesem Teil der Erde Lebten:

Meine Vorväter mütterlicherseits.

Die Geschichte entfaltete sich vor uns!

Bei ihnen herrschte noch Frieden, im Jahre des Herren 1622. Um sie herum, den Bewohnern der Gemarkung Ruptau (Ruptawa), eingebettet zwischen den nördlichen Ausläufern der Beskiden, im heutigen südlichen Teil Oberschlesiens, wüteten Mord und Totschlag.

Das war nur der Anfang!

Der Anfang eines Krieges welchem die spätere Geschichtsschreibung den eigenen Namen gab:

”Der Dreissigjährige Krieg”

Als im Jahre 1618 erbosste Bittsteller im Prager Hradschin einen drittrangigen Kanzleibeamten aus dem Fenster warfen, welcher jenen die Genehmigung verweigerte, eine Kirche zu bauen, fing der Dreisigjährige Krieg an. Bekannt als der Prager Fenstersturz schlugen, zerfleischten und mordeten sich von da an die Völker Europas im religiösem Wahnsinn. Den Namen Gottes auf den Lippen legten diese grosse Teile des damaligen Europa in Schutt und Asche, bis 1648 mit dem Frieden von Osnabrück, ausgeblutete Katholiken und Protestanten ihre Sinne zur Versöhnung, wiederfanden.

Nur vier Jahre später, ungestört von den Erreignissen um sie herum in Ruptau, sich noch des Friedens erfreuen, schlugen die Holzfäller in den Waldhängen die Bäume zum Bau einer Kirche. Bergbauer, Schäfer, Häusler und Tageslöhner waren hier die Menschen, welche dem steinigen Boden ihre tägliche Existenz abrangen. Doch alle wirkten gemeinsam, um dem Bauwerk Gott ihre Ehrfurcht zu zeigen. Das am Ende erschaffene, im Barockstil errichtete Gotteshaus, widmeten sie dem Heiligen Bartholomeus. Ganz aus Holz gebaut, nur mit einem einzigen Gegenstand aus Stein geschlagen: das Taufbecken neben dem Altar.

Christine aus Amerika steht neben dem steinernen Taufbecken

Eine im wahrsten Sinne des Wortes ”BEWEGTE” Geschichte hat diese kleine Holzkirche, die mit etwa eineinhalb Dutzend ihresgleichen noch exisistierenden und von der Polnischen Republik unter Denkmalschutz gestellt, zu erzählen. Denn bewegt wurde sie. Im Jahre 1971 wurde diese Balken für Balken - Stück für Stück auseinandergenommen, um nach dem etwa 15 Kilometer entfernten Ort Kaczyce (Katschitz), nahe der tschechischen Grenze, transportiert und dort wieder aufgebaut zu werden.

Ansicht der Bartolomeus Kirche

Historische Beschreibung am Kircheneingang

Urkundlich belegt ist, dass sie auf dem selben Fundament errichtet wurde, auf welchem im Jahre 1447 die dem heiligen Petrus geweihte Kirche stand. (Christopher Columbus, der Entdecker Amerikas, war zu dieser Zeit noch nicht einmal geboren). Überlieferungen, wie diese Kirche ihr Ende fand sind nicht klar. Die Geschichte, dass Reiterscharren mit grossen Sebeln kamen und diese niederbrannten, hörte meine Mutter als Überlieferung von ihrer Grossmutter, welche Sie auch aufzog. Das Grab ihrer Mutter ist nur etwa vierzig Schritte von der Stelle entfernt wo einst die Kirche hier in Ruptau stand. Über die Grossmutter steht im Kirchenbuch…….”von einem bösen Hund gebissen stirbt Marianne Swoboda im Jahre des Herren 1891. Herr gib ihr den ewigen Frieden”.

Ein anderer Eintrag welcher von einer mehr glücklicheren Epoche berichtet : …….der Pferdekutscher des hochwohlgeb. Herrn von Reitzenstein Johann Swoboda nimmt vor Gott die Häuslertochter Marianne Retzlik zum Bunde….Im Jahre des Herrn 1879. ”

Waldblumen schmuecken das Grab der Marianne Retzlik aus dem Jahre 1891.

Drei Generationen ihrer Nachkommen beten an ihrem Grab: Dorathea, Theresa, Rafael, Werner und Christine

Überall wo wir uns bewegen, dorthin wo unsere Schritte gehen, auf dem Friedhof, dem Weg zur Kirche hinauf und herunter, am Altar in der Kirche und dem Becken mit dem Weihwasser, scheint es das auf uns stumme Zeugen unserer Ahnen schauen und mit uns sprechen möchten. Uns begrüssen wollen und sagen: ”Willkommen, ihr Kinder unser Kindeskinder hier auf dieser Erde wo wir einst lebten!”.

Soweit es die Geschichte anbetrifft, verlangt diese eine Korrektur. In der heutigen Beschreibung und Aufzählungen dieser seltenen noch erhaltenen barrocken Holzkirchen in Polen wird diese offiziell als die Kirche von Kaczyce angegeben. Das ist falsch sowie eine Irreführung..

Es ist die Kirche von Ruptau, welche jetzt in Kaczyce steht.


Kazimiera Drewniok

In Radlina-Obszarow geboren, jetzt in Rybnik wohnhaft .

Diese ist eine ihrer Zeichnungen welche schlesische Motive zum Inhalt haben.

In ihrem Buch "Kosciolki drewniane na Slasku" Holzkirchen in Schlesien

finden wir ihre Zeichnung :

Die Sankt Bartolomeus Kirche in Kaczyce.

 

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