Im Geiste der Erinnerung
25. Hindenburger Heimattreffen in Essen
Ein Bericht von Damian Spielvogel

Wieder einmal ist Essen der Mittelpunkt für alle diejenigen Hindenburger, die ihre oberschlesische Heimat verlassen mussten. Mit dem Ende des Krieges im Mai 1945 begann für viele Menschen ein Leben, das von Flucht und Vertreibung aus der Heimat geprägt wurde. In dieser Zeit begannen Oberlegungen zur Begründung kommunaler Patenschaften für die Heimatvertriebenen. Auch die Stadt Essen stellte sich dieser Aufgabe mit der Obernahme der Patenschaft über die ehemalige Stadt Hindenburg OIS im Jahre 1953.` - diese Worte richtete der Pate der Hindenburger, der Oberbürgermeister der Stadt Essen, Dr. Wolfgang Reiniger, in seinem Grußwort an die Hindenburger, die am 22. und 23. September 2001 wieder zahlreich nach Essen kamen.

Der freundlich ausgesprochenen Einladung zum 25. Jubiläumstreffen - im 48. Jahr des Patenschaftsbestehens - folgten daher Hindenburger aus West- und Mitteldeutschland, aus dem westlichen Ausland und auch selbstverständlich aus der Vaterstadt Hindenburg OS. Die jungen Gesichter vieler Teilnehmer und die große Anzahl von Kindern zeigten unmissverständlich auf, dass die Hindenburger Schicksalgemeinschaft kein pGremium der Altveteranen" ist, sondern eine lebendige Gemeinschaft, die sich friedlich in heimatlicher Begegnung der eigenen Identität und Herkunft gern erinnert.

Die traditionelle Feierstunde dieses Treffens, die am Sonntag, 23. September 2001, stattfand, bewies wieder einmal die wichtige Rolle der Hindenburger und ihres Vertretungsgremiums nicht nur innerhalb der deutschen Heimatvertriebenen, sondern auch deren gesellschaftspolitische Akzeptanz durch die Patenstadt Essen und die Politik.

Nach der ,Ehrung der Toten der Heimat", bei der auch der Opfer des jüngsten Terroranschlages in den USA gedacht, und die vom Bundessprecher der Hindenburger, Damian Spielvogel, vorgenommen wurde, folgte von der Heimatkreisvertrauensfrau für den Stadtkreis Hindenburg OS, Marianne Mosler, die Begrüßung der zahlreichen Ehrengäste. Ein besonderer Willkommensgruß galt selbstverständlich dem Oberbürgermeister der Stadt Essen, Dr. Wolfgang Reiniger, der erstmalig an einem Treffen der Hindenburger teilnahm. Nicht minder herzlich wurden der Festredner Helmut Sauer, der Vorsitzende der Städtischen Patenschaftskommission 1. Bürgermeister Norbert Kleine-Möllhoff, Prälat Winfried König, Professor Heinz Kiefer, Mitglieder des Rates und der Verwaltung der Stadt Essen, die Vertreter der ostdeutschen Landsmannschaften und alle Gäste begrüßt.

In Ihren Ausführungen stellte Mosler u.a. die geschichtliche Entwicklung der Patenschaft Essen-Hindenburg vor.
Die Anwesenheit und die Grußbotschaft des Oberbürgermeisters der Stadt Essen, Dr. Wolfgang Reiniger, wurde mit herzlichen und lebhaften Beifall bedacht. In seinen Ausführungen stellte er die Bemühungen der Stadt Essen vor, mit der jetzigen polnischen Stadtverwaltung von Hindenburg OS
eine partnerschaftliche Zusammenarbeit aufzunehmen. In diese Bemühungen ist auch der Vertretungsausschuss Hindenburg OS" eingebunden.

Zur Freude aller Teilnehmer konnte als Festredner der Bundesvorsitzende der Ostund Mitteldeutschen Vereinigung (OMV) in der CDU/CSU, der langjährige
Bundestagsabgeordnete, Helmut Sauer, gewonnen werden. Der Festredner hat mit seiner Rede, die mehrmals durch einen anhaltenden und stürmischen Beifall unterbrochen wurde, buchstäblich die "Herzen der Hindenburger erobert'.

Die Grüße der noch in Hindenburg OS lebenden Deutschen überbrachte der Kreisvorsitzende des Deutschen Freundschaftskreises (DFK) Helmut Malina. Er bedankte sich für die ausgesprochene Einladung. Für die Deutschen in Hindenburg OS ist die Teilnahme an den Hindenburger Heimattreffen ein Zeichen der Zusammengehörigkeit aller Hindenburger, Oberschlesier und Deutscher. Gleichzeitig erteilte er eine Absage allen Kräften, die die Arbeit der Deutschen in Oberschlesien behindern wollen und sprach sich für die Aufnahme Polen in die EU aus.

Der Polizeichor Essen 1922 hat wie in den Vorjahren auf sehr hohen Niveau die musikalische Umrahmung der Feierstunde übernommen.

Im Anschluss an die Feierstunde schloss sich der Katholische Festgottesdienst an, der von dem Apostolischen Visitator der Priester und Gläubigen aus dem Erzbistum Breslau, Prälat Winfried König, zelebriert wurde. Die Priester der oberschlesischen Heimatkirche, Pfarrer Birkwald, Pfarrer Wiesollek und Konsistorialrat Dr. Slawik haben die Konzelebration übernommen. Prälat König ging in seiner Predigt auf die Bezüge zwischen der Treue zum Glauben und der Heimat ein. Gleichzeitig mahnte er vor dem Hintergrund der Ereignisse in den USA mehr Menschlichkeit und christliche Nächstenliebe an. Kirchenlieder der oberschlesischen Heimat versetzten die Gottesdienstbesucher, die bis auf den letzten Platz die Gruga-Halle füllten, in die zahlreichen Kirchen der unvergessenen Vaterstadt Hindenburg OS. Die aus Mechtal bei Beuthen stammende Bergmannsblaskapelle, unter der Leitung von Josef Slodczyk, verschönerte im würdigen Rahmen diesen Gottesdienst. Der erst 15jährige Marc-David Schwarz, dessen Eltern aus Oberschlesien stammen, begleitete gekonnt die Messe an der Orgel.

Abordnungen von Bergmännern und Trachtenträgem mit zahlreichen Vereinsfahnen, sorgten sowohl während der Feierstunde als auch beim Gottesdienst für zusätzliche Heimatbezüge. Die Oberschlesischen Bergmänner aus Nordrhein-Westfalen, angeführt von Heinz Skaletz, bekräftigten die Teilnehmer in ihrer Heimatverbundenheit und Treue.

Während des 25. Hindenburger Heimattreffens wurde wiederholt seit 1953 das Gefühl des heimatlichen Zusammenhaltes nach Innen und Außen unmissverständlich vermittelt. Bereits zum dritten Mal wurde die Gruga-Halle in Essen zu einem Stück der Heimat zum "Anfassen". Die heimatlichen Fleischerbetriebe Ligensa und Struzina sorgten mit Erzeugnissen höchster Qualität für das leibliche Wohl der nach Essen angereisten Hindenburger.

Das Treffensbüro - Büro der Organisationsleitung - hat wieder zahlreiche Bücher und Publikation mit heimatlichen Bezügen angeboten. Helga Zöllig wusste auch die kleinste "Heimatliche Erinnerung" bei den Besuchern anzupreisen, damit Hindenburg OS auch nach den Treffenstagen lebendig bleibt. Kerstin Uredat von der Essener Stadtverwaltung hat gekonnt alle organisatorischen Aufgaben im Treffensbüro gemeistert.

Eine unverändert wichtige Aufgabe erfüllte die Hindenburger Heimatkartei", die als Informationsquelle nicht nur benutzt, sondern fast buchstäblich "umlagert" wurde. Josef Urbanek, der die "Heimatkartei" betreut, stand stets Rede und Antwort und war unermüdlich bei der Sammlung neuer Anschriften.

Anlässlich des Jubiläumstreffens wurde ein Sonderstempel mit dem Motiv der St. Joseph-Kirche bei der Deutschen Post beantragt. Des weiteren wurden spezielle Postkarten mit Hindenburger Motiven angeboten. Der Pfarrer der Evangelischen Gemeinde in Hindenburg, Dariusz Dawid, stellte unentgeltlich Motivpostkarten mit der Friedenskirche in Hindenburg OS für die Treffensbesucher zur Verfügung. Eckhard Titz hatte stets die Stellung beim Sonderpostamt Hindenburg OS" gehalten.

Die oberschlesischen Online-Spezialisten, Erwin Czmiel und Johann Schumann, präsentierten Hindenburg und Oberschlesien via Internet. Für viele Besucher eine neue Möglichkeit, die Vaterstadt und die Heimat virtuell zu erleben, wo Geschichte und Gegenwart nahtlos übereinander gehen.

Das 25. Hindenburger Heimattreffen war im Sinne des Patens der Hindenburger, des Oberbürgermeisters, Dr. Wolfgang Reiniger, zum Fest der Hindenburger Heimatfamilie geworden, denn in seinem Grußwort hieß es auch: "nach 48 Jahren Patenschaft dient auch das 25. Hindenburger Heimattreffen dem Ziel, den ehemaligen Hindenburgem die Möglichkeit zu geben, sich in freundschaftlicher Atmosphäre in der Patenstadt Essen wiederzusehen und Erinnerungen auszutauschen".

Das 25. Hindenburger Heimattreffen hat glücklicherweise nichts an seiner ursprünglichen Stärke und Festigkeit eingebußt.