W. I. Juretzko
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Werner by Freesilesia

Werner by RS

This page was established 11-15-2000

Die Geschichte

Die Geschichte eines Berges im Wandel der Jahrhunderte

 

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Während der grössten Kriese des Kalten Krieges, als die auf Kuba stationierten sowjetischen Atomraketen auf das amerikanische Festland gerichtet waren und Präsident Kennedy die Streitkräfte der USA auf die höchste Alarmstufe setzte, berichtet Werner I. Juretzko aus dem Werratal am eisernen Vorhang unweit von Eisenach. Die deutschsprachige Zeitung “ABENDPOST” und “DER DEUTSCHAMERIKANER” brachten folgenden Artikel:

……… wann wird Friede schweben über dieser Au ?

Fliegt man heute von Erfurt nach Kassel, nichts aussergewöhnliches würde dem Auge des Betrachters auffallen. Bewaldete Hügel wie grosse Wellen, die braunen Rechtecke der Felder und die grünen Wiesen in den Tälern dazwischen, aneinandergereiht ergeben das, was man das grüne Herz Deutschlands nennt: THÜRINGEN.

Auf halber Strecke würde ein eigenartiger Berg alle anderen dieser Gegend überragend, hervorstechen. Der Ortskundige wüsste, dieser Berg bildet das Ende des Eichsfeldes und den Beginn des hessischen Berglandes. An seinem westlichen Fuß stossen Thüringen und Hessen zur Grenze zusammen. Und nicht nur das.

An der selben Linie verläuft der Eiserne Vorhang zugleich. Der Berg selbst ist der Hülfensberg.

In Vergessenheit geraten, als einer der historischen Plätze des Europa nördlich der Alpen steht er da im Schatten des Stacheldrahtes. Er könnte mit Recht als der Wendepunkt nicht nur der Deutschen aber auch der Geschichte Europas gelten. Als Beginn und Ausgangspunkt der westlichen und christlichen Zivilisation. Es war hier im 8. Jahrhundert n. Chr., als der Mönch Bonifatius auf seiner Missionsfahrt in das Kernland der Germanen kam. Zu jener Zeit als der Gipfel des Hülfensberges mit der mächtigen Eiche, die “ WODANSEICHE” oder “BLUTEICHE” genannt, den religiösen Schrein der Germanen darstellt. Hier unterhielten sie ihre Thingstätte und sprachen das Recht. Es war der der Entscheidungsort über Krieg und Frieden der Germanen zu jeder Zeit, in jener Zeit, in jener Gegend. Die mächtige Eiche stand als Symbol ihrer Freiheit und wurde ebenfalls in tiefer Furcht vor ihrem Gott Wodan und Ehrfurcht zu ihm verehrt.

Wer diese Eiche je mit der Schneide einer Axt anschlägt, Wodan, Gott des Blitzes und des Donners, würde den Frevler auf der Stelle erschlagen. So lautete die Überlieferung von Mund zu Mund über Generationen hinweg. In Treue und Ergebenheit klammerten sich die Germanen an ihre Religion.

Doch im Jahre 723 n. Chr. sollte ihrem Glauben eine jähe Wendung widerfahren. Papst Gregor betraute den angelsächsischen Mönch Winfrid mit der Aufgabe, das Land nördlich und östlich der Franken für Rom zu gewinnen. Er gab ihm ferner den Namen Bonifatius, im deutschen Sinne “DER WOHLTÄTER.” Von Fulda aus setzte Bonifatius seine Missionsarbeit an.

Die störischen Germanen jedoch waren von ihrem Glauben nicht fortzubringen, solange die Bluteiche ihre Äste im Winde bewegt. Eindringende Worte und Predigten treiben die anstrebende Bekehrung nicht voran. So entscheidet sich Bonifatius das Problem zu lösen, in dem er es an seinen fundamentalen Wurzeln anfässt.

Unter den vor Furcht aufgerissenen Augen der versammelten Germanen schlägt er die Axt in den Stamm der Eiche. Nichts geschah ! Kein Blitz vom Himmel hat den Frevler erschlagen.

“Wo ist ihr gewaltiger Gott Wodan geblieben? “ fragen die entsetzten Germanen.

Das war ihre Abmachung ehe der erste Hieb gegen die Eiche vollführt wurde. Bonifatius will sie überzeugen, dass sein Gott stärker ist als Wodan. Die Germanen versprachen, falls Bonifatius die Eiche fällt und er überlebt, er bewiesen hat, dass sein Gott der stärkere ist. Geschlossen werden sie sich von Wodan wenden und sich taufen lassen - dem neuen Gott in Treue dienen.

Zu seinem Gott betend schlägt Bonifatius auf den Stamm der Eiche ein. “ Herr, lass mich dieses Volk bekehren, um sie für Dich zu gewinnen !” Unter den wuchtigen Schlägen fallt die Eiche in sich zusammen. Bei ihrem Sturz senken sich die Häupter der Versammelten und neigen sich noch tiefer als Bonifatius jetzt auf den verbliebenen Stumpf der Eiche das Kreuz aufpflanzt: das Symbol seines Gottes. Des Gottes, dem von nun an die Germanen den Treueeid leisten. Immer noch auf dem Stumpf stehend, hebt Bonifatius die Hand nach dem Westen zeigend. Diese wie zum Segen ausstreckend beschreibt sie einen von Süden nach dem Norden führenden Halbkreis:

“Wann wird Friede schweben über dieser Au ? “

Voller Bange und Besorgnis stellt er diese Frage seinem Gott. Wünscht, ewiger Friede möge einkehren zu diesem Volk und seinem Land.

Die kommenden Jahrhunderte brachten einen relativen Frieden. Wo einst die Eiche stand, wurde ein Kloster errichtet. Ströme von Menschen zogen ueber Jahrhunderte in frommer Wallfahrt seine Hänge hinauf. Städte, Dörfer und Siedlungen entstanden rund um den Hülfensberg. An seiner westlichen Seite dem Werrafluss entlang, der Richtung hin, nach der Bonifatius hindeutete, entstehen vier Siedlungen. Ihre Namen tragen und leben fort die Worte und die Tat, welche dieser Mönch zur Geschichte prägte.

Ihre Namen lauten: Wanfried, Frieda, Schwebda, Aue.

Aus “Wann wird “ ist die Stadt Wanfried geworden. Aus “Frieden” das Dorf Frieda. Aus “schweben” das Dorf Schwebda und aus “AU’ “ die Gemarkung Aue.

Weiter von hier aus setzte Bonifatius seine Missionsarbeit fort. Weiterhin mit Erfolg über Jahre hinweg. Doch bei Dokkum an der Unterweser ereilte ihn sein Schicksal. Von heidnischen Friesen wird er erschlagen. In Fulda bestattet liegen heute seine Gebeine. Später heilig gesprochen, ist er heute der Welt als der Apostel der Deutschen bekannt.

Generationen über Generationen von Menschen sieht der Hülfensberg die Landschaft um sich herum formen, bebauen und zum Blühen bringen. Auch wenn das Menschenhirn noch so erfindungsreich über Jahrhunderte gewesen ist, nichts erschütterte ihn mehr als das Jahr, welches die Menschen ihrer Rechnung nach, das Jahr 1945, nannten. In seiner Hörweite ( bei Geismar im Eichsfeld ) wurden die letzten Schüsse abgefeuert, die den grössten und bekanntlich letzten aller Kriege zum Abschluss bringen sollten. Siegreiche Armeen, den Feind vernichtend vor sich herjagend, ziehen ueber ihn und an seinem Fuss vorbei: nach Potsdam hin. Zur Siegesfeier ins Schloss von Sanssouci. Dort im Siegesjauchzen von Präsident Truman, Winston Churchill und Marschall Stalin, soll sein Schicksal besiegelt und sein Anlitz für Jahrzehnte verstümmelt werden.

Erst war es ein Strich auf der Landkarte. Eine sogenannte Demarkationslinie, welche nur das Sphärengebiet der Sieger aufteilen sollte. Zwischen dem Hülfensberg und den vier Orten an der Werra entwickelte sich der auf der Landkarte gezogene Strich mit den Jahren zum EISERNEN VORHANG. Es dauerte auch nicht lange bis dieser seine ersten Blutopfer forderte. Es sind Menschen die es wagten diesen zu überschreiten. Unter den gezielten Schüssen seiner Wächter tränkt ihr Blut die Erde. Die jetzt 20 Jährigen, die zwischen dem Hülfensberg auf der einen Seite und Wanfried, Schwebda, Frieda und Aue auf der anderen Seite Tag und Nacht mit aufgepflanzten Bajonetten hin- und herlaufen, sind die Söhne derjenigen, welche diesen Irrsinn hier errichtet haben. Sie gaben es als Erbe an ihre Kinder weiter. Ein Erbstück, einem gordischen Knoten gleich, an welchem die Söhne anstatt es niederzureissen, es mit der Zeit weiter ausbauten und mit allen technischen Mitteln zur Perfektion austatteten. Nicht nur die Unüberwindlichkeit des Eisernen Vorhang wächst mit den Jahren und Jahrzehnten, sondern auch das Misstrauen untereinander. Die Ruhe die hier heute herrscht, ist die Ruhe im Niemandsland. Ein steter Tanz auf dem Pulverfass. Das Pulverfass Europa, welches über Nacht die Welt zum Beb en bringen kann. Sehr möglich und nicht ausgeschlossen, dass dieser Funke hier entstehen könnte.

Vom Hülfensberg herab und aus Schwebda herauf, von Beobachtungstürmen herunter, von Erdbunkern heraus, über Minenfelder, Spanische Reiter und Todesstreifen hinweg starren sich die Sieger und Verbündeten von einst und jetzt unablässig an. Verflogen ist das übermütige Gelächter, der Siegestriumph von Potsdam. Geblieben ist die Ernüchterung oder die Wehen, in denen sich ein Trinker nach einer durchzechten Nacht befindet und sich immer wieder die Frage stellt: warum?

Der Grenzsoldat, der heute hier Wache steht, war als der eiserne Vorhang errichtet wurde, noch gar nicht geboren. Wohl so mancher Zweifel über den Dienst, den er hier verrichten soll, sein Vaterland zu schützen, mag den Burschen aus Marseille, die Jungen aus Liverpool oder Houston,Texas oder den Bauernjungen aus der Gegend von Leningrad, fragen lassen: “ Warum bin ich eigentlich hier ? “

Oder wenn er von seinem Posten aus den Bauern beim Pflügen ihrer Felder zusieht, sieht, dass die Menschen auf beiden Seiten des Stacheldrahtes gleich aussehen, nicht nur die gleiche Sprache sprechen sondern den gleichen Dialekt, noch mehr Zweifel über sein Hiersein müssten ihn befallen.

Dann würde er in seiner Muttersprache fragen der Junge aus Liverpool oder Houston, Texas : “ When will there be peace in this valley ? “

“Quand va arrive Piece encette Pays ? “ der Bursche aus Marseille.

“ Kogda budjet mir w etoi doline ? “ Heimweh nach Leningrad fühlend der Bauernjunge !

Nur die Sprache wäre eine andere. Der Sinn der Frage wäre der gleiche, den der Heilige Bonifatius vor 1200 Jahren stellt : “Wann wird Friede schweben über dieser AU’ ?”

Wo einst der Hl. Bonifatius in schattigen Buchenhainen wandelte, schleichen heute die Schritte fremder Soldaten durch die Nacht. Was würde er heute sagen, könnte er zurückkehren und sehen, was die Menschen in über tausend Jahren nach seiner Zeit vollbracht haben. Sicher würde er den Weg zum Hülfensberg gehen. Den Weg, den er so oft gegangen war. Und sollte er das Glück haben auf seinem Weg dorthin von keiner Mine zerissen zu werden, er würde sich auf einen Stein setzen, da wo einst die Eiche stand.

Ich glaube, er würde dann ins Tal herunter schauen und ich glaube er würde dann bitterlich, bitterlich weinen!!!

Postscript 1276 Jahre nach dem Fall der Eiche im Jahre 1999 ANNO Domini………..

Depesche aus Kosovo:

wieder 37 Tausend vertriebene Albaner erreichen gestern die Grenze ......stop...... 45 Massengräber mit ermordeten Albanern entdeckt ......stop...... 6 Kinder beim überschreiten der Grenze auf Minen getreten ..…stop….. heute schwerster Luftangriff auf Belg rad ……stop…… Serben morden, plündern und vergewaltigen Vertriebene …….stop….. über 70 Vertiebene von NATO Bombe zerfetzt ……stop……. über 40 Dörfer in Kosovo von serbischen Mördern in Brand gesteckt ……stop…… ethnische Säuberung auf vollen Touren ..…stop…... über 600 Tausend erreichen Albanien, Mazedonien ……stop….. O , Heiliger Bonifatius hilf …….den Menschen ist einfach nicht zu helfen ……Hilf …..Hilf…und nochmals Hilf……stop

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Anmerkung des Autors dieser Homepage :

“Wann wird Friede schweben über dieser AU’ ?”

Der eiserne Vorhang ist gefallen !!!

ÜBER DIESER AU IST DER FRIEDE ZURÜCKGEKEHRT !!!

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